Post-IIT-Reflektionen

19 06 2008

Ich sitze auf einem Sofa in einem Haus oestlich von Albuquerque. Das Haus gehoert Anthony, einem Freund von Jason und L’aura, zwei neuen Freunden vom IIT. Mir geht es gut. Das IIT ist am Dienstag zuende gewesen, es gab viele Abschiede, viele Umarmungen und bewegende Worte. Gleichzeitig bin ich froh um meine Ruhe. Es ist schoen aber auch anstrengend neun Tage lang mit den eigenen Emotionen so wie auch denen der anderen so stark in Beruehrung zu kommen. Und insgesamt brauche ich Balance und etwas Ruhe.

Was ich aus dem IIT mitnehme sind Freunde, Kontakte, Unterstuetzung. Die koerperliche Erfahrung von Vertrauen, Einfuehlung, dem reinen Genuss vom menschlichen Kontakt ohne extrinsischem Motiv. Letzteres finde ich ganz besonders wertvoll. Es ist die Klarheit und Ruhe, mit der man einfach neugierig sein kann, wie es dem anderen gerade geht. Es geht nicht darum, etwas daraus zu gewinnen, fuer die Zukunft zu sorgen oder zu ueberzeugen, sondern um den reinen Kontakt. Und mir ist klar, dass es das ist, was ich an der Gewaltfreien Kommunikation, nein, an Marshall Rosenberg so schaetze: nicht die Technik, die Erfahrung, die Begriffe und Ideen. Es ist die Entscheidung, diesen menschlichen Kontakt zur obersten Prioritaet zu machen. Nichts geht darueber. Und das ist wirklich eine Entscheidung, die ich immer wieder treffen muss. Niemand kann mir die abnehmen. Sie erfordert Bewusstheit und Mut. Aber es lohnt sich, sich immer wieder zu fragen: „Wie will ich wirklich leben?“

Diese Frage half mir, mich daran zu erinnern, dass ich mich schon vor Rosenberg mit der Frage der Einigung der Menschen beschaeftigt habe. Und so bedankte ich mich bei Marshall in der Closing Session dafuer, dass er mich in meiner Mission, meinem Sinn unterstuetzt und genaehrt hat. Das gab mir ein ganz anderes Gefuehl, staerker und mit mehr Vertrauen. Marshall hat seinen Teil getan, es ist mein Weg, den ich hier gehe. Er war jedenfalls sehr froh, mir darin geholfen zu haben. Valentina sagt, dass wir uns wohl bald wiedersehen, sich darueber freuend, dass ich so „hartnaeckig“ bin.

Am Sonntag gab Marshall eine Praesentation ueber „Giraffes around the world“. Er zeigte Fotos von Workshops mit Leuten, die ihm Zugang zu Laendern wie Israel Palaestina, Ruanda und andere ermoeglicht haben. Auf einem Foto sieht Marshall sehr besorgt aus. Er schaut auf Kinder, deren Eltern im Genozid in Ruanda umkamen. Das Bild half mir sehr, eine Verbindung zu Marshall zu finden. Ich konnte mich selbst an seiner Stelle sehen.

Auch half mir eine Unterhaltung mit ihm, in welcher ich ihn danach fragte, wie er mit all den Gratis-Diagnosen umgegangen ist, die er bekommen haben muss, als er anfing alles mal ein wenig anders zu machen als die anderen, z.B. nachfragen, wie Leute sich fuehlen und was sie brauchen. Und er sagte mir, dass er natuerlich Reaktionen bekommen hat, die ihn aengstigten und Beziehungen komplizierter machten. Aber fuer jede dieser Reaktionen bekam er zehn andere von Leuten, die froh und gluecklich darueber waren, dass er nachbohrte, mehr Verbindung suchte und was Neues ausprobierte. Ich sagte, dass ich dann lieber anfange zu sammeln.

So sehr ich schaetze, dass ich auf dem IIT mit den anderen den GfK-Jargon benutzen konnte, etwas in mir straeubt sich mehr und mehr dagegen. Ich will meine eigene Sprache haben und universell ausdruecken koennen, worum es dort geht. Und ich glaube eines der Prinzipien hinter Beduerfnissen ist, dass man damit sagt, was man will und nicht, was man nicht will. Das ist sehr viel maechtiger und befreiender als jedes „ich will nicht“. Hinzu kommt, dass man von Lebensqualitaeten spricht und sie erst in der Bitte konkretisiert. Das gibt viel Spielraum und Freiheit fuer Kreativitaet. So lange ich nur weiss, was ich nicht will, weiss ich nicht, was ich will. Das heisst, der eigentliche Schatz liegt noch vergraben.

Ein Beispiel was ich hier besonders tricky finde ist dieses: „Ich will keine intime Beziehung mit dir.“ Wie kann man das positiv ausdruecken? „Wir koennen ja Freunde bleiben.“ zaehlt nicht, weil es zum einen noch immer impliziert, dass man NICHT mehr will und zum anderen schliessen sich intime Beziehung und Freundschaft ja nicht aus. Man koennte sagen „Ich fuehle mich nicht hingezogen zu dir.“ Ist immer noch negativ gesagt, aber da steckt schon drin, dass man sich gerne zu jemandem hingezogen fuehlen moechte. Wir haben im IIT ein bisschen untersucht was das eigentlich heisst und ich fand zwei Prinzipien darin ganz treffend. Das eine waere ein Sinn fuer Schoenheit (ich druecke es vage aus, weil das sehr verschiedene Entsprechungen haben kann) und das andere so etwas wie Resonanz, eine Spannung, Neugierde, ausgeloest durch gemeinsame Interessen, Ansichten, aber auch unterschiedliche Ressourcen und Hintergruende. Ich finde es sehr convenient „Seeing you meets my need for beauty.“ sagen zu koennen. Ich wuenschte, ich faende eine Formulierung, die dasselbe sagt, ohne das Beduerfnis nennen zu muessen (ich rechne einfach nicht damit, dass das rueberbringen wuerde, was ich meine). Denn ich will nicht sagen „Du BIST schoen.“ Das ist einfach nie wahr, sonder hat nur Wert in Bezug auf mich, der dich sieht. Und manchmal aendert sich dieser Eindruck auch ueber die Zeit. Ich bin nicht derjenige, der dich definiert. Ich will nur ausdruecken, wie es mir geht. Und wenn ich nun mal jemanden oder etwas um mich herum habe, was ich schoen finde, dann passt es am besten zu sagen „Dich zu sehen erfuellt mein Beduerfnis nach Schoenheit.“ Ehrlicher kann es nicht sein.

Wenn ich also sage „Ich will keine intime Beziehung mit dir“ und moechte mehr Schoenheit in meinem Leben haben, dann will ich das positiv und ehrlich ausdruecken koennen, ohne zu implizieren, dass du nicht schoen bist. Denn du bist weder schoen noch haesslich, sondern einfach du. Aber mir ist klar, dass das wohl mehr davon abhaengt, wie du ueber dich denkst, als wie ich darueber denke. Wenn du es nicht besser weisst, hoerst du eine Zurueckweisung, egal wie ich’s sage…

Trotzdem. Mir selbst bewusst zu sein, dass ich nach Schoenheit und Resonanz suche, hilft mir, eine Richtung zu finden und Entscheidungen zu faellen. Das finde ich wertvoll.

Ich habe waehrend des IITs eine Unterhaltung mit Josh gehabt und wir haben die Frage untersucht, wie man um Zuneigung, Beruehrung, Kuscheln fragen kann, ohne die Gefahr, sich selbst zu verlieren. Und uns fiel auf, dass das sehr schwer ist, so lange man den Wert der eigenen Beduerfnisse daran misst, wie bereit andere sind, auf unsere Bitten einzugehen. Und wenn ich dann eine Bitte habe, deren Erfuellung fuer mich einen Ausdruck von Liebe bedeuten wuerde, ist es besonders schmerzhaft, ein „Nein“ zu hoeren. Wir einigten uns also darauf, eine Unterscheidung zwischen Beduerfnisse wertschaetzen und Beduerfnisse erfuellen zu beachten. Eine Bitte zu aeussern wird gleich viel weniger beaengstigend, wenn das klar ist.

Ein Lied was mich zum Weinen brachte:

When I come gently to you I’d like you to see

It’s not to get myself from you, it’s just to give you me.

And I know that you can not give me me, no matter what you do.

All I ever want from you is you.

I know your fear of fences, your pain from prisons past.

I’m not the first to sense it and I’m plainly not the last.

The hawk within your heart’s not bound to earth by fence of mine,

Unless you aren’t aware that you can fly.

When I come gently to you I’d like you to know

I come not to trespass your space, I want to touch and grow.

When your space and my space meet, each is not less but more.

We make our space that wasn’t space before.

When I come gently to you I’d like you to see

It’s not to get myself from you, it’s just to give you me.

And I know that you can not give me me, no matter what you do.

All I ever want from you is you.

Marshall spielte es zum Thema „Celebrations“ und ich brach so in Traenen aus. Alaetsea sass neben mir, kraulte mir den Nacken und nahm mich sanft in den Arm. Rachid nahm meine Hand. Marshall fragte, was los sei. Diejenigen von euch, die mich gut kennen, koennen sich vielleicht vorstellen, welche Erinnerungen dieses Lied in mir weckt. Es tut weh, diese Verbindung zu wollen und dann so wahrgenommen zu werden, als wollte ich dir etwas wegnehmen. Als naehme ich dir deine Freiheit, die dir niemand geben kann, ausser du selbst. Ich will beruehren und wachsen, nicht deine Grenzen ueberschreiten. Ich will mich geben und nichts von dir ausser dich.

Umgangssprachlich nennt Marshall „celebrations“ „unsneaky bragging“, also so viel wie „nicht-heimliches Angeben“. Es bedeutet, sich klar zu machen, wie man das Leben bereichern konnte. Wenn ich daran denke, das ich heute mit Anthony und Tom eine Wanderung gemacht habe und uns das erlaubt hat, uns kennenzulernen, Gedanken auszutauschen, Interessen zu teilen, bin ich ganz relaxt, beruehrt und froh. Anthony bot mir an, immer wieder kommen zu koennen. Ich hab ein Zuhause hier, sagte er. Ist das nicht wunderbar und zum feiern?

Jeden Morgen waehrend der neun Tage gab es eine Morgen-Session mit dem Zweck, uns an den Sinn und unsere tiefste Sehnsucht zu erinnern, nach der wir leben wollen. Eines Morgens spielte ich dieses Lied, singend mit Gitarre:

Do you dream the same dreams I dream

I wonder if we value the same things

I love the joy, I love the tenderness,

Honesty and empathy bring.

Do you dream of a world where each person

Is always an end and not a cog?

Where mistakes don’t require

Damnation or hellfire

Just a little loving dialogue.

Do you dream of a world where your feelings

Bring life whatever they might be?

Where you can freely express them

Dive in and not regret them

Bring union to the world of you and me

Do you dream of a world where touching

Enriches, nurtures and soothes?

Where the people are willing

To say no to killing

And Arabs dance in peace with the Jews.

Do you dream of a world where the people

Are conscious of our shared humanity?

Where love without conditions

Shines through all of our actions

And living flows with joyful energy.

Do you dream the same dreams I dream

I wonder if we value the same things

I love the joy, I love the tenderness

Honesty and empathy bring.

Ich habe wunderbares Feedback darauf bekommen und weiss nun, dass ich nicht der einzige bin, der davon traeumt. Der Song ist von Marshall und ich habe zwei Strophen hinzugedichtet. Norman hat das Mikro gehalten und sagte nachher, es sei schwer gewesen, da ihm so die Traenen kamen, dass er am liebsten die Augen geschlossen haette, was aber bedeutet haette, dass er mir wahrscheinlich das Mikro in den Mund gestopft haette. Er meinte, ihm kaemen auch die Traenen wenn Marshall singt, aber dann ist es aus einem anderen Grund ;-) Marshall hat wunderbar grumpy geguckt als er das hoerte :-D

Ich freue mich darauf einige Leute im Laufe der Zeit zu besuchen. Heather und Neil wohnen in Vancouver, das heisst, noerdlich davon, wo man nur mit dem Boot hinkommt. Jason und L’aura wohnen in Auroville, an der Suedspitze von Indien. Bob wohnt in Washington, David Goliath in Denver zusammen mit David. Jan, Owen und Devi kommen aus Hawaii. Rachid kommt aus Malmoe. Anne, Minerva und Sophie kommen aus Montreal. Heather-Ann ist aus Minneapolis. Gosia ist aus Polen, Karin-Regina aus Oesterreich. Aleatsae und Oz kommen aus San Fransisco. Bei ihnen und vermutlich allen anderen auch, habe ich nun eine Couch ;-)

Ich werde wahrscheinlich im Laufe der Zeit noch mehr Anekdoten erzaehlen.

Morgen Nacht nehme ich den Bus nach San Diego. Dort werde ich Akasha wiedersehen, die mit beim IIT war. Mit ihr fahre ich am Sonntag nach Santa Cruz. Vom 22. bis 27. Juni findet dort ein NVC FunFest statt, ein weiterer NVC-Retreat. Ich habe Platz dort und freue mich auf eine Menge weiterer Leute. Danach besuche ich Aleatsae in Oakland und am 30. Juni geht es wieder an die Ostkueste. Ich bin nicht das letzte Mal hier, sicher nicht.





IIT half-way

13 06 2008

Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll: diese Erfahrung ist tief, heilend, erleichternd, inspirierend, berauschend, beaengstigend, bestaetigend und beruhigend. Ich bin jetzt seit Sonntag mit diesen Menschen zusammen und sehe eine andere Welt. Mein Notizbuch ist voll mit Dingen, die mich inspirieren, die mir aufgefallen sind, die ich aufregend finde und die ich tief in meinem Herzen bewahren moechte. Wovon zur Hoelle rede ich hier?

Freitag-Nacht bin ich in Albuquerque, New Mexico gelandet. Ich habe bei Codie uebernachtet, eine Couchsurferin, die mich selbst so spaet noch abholte. Es war etwas unangenehm mit ihr, weil ich so gerne sie als Person wahrnehmen und hoeren wollte, was fuer sie los ist, was ihre Situation ist. Und ich wusste nicht, wie ich danach fragen sollte, bis wir Samstagabend was Essen waren. Ich sagte, mir kaemen die ganze Zeit Gedanken und Ideen von Themen, die sie interessieren koennten, aber ich traue mich nicht, es zu versuchen. Diese Offenheit half. Sie begann zu erzaehlen, dass sie einsam sei und sich so nach Freundschaft und Menschen sehne, die ihr nah seien. Sie kommt aus Kansas City und ist noch nicht lange in Albuquerque. Und dann hat sie einen Lover hier, mit dem sie sich aber nicht wohl fuehlt, weil sie sich Verlaesslichkeit wuenscht. Und er scheint sich nicht ganz sicher zu sein was er will, aendert seine Meinung ueber die Beziehung. Und dann fuehlt sie sich wirklich einsam und aengstlich. Ich habe ihr zugehoert und sie war sehr dankbar dafuer. Ich hatte auch echt keine Schwierigkeiten dazu Bezug zu finden, denn diese Situation kenne ich.

Am Sonntagabend begann das International Intensive Training in Gewaltfreier Kommunikation. Ich moechte nicht in Details gehen, sondern einfach aufschreiben, was mich bewegt.

Zum ersten mal finde ich eine Gruppe von Menschen, wo ich vollkommenes Vertrauen in mir spuere, dass zaehlt, wie es mir geht. Dass ich wie ich bin, so sein kann. Und mir ist bewusst, wie schwer es mir faellt mit Vertrauen zu empfangen, was andere mir geben. Ich habe so eine Angst davor, dahinter steckt nicht Liebe sondern die Forderung, dass ich was zurueckgeben muss, selbst wenn ich nicht will. Und das tut sehr weh. Das ist mir heute aufgegangen.

Ich bin so begeistert darueber, wie viele tiefe und leichte Unterhaltungen ich hier schon hatte. Wie leicht es geht, wirklich praesent zu sein und zu fuehlen, was in der anderen Person JETZT gerade vor sich geht. Ich fuehl mich hoffnungsvoll, bin geruehrt, bin interessiert, froh. Das hier gibt mir sehr viel Gelegenheit zu lernen, wie ich so leben kann, wie ich wirklich will. Wie ich so sein kann, dass es meine tiefsten Ueberzeugungen und Traeume widerspiegelt. Dass ich integer bin! Und ich moechte nichts mehr als das.

Mir ist aufgefallen, dass die Sicherheit, die ich hier spuere, daher kommt, dass die Spiritualitaet hinter der Gewaltfreien Kommunikation (GfK), das heisst die Antwort auf die Frage „Wie wollen wir wirklich leben?“, die Verbindung, die emotionale Naehe und Einfuehlung ueber alles andere stellt. Das heisst, waehrend in gewoehnlichen Konversationen irgendeine Art Wissen vermittelt wird, oder eine Geschichte geteilt wird und man sich dafuer unterhaelt, kommt es hier so oft vor, dass allein das zu teilen, was gerade los ist, schon so bereichernd ist, dass man vollauf zufrieden damit ist. Ich muss nichts damit tun. Ich kann einfach damit sein und es geniessen. Und ich weiss nicht, ob ich je etwas schoeneres erlebt habe als das. Fuer mich ist das Liebe in Praxis.

Was ich ganz besonders feiere ist, dass ich Marshall Rosenberg, den Entwickler der GfK, besser kennenlerne. Ich liebe seine Arbeit und bin sehr dankbar dafuer. Dennoch, wenn ich mit ihm einzeln spreche, fuehlte ich mich nervoes. Und ich wollte wissen wieso. Mir fiel auf, dass ich nie gehoert hatte, dass Marshall seine Verletzbarkeit und Menschlichkeit gezeigt haette, indem er teilt, was gerade in ihm vorgeht. Heute Morgen, beim „Remembering“, einer Session, bei der wir uns einfach daran erinnern, was uns heilig ist, was wir wirklich wollen im Leben, was unser Herz bewegt, habe ich geteilt, wie ich in einem Buchladen in Montreal ein Buch ueber Verschwoerungstheorien in der Hand hatte. Ein Kapitel bezog sich auf Holocaust-Leugner. Und als ich sah, was diese Leute meinten, dachte ich nur, wie ich wuenschte, dass sie Recht haetten. Traenen kamen hoch und ich sagte, wie tief mein Schmerz darueber ist, dass so viele Menschen in Nazi-Deutschland litten und starben.

Das brachte Marshall dazu, zu teilen, dass er eines Tages, 9 Jahre alt, von Mitschuelern verpruegelt nach Hause kam, weil er Jude war. Sein Onkel, der helfen wollte, meinte, dass er von Glueck reden kann, nicht in Deutschland zu sein, da er dort mit Sicherheit in einem Ofen gelandet waere. Das half nicht gerade. Marshall sagte dann mit gebrochener Stimme, wie gesegnet er sich fuehlt, lange in Deutschland gearbeitet und nie etwas anderes als Liebe empfangen zu haben.

Nach der Session sagte ich ihm, dass das genau das war, was ich mir gewuenscht hatte. Dass ich seine Menschlichkeit sehen will. Dass ich nervoes bin, wenn ich nicht weiss, was ihm gerade wichtig ist, weil es sich dann so anfuehlt als gaebe es keinen Raum fuer mich in seinem Leben. Und auch fuer niemand anderen beim IIT. Er war so dankbar dafuer. Er sagte, es fuehle sich so gut an, dass ich das wissen will, dass mich das interessiert. Und wir umarmten uns.

Danach kam es mir so vor, als sei er sehr viel leichter und er zeigte mehr und mehr von sich. Es hat mich sehr beruehrt und macht so viel mehr Spass ihn als Mensch denn als Meister zu sehen. Und er meinte auch, auf einem Podest zu stehen macht einfach keinen Spass.

Das ist nur eine von vielen Erfahrungen, die ich hier mache. Ich merke, wie viel leichter es mir faellt, empathisch zu sein, statt zu rechtfertigen oder Leute mit meinen Gedanken zu langweilen, wenn sie nicht mit meinem Herzen verbunden sind. Wie wir hier reden mag fuer viele etwas merkwuerdig klingen, aber es ist so schoen fuer mich, weil ich so sehr effizient und to-the-point sagen kann, was in mir lebt und gesagt werden will.

Ich habe die Hoffnung auf eine weltweilte Community von Leuten, die eine Menge Kraft und Leidenschaft fuer eine Welt haben, in welcher jeder Mensch zaehlt. Und zwar dafuer, dass er Mensch und lebendig ist. Mehr braucht es nicht. Ich sehe, wie Beziehungen hier an Kraft gewinnen durch die Tage und rechne damit, dass meine skype-Liste sehr viel laenger wird. Ich wuensche es mir.

Es bleiben noch vier Tage. Ich geniesse jede Stunde davon. Ich sende euch meine Praesenz, meine Kraft, meine Liebe und mein Mitgefuehl.





Unterwegs

8 06 2008

Wieder habe ich laenger nicht geschrieben als mir lieb ist. Also.

Meine letzten Erlebnisse haben vor allem damit zu tun, dass ich Couchsurfing.com fuer mich entdeckt habe. Das Prinzip ist einfach. Ich will an einen Ort reisen und suche auf dieser Seite nach Menschen, die mir ihre Couch als Schlafplatz anbieten. Umsonst. Ich biete meine eigene Couch an, wenn ich moechte und Kapazitaet dazu habe. Viele treffen sich auch gern auf einen Kaffee. Das hat viele Vorteile und das Potenzial fuer enorme Bereicherungen, wie man sich sicher vorstellen kann.

Zum ersten ist Couchsurfing eine Gemeinschaft. Sie gibt den Rahmen, der einem erlaubt, offen nach Kontakt zu fragen. Ich habe in einem frueheren Beitrag darueber geschrieben, dass meine Zimmersuche mir erlaubt hat, einfach Leute zu treffen, wo ich sonst eher Hemmungen habe. Den gleichen Rahmen, den ich da hatte, bietet Couchsurfing, nur mit dem Vorteil, dass man ehrlich nach Kontakt und Austausch sucht, statt einem Zimmer, was man dann doch nicht nimmt. Von daher finde ich dabei mitunter ein Vertrauen und eine Selbstverstaendlichkeit, die fuer Leute, die sich zum ersten Mal treffen, verdammt phaenomenal ist. Zum zweiten erlaubt Couchsurfing fuer wenig Geld so zu reisen, dass man persoenliche Eindruecke sammelt. Ich nehme am Leben teil. Und ich zahle nicht mal dafuer. Es ist so viel Win-Win, wie man nur haben kann.

Meine erste Couchsurfing-Erfahrung hatte ich im Mai in Ottawa. Ich habe dort Damita getroffen, einen Sri Lanker, der auf einer Farm, 30 Minuten von Ottawa Bio-Gemuese anbaut. Er praktiziert Gewaltfreie Kommunikation und bot damit direkt einen Common Ground fuer mich, was sehr angenehm war. Er hat mich mit seinem VW, der alt ist, aber einfach nicht kaputt gehen will, abgeholt und wir haben mit einer Freundin von ihm die Tulpen in Ottawa bestaunt. Damita brachte mir bei, dass man Blumen essen kann. Tulpen schmecken leicht suesslich. Sehr interessant. Er zeigte mir einige Teile von Ottawa, das Parlament, die Innenstadt, bis wir dann zu seiner Farm fuhren. Er erzaehlte mir, er arbeite drei Tage die Woche fuer eine IT-Firma und das sei zu viel. Es bedeute ihm nichts und er brauche das Geld nicht dringend. Ich bin beeindruckt ob seiner Freiheit.

Seine Wohnung auf der Farm hat er selbst gebaut. Es ist ein Obergeschoss einer Scheune, ein wenig wie ein Loft. Mit ihm war es sehr gemuetlich, wir haben lecker gegessen und das Bett war angenehm gross. Eine seiner Katzen kam zu mir und kuschelte mit mir… mmmmh. Damita lebt auf der Farm mit Rick und dessen Neffen Doug. Ich hatte mit Rick eine lange und tiefe Unterhaltung. Es ging um unsere Weltanschauungen, darueber, wonach wir uns in der Gesellschaft sehnen, was uns fehlt, was wir gerne saehen. Er traut der momentanen Gesellschaftsordnung ueberhaupt nicht und moechte ganz unabhaengig sein. Ihm kommen ganz viele Leute einfach tot vor. Als ich nachfragte, was das genau fuer ihn hiesse, sagte er, er wuenschte sich einfach, die Leute wuerden wirklich ueber das reden, was sie erleben. Sie wuerden teilen, womit sie unzufrieden sind und was sie wollen, statt einfach nur konform mit der Masse mitzugehen. Ich war sehr froh und geruehrt das zu hoeren. Das moechte ich auch. Ich konnte Rick spaeter davon ueberzeugen, dass ich keine Feinde sehe in diesem Spiel. Ich sehe Individuen und Gangs, die eine sehr eingeschraenkte Perspektive haben und dass das schreckliche Konsequenzen haben kann. Aber niemand tut das, weil er daran interessiert waere, dass andere leiden, nur des Leidens willen. Es ist die beste Option die von dem Standpunkt aus verfuegbar ist. Und das einzige was da hilft ist Einfuehlung und Information. Was besseres sehe ich einfach nicht.

Rick war sehr beeindruckt und dankbar. Wenn ich jetzt daran denke, merke ich, wie viel die Unterhaltung auch mir gegeben hat. Ich habe mich als sehr machtvoll und mit viel Hoffnung und Energie erlebt. Ich habe ihn richtig verstanden und gleichzeitig voll vertreten, was ich fuer richtig halte. Er schenkte mir „Der Prophet“ von Khalil Gibran. Und die Visitenkarte, auf welcher er mir seine Email-Adresse notiert hat, sagt „No need to be alone.“ Das beruehrt mich auch jetzt noch.

Mit Damita habe ich auch ueber ein paar Dilemmata in der Gewaltfreien Kommunikation gesprochen. Wie schwierig es sein kann, den Schritt zu wagen und ehrlich darueber zu sein, was einen beschaeftigt und was einen am Herzen liegt. Wie vage viele Anliegen erstmal sind und was es an Konzentration und Uebung kostet, konkret zu werden. Und welche Herausforderung es ist, das unter die Leute zu bringen, in einer Uebungsgruppe zu ueben. Er sagte mir aber, dass er froh sei, mit mir darueber gesprochen zu haben. Ich sei ihm ein Beispiel und eine Inspiration. So soll es sein.

Nach Ottawa war ich in Toronto. Dort habe ich bei Lucy uebernachtet. Zu ihr habe ich weitaus weniger Verbindung gehabt, als ich gerne gehabt haette. Sie war muede und etwas krank, so dass das sicher dazu kam. Darueber hinaus schien sie mir nicht so sicher, was sie wirklich wollte, wo es hingeht und ob das alles so okay ist. Sie studiert Celtic Studies und Political Science als Nebenfach. Letzteres waere dann ihre Karriere. Sie kommt aus Russland, ist juedisch und zeigte mir ein Buch, was sie spannend und sehr witzig fand: „Shut up, I’m talking“ Und junger Mann wird per Zufall Redenschreiber fuer den israelische Regierung. Lucy wuerde das auch gerne tun.

Toronto ist im Vergleich zu Montreal etwa wie Duesseldorf zu Koeln. Steriler, kuehler, mehr Business. Ich bin an dem einen Abend mit schwulen Freunden von Lucy in der Gayborhood gewesen. Es war witzig, wurde dann aber aufgrund der Oberflaechlichkeit der Themen langweilig. Das bedauere ich ein wenig. Ansonsten war es ganz gut, Toronto gesehen zu haben. Und ich habe wieder einige Buecher gekauft. Als ich wieder in Montreal war, hab ich gemerkt, wie der Kontrast mir half, Montreal noch lieber zu moegen. Ich glaub das ist es auch wert.

Am 30. Mai bin ich von Montreal nach White River Junction zu Ulrike gefahren. Ich habe dort das Wochenende verbracht. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Holz gehackt. Es ging sehr gut. Viele Prinzipien der Achtsamkeit sind dafuer wichtig. Vertrauen in das Gewicht der Axt, zielen mit dem Geist, nicht mit den Muskeln und ein entspanntes Verhaeltnis zu Fehlschlaegen. Verletzt habe ich mich nicht, mir ist nur einmal ein Holzklotzt, der noch in der Axt steckte, auf’s Knie gefallen. Ulrike war erschrockener als ich und dabei ist mir etwas interessantes aufgefallen. Ihr Schreck hat in mir ausgeloest, dass mir ein bisschen schlecht wurde. Die von euch, die mich kennen wissen, dass ich Muehe damit habe, Blut zu sehen. Und ich habe mir schon oft darueber Gedanken gemacht, woher das kommt. Es hat wohl mit der Angst vor dem Tod zu tun, damit, dass alles zuende sein koennte und ich fuer immer einsam bin, oder so aehnlich. Die Angst habe ich aber gelernt. Und ich glaube es hat mit dem Schreck meiner Eltern zu tun, wenn ich mir weh getan habe. Dann hatte ich mehr Angst vor ihrem Schreck, und was der heissen koennte, als vor meiner Verletzung. Das zu entschluesseln hilft mir sehr, da ruhig und bestimmt zu bleiben. Jedenfalls war der Aufenthalt bei Ulrike und Ria schoen.

Die naechste Etappe war Adriane in Williamstown. Dort bin ich drei Tage geblieben. Adriane hat einen Sohn, Andrew, fast 40, den man als depressiv oder psychotisch diagnostiziert hat. Ich halte nichts von diesen Diagnosen. Sie zeugen viel mehr vom Unverstaendniss der Psychiater als dass sie irgendwie hilfreich dafuer waeren, das Leben der Betreffenden zu verbessern. Ich sehe ein, dass die Diagnose fuer Ruecksicht und Unterstuetzung sorgen kann, aber oft genug blockiert sie jedes Verstaendnis fuer den Menschen und trennt daher eher.

Ich habe mit Andrew darueber geredet und es war ganz schoen zu sehen, wie er sich ueber diese Perspektive gefreut hat. Er hat recht haeufig gelaechelt und mir gesagt, dass er es so schwierig findet, sich zu konzentrieren, wenn er sich ueber so vieles Sorgen macht. Ob er je gluecklich sein kann, ob er eine Beziehung haben kann, ob er unabhaengig leben kann. Ich habe, so gut ich konnte, fuer eine neue Perspektive gesorgt und er meinte, dass das „kinda cool“ waere. Ich habe eine Menge Frust mit der Psychiatrie. Ich unterstelle keine boesen Absichten, aber das Resultat ist oft genug immer noch katastrophal im Vergleich dazu, was ich fuer moeglich halte. Und das groesste Problem mit genannten Diagnosen ist, dass man so die Hoffnung verliert, die Person als Mensch verstehen zu koennen. Ich meine, wer meint schon, sich in einen Schizophrenen hineinversetzen zu koennen? Schliesslich klingt das so fremd wie nur etwas fremd sein kann. Und doch hat diese Person genau die gleichen Gefuehle und Beduerfnisse wie ich. Die Gedanken moegen anders sein, aber sie bedeuten dasselbe. Und wenn das klar waere, waeren Psychopharmaka auch wesentlich weniger populaer, denn sie toeten das Gefuehl ab und damit auch, was es bedeutet.

In New York City kam ich Mittwoch Mittag an, ohne einen Schlafplatz zu haben. Ich wusste durch Niki von einem Hostel, welches ich dann auch gleich aufgesucht habe. Es war voll, aber der Typ an der Rezeption, der Niki und Cathrine kannte, half mir weiter. Ich kam zum Chelsea Center Hostel an der 29th Street, 8th Avenue. Heidi und Carina traf ich an der Rezeption, zwei Deutsche. Heidi leitet das Hostel, Carina faengt gerade an einer Tanzschule in NYC an. Das war sehr witzig und ich bin dann da geblieben. Heidi war sehr interessiert an Couchsurfing und all den anderen Dingen, die ich so mache. Sie bedauerte, dass ich so wenig Zeit hatte, da sie gern mit mir einen Kaffee getrunken haette um ueber Gewaltfreie Kommunikation und aehnliches zu reden. Sie lud mich ein, wieder zu kommen, vielleicht sogar fuer sie zu arbeiten und so in NYC „umsonst“ wohnen zu koennen.

Obwohl ich keine Unterkunft bei ihnen hatte, hab ich mich mit zwei Couchsurfern getroffen. Zunaechst mit Joseph, 51, einem Professor fuer Buddhismus und vergleichende Religionswissenschaften. Er spricht Italienisch, Franzoesisch, Deutsch, Spanisch und liest Hebraeisch, Latein, Griechisch, Sanskrit, Pali und ein wenig Arabisch. Wir hatten eine spannende Unterhaltung. Er liebt was er macht und das hab ich gemerkt. Sehr erfrischend. Er gab mir mein ausgedrucktes Couchsurfing-Profil, auf dem er lauter Notizen gemacht hatte. Schoen zu sehen, wie jemand sich so fuer mich interessiert. Er nannte mich „The man in the middle.“ Nach dem Mittagessen zeigte er mir noch sein Apartment. Sehr Zen. Wunderbar. Papierwaende zum verschieben, ein kleiner Springbrunnen, simpler Stil. Ein kleines Zimmer fuer Zazen mit nichts ausser einer Kaligraphie und einer Matte. Ich schenkte ihm meine MP3-Sammlung mit Alan Watts, Rosenberg, Wilber und anderen. Er war begeistert. Naechsten Monat unterrichtet er in Lugano einen Kurs namens „Buddhism and Globalization.“ Sehr spannend. Ich moechte ihn gerne dort besuchen.

Spaeter am selben Tag traf ich Steve. Er ist 55 und setzt sich fuer eine Bewegung namens „Aesthetic Realism“ ein. Der Name sagte mir erstmal nichts, aber er gab just an dem Tag ein Seminar, zu welchem er mich einlud. Es geht darum, andere aesthetisch, das heisst, in ihrer Schoenheit zu sehen. Zu bemerken, dass hinter allen Gegensaetzen eine Einheit ist. Eine Frage, die ich daraus mitnehme ist: Was steht dieser Person zu, allein dafuer, dass sie lebendig ist? Das ist die Pforte zur Bedingungslosen Liebe. Denn wenn ich andere so sehe, vor wem haette ich dann Angst, wen wuerde ich dann nicht in mein Herz lassen koennen? Das finde ich sehr machtvoll.

Nach dem Seminar sind Steve und einige Teilnehmer mit mir in ein Restaurant gegangen. Steve sagte, haette er gewusst, wir wuerden uns so gut verstehen, er haette mich auf seine Couch eingeladen. Er moechte in jedem Fall in Kontakt bleiben und weiter diskutieren. Ich wies auf ein paar diskussionswuerdige Punkte im Aesthetic Realism hin, die er sehr interessant fand. Darunter war, dass er von einer Unterscheidung eines guten und eines boesen Teils in sich selbst ausging: guter Wille und Verachtung. Waehrend es dem guten Willen nur darum geht, zum Leben, zur Staerke und zum Bewusstsein anderer beizutragen, sorgt die Verachtung dafuer, dass man sich anderen ueberlegen fuehlen, beweisen will, dass man etwas besseres ist. Und ihm hilft das, denn so kann er identifizieren, wann er von einer Haltung ausgeht, die ihm langfristig nur Probleme bringen wird. Ich hakte allerdings ein, dass ich Verachtung nicht fuer den Ursprung dieser Dynamik halte, die zweifelsohne da ist. Stattdessen glaube ich, dass es der Glaubenssatz ist, dass nicht fuer alle Menschen so gesorgt werden kann, dass jeder gluecklich und erfuellt ist. Unter dieser Annahme ist es wichtig, anderen etwas voraus zu haben, damit die eigenen Beduerfnisse ueberhaupt zaehlen und dran kommen. Wem wuerde es da nicht so gehen? Die besagte Annahme ist allerdings eine Schlussfolgerung aus Erfahrungen, in denen von Beduerfnissen gar keine Rede war, sondern nur die jeweiligen Strategien zur ihrer Erfuellung, ohne Bewusstsein fuer ihren eigentlichen Zweck. Die Erfahrungen mit der Gewaltfreien Kommunikation haben bei mir jedenfalls mit der theoretischen Annahme aufgeraeumt, dass manche Konflikte unloesbar sind. Und das heisst, dass ich keine Ueberlegenheit brauche, um beachtet zu werden. Ich werde mit Steve wohl noch etwas laenger darueber reden.

Das war am Donnerstag. Am Freitag besuchte ich die Vereinten Nationen. Mir geht’s ganz gemischt damit. Einerseits ist die Vision dieser Organisation wunderschoen und ich wuerde sehr gerne dazu beitragen, andererseits kommen mir die praktischen Schwierigkeiten, diplomatischen Umwege, unproduktiven Debatten und unilateralen Interessen einiger Mitglieder ueberwaeltigend vor. Ich habe eine Guided Tour mitgemacht, war in den grossen Konferenz-Raeumen (die allesamt von skandinavischen Laendern gestiftet wurden, der Security-Council z.B. von Norwegen) und habe auf der Tour mit einem John aus Oregon gequatscht, der so genau wie Al Gore aussieht, dass ich es kaum fassen konnte. Ich war der zweite an dem Tag, der ihn darauf ansprach ;-) Mal sehen, wann ich das Gebaeude wieder betrete und in welcher Funktion.

Danach bin ich nochmal zu Steve, der mich und zwei andere Couchsurfer (Valentin aus Linz, Oesterreich und DJ aus Texas) durch Greenwich Village gefuehrt hat. Sehr schoen ruhig und gemuetlich. Wir haben erfahren, dass SoHo fuer „south of Houston“ steht (sprich: hausten). NoHo steht also fuer North of Houston. Wir waren noch in einem wunderbaren Markt mit sehr leckerem Brot, Eis, Chips, Bio-Laeden und dergleichen. Das war alles sehr fancy und ich hab genossen, diese Seite von New York zu sehen. Danach bin ich zur Penn’s Station gefahren, von der aus mein Zug nach Newark fuhr. Von dort aus ging’s nach Albuquerque, New Mexico, wovon ich im naechsten Eintrag erzaehlen will.

Noch eine Beobachtung zu Amerika. Als ich mit dem Bus durch Vermont und Massachusetts fuhr, fragte ich mich, warum ich mir diese Berge dort nicht als Voralpen vorstellen koennte. Ich fragte mich das, weil ich mich irgendwie fremd fuehlte und nicht recht wusste wieso. Also ging ich dem nach. Und mir ging auf, dass ich in den Voralpen kleine Doerfer finden wuerde, in denen die Haeuser recht nah beieinander stuenden. Not so in America. Jedes Haus ist mindestens 20 Meter vom naechsten entfernt und um sich zu bewegen und zu treffen, ist man generell auf’s Auto angewiesen. In mir loest das ein angespanntes Gefuehl von Einsamkeit, Abgetrenntheit und Unbehagen aus. Ich mache mir Sorgen um die Beziehungen der Leute, ob sie wirklich sowas wie Gemeinschaft und (freiwillige) Zugehoerigkeit haben. Zwar sehe ich den Aspekt der Freiheit, seinen Raum so zu gestalten wie man moechte, aber wenn darunter die Verbundenheit leidet weiss ich nicht, was man dann noch von dieser Freiheit hat. Das zu identifizieren hat mich sehr erleichtert und ein dickes Feindbild von den Amerikanern zum Schmelzen gebracht: Dass sie auf Naehe und Gemeinschaft pfeifen. Tun sie nicht. Ich habe mit mehreren darueber gesprochen und sie alle haben bestaetigt, was ich beobachte und in Bezug darauf fuehle. Sind also doch Menschen… ;-)