Geld

8 05 2008

Ich hab im letzten Artikel Lyndon LaRouche erwähnt und möchte nun noch etwas zur Geldpolitik schreiben, mit Gedanken, die ich zum Großteil auch aus Alan Watts’ “Does it matter?” entnommen habe.

Lyndon Larouche beschäftigt sich ja wie gesagt mit Wirschaftspolitik und kämpft dafür, dass das jetzige monetäre System, welches (vor allem in den USA) fast nur noch auf Spekulation basiert, durch eines ersetzt wird, welches stabil ist und wirklich dem Reichtum entspricht der da ist. Geld ist nämlich eigentlich in der gleichen Kategorie wie Zentimeter oder km/h. Es ist eine Maßeinheit für Reichtum. Und wenn man sagt “Wir sind arm, kein Geld mehr da!” ist das ungefähr so, wie wenn ich zur Baustelle komme und der Chef mir sagt “Sorry, keine Arbeit heute. Wir haben keine Zentimeter mehr.” “Hä?!? Wir haben doch alle Rohstoffe, da, Zement, Metal, Holz, die Maschinen, sogar Maßbänder!” “Tja, verstehst halt nicht, wie das Geschäft läuft. Uns sind die Zentimeter ausgegangen.” So absurd das klingt, aber genauso läuft es mit Geld auch.
Ein anderes amüsantes Beispiel ist, dass du, wenn du eine Erzmine findest und das Erz schürfst auch keine “tausend Tonnen” beantragen musst, um dem Erz ein Gewicht zu geben. Und so ist es auch mit Reichtum. Der kommt vollkommen ohne Geld aus.
Eine Gesellschaft, der das klar ist, würde nie darauf kommen, eine Wirtschaft auf Spekulation laufen zu lassen. Was für ein Blödsinn ist das auch! Man spekuliert, dass man auf einmal mehr Zentimeter hat als vorher und kann dann Zentimeter verlieren. Und nicht Zentimeter von irgendwas, sondern wirklich nur die abstrakte Maßeinheit.

Natürlich steckt dahinter die Verabredung, dass jeder nur so viel Zentimeter bauen kann, wie er zugeteilt bekommt, damit jeder was zu tun bekommt. Das ist also eine soziale Institution, ein “agreement”. Aber das ist nur sinnvoll, so lange man als Gesellschaft nicht so viel hat, wie man eigentlich braucht. Hat man mehr, wird das System unnötig und man kann bauen nach Lust und Laune. Die Arbeitslosigkeit ist ein künstliches Problem, welches auch aus der Verwechslung von Reichtum und Geld hervorgeht. Ist doch toll, wenn wir nicht mehr so viel arbeiten müssen und Maschinen haben, die den Job übernehmen. Mehr Freizeit! Das heißt Zeit für Spiel, für Kreativität, für Entdeckungen und Entwicklungen, für all die Dinge, die wir nicht machen, weil wir damit nicht genug Geld verdienen, die uns aber wirklich am Herzen liegen.

Für genauso blödsinnig halte ich die Bezeichnung “Staatsschulden” für das Geld, was der Staat generiert um seine Ausgaben zu decken. Der Staat kann das, denn von ihm geht überhaupt aus, dass es Geld gibt, er definiert die Norm. Und er wird davon so viel schaffen, wie gebraucht wird. Inflation ist auch nur ein Problem, so lange wir denken, dass unser Reichtum schwindet, wenn das Geld weniger wert wird. Das ist aber nicht so. Es ist absolut egal für die Rohstoffe, die Expertise, die Geräte und Nahrungsmittel, wie viel Geld da ist oder nicht. Sie bleiben genauso nutzbar wie vorher.

Eine Alternative könnte sein, dass alles Geld abgeschafft wird und jeder eine Kreditkarte mit Grundeinkommen bekommt. Wer möchte kann darüber hinaus mehr verdienen in der speziellen Art und Weise, die er wählt. Es ist aber nicht notwendig. Jeder bekommt genug zu essen, Kleidung, Behausung, Computer, Dinge die notwendig sind um seiner Vision, seiner Berufung zu folgen. Soweit ich weiß, gibt es einige Ideen zu alternativen Geldsystemen. Kennt ihr noch welche?


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8 Antworten

8 05 2008
djdeutschland

G.E.L.D

Die G.E.L.D.Menge die vorhanden ist, richtet sich nach dem Wert aller produzierten Waren. Bruttosozialprodukt.
Bodenschätze-primär,
Produktion-sekundär und
Dienstleistung-tertiär.
Dienstleistung ist zugegeben ein bisschen aufgebläht.
Z. B. Börsenmakeln, wäre würde man G.E.L.D. abschaffen ziemlich sinnlos.

Trotzdem sollte man den Spekulanten nicht verteufeln. Er sorgt dafür das Preise stabil bleiben, der Produzent, der Handel kostenmäßig abgesichert ist, oder eine Idee eine Entwicklung realisierbar wird.
Die Motivation ist Gewinn aber auch Sicherung.

Das System Börse funktioniert, wenn das G.E.L.D. nicht so eklatant ungleich verteilt wäre!
Teilhabe, ein Grundeinkommen
(Milton Freedmann)
wäre eine Bedingung.

9 05 2008
niklasbringtdieweltinordnung

Danke für den Kommentar. Ich hab gestern noch gedacht, dass ich das ganze nochmal überdenken muss, da ich mir selbst nicht sicher bin, welche Position ich nun letztendlich einnehme. Dann wiederum wollte ich testen, was für Reaktionen kommen und damit weiterarbeiten.

Den Spekulanten selbst möchte ich sicher nicht verteufeln. Er macht, was er für das beste hält und das einzige, was sein Verhalten auf eine Weise ändern würde, die mir behagt, wäre Aufklärung und untersuchen, ob’s nicht bessere Wege für alle gibt.

Worum es mir geht ist, dass vor allem bei der Spekulation die Abstraktion des echten Reichtums (wie du ihn zusammengefasst hast) am krassesten ist. Das heißt, wenn ich Geld in ein Unternehmen investiere, welches Bäume in Britisch Columbia abholzt, ohne dafür zu sorgen, dass das dem Gesamtsystem und den Menschen, die da wohnen, nicht schadet und auch in Zukunft noch erlaubt, Menschen zu ernähren, wie viel Bewusstsein habe ich dann für den tatsächlichen Reichtum des Holzes als Baumaterial und des Waldes als Teil des Ökosystems, welches unser Wohlergehen unterstützt und möglich macht? Ich fürchte, in der Börse mit Zahlen zu jonglieren lässt wenig Platz dafür.

Geld ist ein “agreement”. Mir scheint, es ist dazu da, Handel leichter zu machen und zu ermessen, wie viel des Ganzen ein jeder nutzen kann, ohne dass ein Ungleichgewicht entsteht. Das wollen wir doch, oder nicht? Mir scheint, dass das momentane Abkommen nicht besonders gut funktioniert in der Hinsicht. Ich wäre dafür, ein anderes zu wählen, alle Schulden abzuschaffen und jedem ein Grundeinkommen zu gewähren, welches Zugang zum Reichtum bietet, der da ist. Hat jemand Ideen, wie man das konkret vertiefen könnte?

10 05 2008
YC

Das klingt ganz ähnlich wie die Idee des Grundeinkommens von dm-Chef Götz Werner.

Es gibt noch andere ähnliche Ideen, die fallen mir aber gerade nicht ein.

YC

11 05 2008
djdeutschland

Bedingungsloses Grundeinkommen,
man kann es gar nicht oft genug sagen, ist eine Idee von Milton Friedman.
Der Ikone der Neoliberalen. Der im übrigen auch für die Abschaffung der Wehrpflicht und für die Freigabe von Marihuana eingetreten ist.

Es würde allerdings eine Änderung des Steuer- und vor allem des Beamtenrechts voraussetzen.
Werner Götz hat vor allem den sozialen Aspekt hervorgehoben.

12 05 2008
niklasbringtdieweltinordnung

Mir war tatsächlich neu, dass die Idee von Friedman kommt. Wie passt das in sein Weltbild?

Es müsste doch eigentlich auch ohne Steuern gehen… wenn das Geld vom Staat ins System geschleust wird (statt von den Banken, die neues Geld durch Kredite von Geld schaffen, das sie nicht besitzen, welches also keinen realen Reichtum repräsentiert), dann ist es auch die Gesellschaft, die sich selbst über den Staat Kaufkraft gibt. Gibt es da nicht jemanden, der sich dazu schon mal was überlegt hat?

15 05 2008
YC

OK, habe dann doch noch mal nachrecherchiert und folgendes gefunden:

“Das Konzept der negativen Einkommensteuer wurde 1956 von Milton Friedman vorgeschlagen. Das Konzept ist mit einer grundsätzlichen Reform der Einkommenssteuer verbunden. Alle Sonderregelungen und -vergünstigungen werden abgeschafft. Die Steuerhöhe liegt bei pauschal 25% über alle Einkommenshöhen. Bei Einkommen, die unter einem bestimmten Schwellenwert liegen, wird die fünfundzwanzigprozentige Steuer nicht eingezogen, sondern ausbezahlt. Als flankierende Maßnahme sollen alle gesetzlichen Mindestlöhne abgeschafft werden, um den Arbeitsmarkt nur durch Angebot und Nachfrage zu regulieren. Durch die Einführung einer negativen Einkommenssteuer würde, so Friedman, das Gesamtsteueraufkommen nicht verändert.
Durch die pauschale Besteuerung und die Abschaffung aller Sonderregelungen werden überdies alle steuerpflichtigen Einkommen in gleicher Weise belastet. Die sozialen Sicherungssysteme können abgeschafft werden, da die Unterstützung für Geringverdiener vollständig aus der negativen Einkommenssteuer bezahlt wird.
Friedman befürwortet das Konzept der negativen Einkommenssteuer aus zwei Argumentationsblöcken heraus: Erstens wird die Effizienz des (Arbeits-) Marktes genutzt und gestärkt. Gleichzeitig kann der bürokratische Aufwand gesenkt und damit der Steuerzahler entlastet werden. Zweitens garantiert die negative Einkommenssteuer die größtmögliche “[...] Freiheit des Individuums bei möglichst wenig Staatseingriffen [...]“, beseitigt die entwürdigende Behandlung der Sozialhilfeempfänger und gibt Anreiz zur individuellen Leistung, motiviert also zur Arbeitsaufnahme.
Friedmans Entwurf steht keineswegs konträr zur bestehenden kapitalistischen Marktordnung. Dennoch fand der sich selbst als “Rechten” bezeichnende Ökonom kaum Zustimmung bei Kollegen seiner eigenen Richtung, dafür um so mehr bei ” ‘linken’ Sozialreformern”.
Mehr unter http://texte.pgs-info.de/docs/grund.htm#top

Das dürfte Deine Frage, Niklas, in etwa beantworten. Interessant, nicht?

YC

19 05 2008
djdeutschland

“Deriv” hat als Kommentar, einen wunderbaren YouTube-Link auf meinem Beitrag G.E.L.D hinterlassen, der keine Fragen offen lässt.
Versprochen.

30 05 2008
m

hey niklas,

wie gehts dir in den letzten wochen da drüben? ich warte auf deinen nächsten blogeintrag! hier in berlin scheint seit gestern die sonne und es hat 29 *C.
liebe grüße an dich,

m

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