Immer wieder freue ich mich und staune ich über das Wunder der Empathie. Wenn ich den Begriff erklären soll, bin ich regelmäßig überwältigt von der Fülle an Bedeutungen und Definitionen, die ich von anderen gehört habe, von daher lasse ich das jetzt mal beiseite. Stattdessen möchte ich mich der Bedeutung widmen, die Empathie bisher in meinem Leben bekommen hat.
Für mich bedeutet Empathie ein Licht in der Dunkelheit, ein Weg, der mich zum Göttlichen in mir und anderen führt, wenn ich es (wieder einmal) vergessen oder übersehen habe. Ich habe ein paar richtig, richtig tiefe Erlebnisse mit Menschen in meinem Leben gehabt, in denen Empathie so einen enormen Unterschied bewirkt hat, dass ich gar nicht wüsste, wo ich heute stünde, hätte ich dieses Glück nicht gehabt. Mein erstes Erlebnis z.B. hat mich aus der heftigsten Panik nach dem Ende einer vierjährigen Partnerschaft in einen Zustand ziemlicher Ruhe und ziemlichen Friedens gebracht. Ich rief damals einen Bekannten (und heutigen Freund) aus der Szene der Gewaltfreien Kommunikation an, der mir für etwa eine Stunde zuhörte, Ich erzählte ihm, was geschehen war und wie furchtbar weh das tat. Und er hörte nicht nur zu, sondern das Besondere lag in der Qualität seiner Aufmerksamkeit. Er achtete darauf, dass ich Raum bekomme, vollständig zu fühlen, was an Gefühlen gerade durch mich durch stürmte. Wie ein Wind, der dem Segelschiff meiner inneren Erforschung Schub und Kraft verleiht, ohne selbst den Kurs zu bestimmen oder gewaltsam das Ruder herumzureißen. Auf diese Weise konnte ich meine Angst entspannen, mit den Gefühlen und der Hilflosigkeit alleine zu sein, sollte ich sie ganz an mich heranlassen. Das alleine ist mir schon unbeschreiblich viel wert, weiß ich doch nicht, wie menschliche Verbindung intensiver sein kann, als wenn ich voll bei meinen Gefühlen bin, während ich mich damit jemand anderem gegenüber öffne.
Im Rahmen dieser Verbindung verknüpfte er meine Gefühle mit meinen Absichten, Sehnsüchten, Bedürfnissen und Herzenswünschen. Das heißt, er hat den Gefühlen einen Boden gegeben, eine Richtung und einen Sinn – wie z.B. als es um meine Panik ging und er fragte, ob ich Angst habe, weil ich mir Geborgenheit, Liebe und Anbindung an andere Menschen in meinem Leben wünsche. Auf die Weise konnte ich spüren, welchen Sinn meine Angst hatte, welche Schönheit sie zu schützen versuchte. Es ziemlich schwierig, Panik zu haben UND in Kontakt mit der Schönheit von Dingen wie Geborgenheit, Liebe und Anbindung zu sein. Stattdessen stellte sich zunächst ein süßer, fließender Schmerz ein, ein Trauern und Bedauern um die vergehende Gelegenheit, die Erfüllung der Sehnsucht greifbar und jetzt zu erleben. Und im Kontakt mit der darunter liegenden Sehnsucht keimte gleichzeitig Hoffnung auf neue Möglichkeiten auf. Nach einer kurzen Weile gab es Frieden.
Ich glaube am heilendsten aber war, wie er meine Sehnsucht, Kontakt zu meiner damaligen schon-fast-Ex-Freundin herzustellen, die gerade Raum für sich brauchte, verstanden und gehalten hat. Er sagte mir nicht, dass sie jetzt Recht auf Ruhe hätte, oder dass es die Sache nur schlimmer machen würde, wenn ich ihren Wunsch nach Ruhe nicht respektierte. Nein, er fragte mich, ob ich gerade so verzweifelt sei, weil ich sie aus ganzem Herzen liebte und mir so wünschte, ich könnte diese Liebe auf eine Weise ausdrücken, die sie annehmen und verstehen könnte. Eine Weise, die sie nicht bedrohen würde, sondern nähren könnte. Diese Möglichkeit war über all den Streit, den Frust, die Verletzungen und die Enttäuschungen so verschüttet worden, dass ich den Glauben an meine aufrichtige Liebe verloren hatte. Und hier saß ich nun und bekam diese Frage gestellt… eine Frage, die die Welt bedeutet, wenn man keine Ahnung mehr hat, wo in all diesem Schlamassel die Liebe geblieben ist. Und eine Frage, die Hoffnung, Erleichterung und Mut gab, weil sie mir das Vertrauen in mein Herz zurückgab.
Der Zustand des Friedens hielt nach diesem Gespräch ein paar Tage an und wurde dann erneut herausgefordert. Und das seitdem viele Male. Auch habe ich schon Schwierigkeiten gehabt, Empathie anzunehmen, weil ich in meiner Orientierungslosigkeit manchmal ganz schön abhängig davon werden kann, dass jemand anderes errät, wie es mir geht. Und es gefällt mir gar nicht, wenn ich das nicht selbst auch hinbekomme. (Das Problem habe ich auch einigermaßen aufgelöst, gehe aber lieber an anderer Stelle darauf ein.) Jedoch die Möglichkeit, Empathie zu bekommen, wenn ich mal wieder im Nebel der Unklarheit umherwandere, hat mein Leben ein ordentliches Stück reicher, intensiver und klarer gemacht. Ich weiß z.B., wenn ich keine Ahnung habe, was mir gerade gut täte, dass es eine ordentliche Prise Empathie meist ganz gut trifft.
Aus der Dankbarkeit für die wiederholten Erfahrungen, die ich seitdem in meinem Leben mit Empathie gemacht habe, habe ich eine Menge Freude daran, denselben Raum auch anderen zu bieten. Ich liebe es, wenn aus dem Wust von Unklarheit und vielen verschiedenen Aspekten einer Situation langsam eine klare Herzensrichtung, eine tief gefühlte Sehnsucht, ein kostbares Bedürfnis zum Vorschein kommt. Meist erlebe ich durch den anderen dabei dieselbe Klärung wie derjenige, der durch den Prozess geht. Und es entsteht eine Art heiliger Raum, in dem nur die Frage gilt, was gerade für denjenigen wahr ist, auf den die empathische Aufmerksamkeit gerichtet ist. Aus diesem Raum heraus können dann klare und kraftvolle Entscheidungen getroffen, Verluste losgelassen und neue Möglichkeiten entdeckt werden.
Ich hoffe die Bedeutung, die Empathie für mich hat, ist hiermit deutlich geworden. Da ich auch gern aktiv etwas dafür tun möchte, dass es mehr Empathie in der Welt gibt, werden an der rechten Seite oben meine Kontaktdaten angezeigt. Wer neugierig ist oder schon eine Vorstellung vom Genuss der Empathie hat, kann sich gerne bei mir melden. Ich freue mich darauf und bin gespannt!