Verfasst von: niklasbringtdieweltinordnung | Februar 17, 2008

Across the Universe

Heute gab’s eine schöne Überraschung für mich: einen Film, den ich so mag, dass ich ihn gleich zwei Mal gesehen hab, plus Bonus-Material. Der Titel des Beitrags nennt den Titel: Across the Universe. Mario und Linda haben ihn auf Tip ihrer Trainerin Madeleine geliehen und geguckt. Ich bin bei der Hälfte dazu gestoßen und war verzaubert. Ich will darüber schreiben. Ich hoffe die persönlichen Eindrücke helfen euch auch, euch mit mir und euch selbst zu verbinden.

Der Film zeigt eine Art Musical mit einer Geschichte, welche sich aus Songs der Beatles ergibt. Die Songs sind neu arrangiert und werden von den Schauspielern gesungen und die Geschichte spielt in den 60ern, vor und während des Vietnam-Krieges. Die Hauptfiguren sind Jude aus Liverpool (von Jim Sturgess gespielt, der mich sehr an Daniel Brühl erinnert), Lucy aus irgendwo in Amerika und ihr älterer Bruder Max. Ich mag sie gar nicht Figuren nennen, weil ich das was sie tun und sagen als so echt erlebe und erfrischend.

Jude kommt nach Amerika um seinen Vater zu treffen, den er nicht kennt. Er trifft dort Max, welcher in Princeton studiert, aber bald darauf aufhört, da ihn das Studium langweilt. Max und Jude ziehen nach New York, wo Jude sich als Künstler beschäftigt. Lucy’s Freund wird in die Armee eingezogen. Nachdem seine Todesnachricht eintrifft will sie nach New York. Jude und Lucy verlieben sich (wunderbare Szenen). Max wird ebenfalls in die Armee eingezogen und muss nach Vietnam. Lucy trifft auf Anti-Kriegs Aktivisten und mischt mit, will etwas ändern, möchte, dass jemand zuhört. Jude ist eifersüchtig auf den Anführer der Aktivisten, woraufhin es Streit gibt und Lucy geht. Bei einer Demo sehen sie sich wieder, aber es gibt Krawall und er landet in der Zelle. Ohne Visum wird er nach England zurück geschickt. Max kommt zurück aus Vietnam, körperlich unversehrt, aber traumatisiert. “Hey Jude” ermutigt Jude zurück nach Amerika zu kommen. Und “All you need is love” erinnert Lucy an ihre Liebe für Jude.

Das ist nur eine kurze Übersicht. Was ich an dem Film liebe ist, dass ich es so schwer in Worte fassen kann. Ich fühl mich total glücklich und berührt. Es ist leicht und doch tief. Mein kritischer Verstand tritt demütig zur Seite und lässt mich wie ich bin. Lässt die Welt wie sie ist.

Ich kann mich so mit Jude als Träumer identifzieren, der sich in Lucy verliebt, unglaublich glücklich darüber ist, hilflos und verzweifelt ist als er glaubt, Lucy ginge für den anderen. Ich kann mich mit Lucy identifizieren, die erst Angst vor Nähe und Vertrauen hat und sich dann hingibt, die hilflos und wütend, verzweifelt darüber ist, wie die Weltpolitik in ihr Leben eingreift und so viel Leid mit sich bringt. Ich freu mich über Max, der wie ein guter Freund für mich wirkt, lebendig, spotaner und unvorsichtiger als ich es bin.

Ich stell mir vor, einfach mal zu singen, was ich ausdrücken will. Wäre sicher erstmal komisch. Aber wenn ich die Musik vom Himmel auf die Erde hole… ich bin sicher, dass niemand irritiert wäre, sondern still und erfüllt von Leben. So fühlt sich der Film für mich an. Der Vorteil da ist, dass man das tun kann und jeder nur darauf wartet. Und man hat schon den Song parat, der in die Situation passt…

Aus den Interviews mit der Regisseurin Julie Taymor ergibt sich auch, dass sie ein Bewusstsein genau für das hat, was ich “Musik vom Himmel auf die Erde holen” nenne. Ihr sei wichtig, dass Raum ist für Kreativität, das heißt für mich, Raum für das was gerade lebendig ist. Sie hat die Schauspieler in den Szenen singen lassen, mit Instrumental-Playback, aber auf dem Set aufgenommen! Lucy singt “If I Fell” live auf dem Set mit ihren Augen auf Jude. Evan Rachel Wood, die sie spielt, sagt im Interview, dass sie einfach die Gedanken ausschaltet und es sich alles von selbst ordnet. Dabei Jim Sturdess anzusehen helfe enorm. Und so klingt es und sieht es auch aus.

Beim Schauen der Interviews hab ich gemerkt, wie merkwürdig es ist, dann die Schauspieler reden zu hören, wenn man vorher so von dem was sie spielen verzaubert ist. Es ist so, als ob man sich nicht mehr erlaubt, das gleiche Gefühl mit den Schauspielern zu haben. “Nee, das ist ja jetzt echt, also anders!” Aber warum eigentlich? Ich meine, sie leben es doch, sie bilden die Verbindung zu dem Gefühl, was ich habe, zu der Schönheit, die ich in ihnen gesehen hab. Wäre das nicht auch in ihnen und in mir, es würde nicht funktionieren. Warum sollte ich mich da also rauskicken? Ich hab doch sowieso nur ein Bild von ihnen, warum nicht das, was mir so gefällt? Denn genau genommen mag ich nicht sie, sondern mich selbst, wenn ich sie so wahrnehme. Und ich mag mich nicht, wenn ich mir sage, dass das nicht echt ist. Ich hab die Wahl.

Die Beatles-Songs neu zu hören ist auch wunderbar, interessant, dass es so gut geht. Es ist anders, kein Sixties-Sound und sie haben auch ein paar Sachen so geändert, dass z.B. die berühmten Riffs quasi als Geist im Kopf mitgehen (wie der Bass-Riff in “Come together” oder die Bläser bei “All you need is love - bam ba da da dam”). Was mich begeistert ist, dass es wirklich die Figuren sind, die das singen. Nicht so, wie so oft in Musicals, dass die gespielten und gesungenen Szenen irgendwie nicht zusammen gehören. Es ist ein Ganzes. Die Singstimmen sind schön anzuhören, klingen aber nicht total professionell, sondern natürlich.

Der letzte Film, der mich so berührt hat war “As it is in heaven” oder auf Deutsch “Wie im Himmel”, nebenbei auch ein Film mit viel Musik. Ein Film, der seine Figuren mehr oder weniger an allen Ecken und Enden “See me beautiful” singen lässt. Und genauso fühlt man sich dann auch. Aufgehoben, inspiriert, verstanden, gut durchgeputzt, berührt und zufrieden.

Mir kommt es gerade komisch vor, dass ich das in meinen Reiseblog schreibe… aber es ist eben ein Teil innere Reise. Und ein schöner Teil, wie ich finde.

Antworten

Hey Niklas,
wow, den Film möchte ich mir gern direkt mit Dir einmal anschaeun und selber erleben, wie er auf mich wirkt.
Sag mal, bist Du jetzt gerade beim IIT? Ich habe gerade versucht anzurufen und von mario erfahren, dass der Vogel (ich lasse mal bewusst die Bewertung “schräg” weg … ;) ausgeflogen ist. Wenn ja, möchte ich unbedingt von Dir hören, wie es war!
Viele herzliche Grüße

YC

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