Das Wunder der Empathie

20 08 2011

Immer wieder freue ich mich und staune ich über das Wunder der Empathie. Wenn ich den Begriff erklären soll, bin ich regelmäßig überwältigt von der Fülle an Bedeutungen und Definitionen, die ich von anderen gehört habe, von daher lasse ich das jetzt mal beiseite. Stattdessen möchte ich mich der Bedeutung widmen, die Empathie bisher in meinem Leben bekommen hat.

Für mich bedeutet Empathie ein Licht in der Dunkelheit, ein Weg, der mich zum Göttlichen in mir und anderen führt, wenn ich es (wieder einmal) vergessen oder übersehen habe. Ich habe ein paar richtig, richtig tiefe Erlebnisse mit Menschen in meinem Leben gehabt, in denen Empathie so einen enormen Unterschied bewirkt hat, dass ich gar nicht wüsste, wo ich heute stünde, hätte ich dieses Glück nicht gehabt. Mein erstes Erlebnis z.B. hat mich aus der heftigsten Panik nach dem Ende einer vierjährigen Partnerschaft in einen Zustand ziemlicher Ruhe und ziemlichen Friedens gebracht. Ich rief damals einen Bekannten (und heutigen Freund) aus der Szene der Gewaltfreien Kommunikation an, der mir für etwa eine Stunde zuhörte, Ich erzählte ihm, was geschehen war und wie furchtbar weh das tat. Und er hörte nicht nur zu, sondern das Besondere lag in der Qualität seiner Aufmerksamkeit. Er achtete darauf, dass ich Raum bekomme, vollständig zu fühlen, was an Gefühlen gerade durch mich durch stürmte. Wie ein Wind, der dem Segelschiff meiner inneren Erforschung Schub und Kraft verleiht, ohne selbst den Kurs zu bestimmen oder gewaltsam das Ruder herumzureißen. Auf diese Weise konnte ich meine Angst entspannen, mit den Gefühlen und der Hilflosigkeit alleine zu sein, sollte ich sie ganz an mich heranlassen. Das alleine ist mir schon unbeschreiblich viel wert, weiß ich doch nicht, wie menschliche Verbindung intensiver sein kann, als wenn ich voll bei meinen Gefühlen bin, während ich mich damit jemand anderem gegenüber öffne.

Im Rahmen dieser Verbindung verknüpfte er meine Gefühle mit meinen Absichten, Sehnsüchten, Bedürfnissen und Herzenswünschen. Das heißt, er hat den Gefühlen einen Boden gegeben, eine Richtung und einen Sinn – wie z.B. als es um meine Panik ging und er fragte, ob ich Angst habe, weil ich mir Geborgenheit, Liebe und Anbindung an andere Menschen in meinem Leben wünsche. Auf die Weise konnte ich spüren, welchen Sinn meine Angst hatte, welche Schönheit sie zu schützen versuchte. Es ziemlich schwierig, Panik zu haben UND in Kontakt mit der Schönheit von Dingen wie Geborgenheit, Liebe und Anbindung zu sein. Stattdessen stellte sich zunächst ein süßer, fließender Schmerz ein, ein Trauern und Bedauern um die vergehende Gelegenheit, die Erfüllung der Sehnsucht greifbar und jetzt zu erleben. Und im Kontakt mit der darunter liegenden Sehnsucht keimte gleichzeitig Hoffnung auf neue Möglichkeiten auf. Nach einer kurzen Weile gab es Frieden.

Ich glaube am heilendsten aber war, wie er meine Sehnsucht, Kontakt zu meiner damaligen schon-fast-Ex-Freundin herzustellen, die gerade Raum für sich brauchte, verstanden und gehalten hat. Er sagte mir nicht, dass sie jetzt Recht auf Ruhe hätte, oder dass es die Sache nur schlimmer machen würde, wenn ich ihren Wunsch nach Ruhe nicht respektierte. Nein, er fragte mich, ob ich gerade so verzweifelt sei, weil ich sie aus ganzem Herzen liebte und mir so wünschte, ich könnte diese Liebe auf eine Weise ausdrücken, die sie annehmen und verstehen könnte. Eine Weise, die sie nicht bedrohen würde, sondern nähren könnte. Diese Möglichkeit war über all den Streit, den Frust, die Verletzungen und die Enttäuschungen so verschüttet worden, dass ich den Glauben an meine aufrichtige Liebe verloren hatte. Und hier saß ich nun und bekam diese Frage gestellt… eine Frage, die die Welt bedeutet, wenn man keine Ahnung mehr hat, wo in all diesem Schlamassel die Liebe geblieben ist. Und eine Frage, die Hoffnung, Erleichterung und Mut gab, weil sie mir das Vertrauen in mein Herz zurückgab.

Der Zustand des Friedens hielt nach diesem Gespräch ein paar Tage an und wurde dann erneut herausgefordert. Und das seitdem viele Male. Auch habe ich schon Schwierigkeiten gehabt, Empathie anzunehmen, weil ich in meiner Orientierungslosigkeit manchmal ganz schön abhängig davon werden kann, dass jemand anderes errät, wie es mir geht. Und es gefällt mir gar nicht, wenn ich das nicht selbst auch hinbekomme. (Das Problem habe ich auch einigermaßen aufgelöst, gehe aber lieber an anderer Stelle darauf ein.) Jedoch die Möglichkeit, Empathie zu bekommen, wenn ich mal wieder im Nebel der Unklarheit umherwandere, hat mein Leben ein ordentliches Stück reicher, intensiver und klarer gemacht. Ich weiß z.B., wenn ich keine Ahnung habe, was mir gerade gut täte, dass es eine ordentliche Prise Empathie meist ganz gut trifft.

Aus der Dankbarkeit für die wiederholten Erfahrungen, die ich seitdem in meinem Leben mit Empathie gemacht habe, habe ich eine Menge Freude daran, denselben Raum auch anderen zu bieten. Ich liebe es, wenn aus dem Wust von Unklarheit und vielen verschiedenen Aspekten einer Situation langsam eine klare Herzensrichtung, eine tief gefühlte Sehnsucht, ein kostbares Bedürfnis zum Vorschein kommt. Meist erlebe ich durch den anderen dabei dieselbe Klärung wie derjenige, der durch den Prozess geht. Und es entsteht eine Art heiliger Raum, in dem nur die Frage gilt, was gerade für denjenigen wahr ist, auf den die empathische Aufmerksamkeit gerichtet ist. Aus diesem Raum heraus können dann klare und kraftvolle Entscheidungen getroffen, Verluste losgelassen und neue Möglichkeiten entdeckt werden.

Ich hoffe die Bedeutung, die Empathie für mich hat, ist hiermit deutlich geworden. Da ich auch gern aktiv etwas dafür tun möchte, dass es mehr Empathie in der Welt gibt, werden an der rechten Seite oben meine Kontaktdaten angezeigt. Wer neugierig ist oder schon eine Vorstellung vom Genuss der Empathie hat, kann sich gerne bei mir melden. Ich freue mich darauf und bin gespannt! :-)





Körperkontakt

11 08 2011

Als ich zu meinem letzten Übungsgruppentreffen der Gewaltfreien Kommunikation gefragt wurde, was die eigene Bereitschaft kultiviert, in empathischen, neugierigen Kontakt mit anderen zu gehen, habe ich spontan “Kuschelpartys” gesagt. Und ich meinte das ernster, als es erst aussah. Nach zehn Tagen Sommercamp im ZEGG bin ich bis letzten Dienstag weitere acht Tage in Berlin geblieben. Berlin, so wie jede andere Großstadt auch, ist jedes Mal krass, wenn ich aus einer kleinen begrenzten Umgebung komme, wo Menschen ziemlich achtsam und aufmerksam füreinander sind. Die Begrenzungen sind weg und die Eindrücke potenzieren sich. Überall Menschen, die fühlen, die sich bewegen, die sich ausdrücken, aber (fast) alles unverbindlich und ohne Herzkontakt. Bei mir löst das in der Regel Stress aus, bis meine eigenen Stadt-Filter wieder aufgerichtet sind. Dann ist der Stress noch da, aber er tritt in den Hintergrund.

Während der Zeit in Berlin gab es Gelegenheit ein paar der Leute zu treffen, die ich im ZEGG kennengelernt habe. Wir verabredeten uns zu einem Barfuß-Tanzabend, aber als wir dann da waren, haben wir kaum getanzt, sondern uns auf die Matratzen im Ausruhraum gelegt und einen Kuschelhaufen gebildet. Ich hatte Körperkontakt zu mindestens vier (zwar neu kennengelernten, aber doch vertrauten) Menschen gleichzeitig und habe mich göttlich gefühlt. Irgendwas in mir hat sich dabei tief entspannt. Es gab nichts zu tun, bloß zu sein und den Kontakt zu genießen. Dabei öffnet und entspannt sich erst meine Kehle, die in meinem System eine Art Sicherheitsventil für den Selbstausdruck darstellt. Und wenn die offen ist, fühl ich mich sicherer mit mir selbst. Ich kann mich leichter auszudrücken und habe Vertrauen, dass das, was ich ausdrücken will, auch empfangen wird. Als nächstes öffnen sich dann mein Herz, mein Bauch und mein Schoß… Naja gut, nicht immer aber in dem Moment ging’s mir schon mal ziemlich gut.

Als ich danach durch Berlin ging, stellte ich fest, wie der Hintergrundstress verschwunden war, jedenfalls für eine Weile. Stattdessen gab es eine erstaunliche Ruhe, Freude und Großzügigkeit in mir. Ich hatte tatsächlich so viel Frieden in mir, dass ich Lust hatte, Menschen mit Neugierde zu begegnen, selbst wenn sie gerade sehr anders drauf wären, als ich. Also genau die Stimmung, die es für natürlichen, aufrichtig empathischen Kontakt braucht.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung hat der Satz “Kuscheln für den Weltfrieden” plötzlich Sinn ergeben. Ich bin wirklich überzeugt davon, dass es dieser entspannte innere Frieden ist, der uns effektiv für Verbundenheit und Freude aneinander wirken lässt – genau wie ich Scilla Elworthy hier zitiert habe.

Der Spruch “Make Love not War” passt im weiteren Sinne auch, wenn man es denn hinbekommt, die schöne, achtsame und entspannte Haltung beim Kuscheln auch in den Liebesakt mitzunehmen (was ja alles andere als selbstverständlich ist). Bevor ich diese Verknüpfung gemacht habe, kam es mir immer so vor, dass diese Hippies, die meinen, um Frieden auf die Welt zu bringen, sei es total wichtig, guten Sex zu haben, darin bloß eine super Rechtfertigung finden, auf unachtsame Weise ihren Geilheits-Impulsen nachzugehen. Mit der besagten Erfahrung wird mir aber klar, dass es dabei nicht um Sex an sich gehen muss, sondern um verbundenen Sex, oder Verbundenheit generell. Wann immer ich das hatte, bisher, hab ich gleich wesentlich mehr Energie gehabt, etwas Schönes in die Welt zu bringen. Ich hab das meine “Kinderzimmer-bauen-Energie” genannt. Und beim Kinderzimmer muss es ja nicht bleiben.

Ich geniere mich allerdings auch ein bisschen, das hier als neue Erkenntnis darzustellen. Für mich ist es in dieser Klarheit neu, aber ich stell mir vor, damit ein wenig wie ein verkopfter Exot dazustehen, gegenüber den Leuten, für die Körperkontakt selbstverständlicher ist, als er sich für mich und meinen Familienhintergrund darstellt. Ich habe lange so gelebt, dass ich, wenn ich den Wunsch nach Kontakt zu jemandem hatte, es erst gewagt habe, den auszusprechen, wenn ich eine akzeptable Rechtfertigung dafür parat hatte. Für einfachen Körperkontakt gibt’s aber kaum eine, jedenfalls keine verbale. In meiner Familie gibt es dafür irgendwie keinen Erfahrungshintergrund, der sagt “Das ist wertvoll, drücke es aus, wenn Du es möchtest und Du bekommst Antwort und Resonanz.” Stattdessen kam ich mir damit eher sehr verloren vor, als gäbe es keinen Weg, das je zu bekommen, wenn es mir gut tun würde.

Ich finde auch heute noch nicht einfach, dafür zu sorgen. Im Zweier-Kontakt mit einer Person, mit der ich nicht gerade eine monogame Beziehung habe, bringt das oft Komplikationen. Im ZEGG war es einfach, weil’s mehrere Menschen sind, die zu einem Anlass (z.B. Vortrag im Großzelt anhören) zusammenkommen und dann eben miteinander kuscheln. Da gibt’s eine Art Kultur, die das fördert und irgendwie leicht macht. Mit Freunden komme ich auf die Weise selten zusammen. Mein nächster Versuch wird sein, zu einer Kuschelparty zu gehen, wo ich allerdings noch niemanden kenne. Mal sehen, was das gibt.





Ein Wort zur Theorie

2 08 2011

Es gab eine Zeit, da ich von einigen Menschen gespiegelt bekommen habe, ich sei “sehr im Kopf”, wenn ich rede. Das zu hören hat mich für gewöhnlich furchtbar aufgeregt, weil ich so gar nichts damit anfangen konnte und dieses “Du bist ZU sehr… was auch immer” ja irgendwie impliziert, dass mit mir etwas nicht stimmt. “Ja, was soll ich denn sonst sein?!?” war üblicherweise meine erste Reaktion. Ich bin auch heute noch ärgerlich darüber, dass ich selbst herausfinden musste, was dieser Satz bedeuten könnte, aber was sich als relativ klar herausgestellt hat ist folgende Übersetzung: “Wenn ich Dich über diese Theorie/diesen Gedanken reden höre werde ich unruhig und ein wenig ungeduldig. Ich bin sicher, dass Du mir damit irgendetwas persönlich Relevantes mitteilen willst, aber ich krieg’s nicht zu fassen. Ich würde gerne hören, was Du willst, was Du Dir wünschst, wie man Dir entgegen kommen kann, so dass ich Dich als Mensch erspüren kann.”

Seitdem ich das weiß, achte ich sehr genau darauf, ob, und wenn ja welche, persönliche Relevanz meine Gedanken haben und ob sie zur Verbindung mit anderen Menschen beitragen. Ich werde z.B. sehr unruhig, wenn ich von einer Theorie erzähle, die mich irgendwie fasziniert, ich aber nicht so recht sagen kann, warum das jetzt gerade für den Kontakt mit meinem Gegenüber wichtig ist. Genauso unruhig werde ich, wenn jemand anderes das tut und ich ihn nicht zu fassen bekomme. Ich werde unruhig, weil ich ja selber möchte, dass das Gespräch auf effiziente Weise zur Verbindung beiträgt. Und wenn ich ehrlich bin, sind Theorien, von denen ich erzähle, meist Stellvertreter, für eine Erfahrung, die mit dieser Theorie eine Legitimation bekommen hat. Ein witziges Beispiel ist, wie ich mit einer Frau unterwegs war, die ich sexuell attraktiv fand und mit der ich, statt von meinen Wünschen zu sprechen, eine theoretische Unterhaltung über Sex angefangen habe. Alles in der Hoffnung, sie möge doch von selbst auf diese Bedeutung kommen und mir die Unsicherheit ersparen, die volle Verantwortung für meinen Wunsch zu übernehmen und dann nicht zu bekommen, was ich will.

Vor dem Hintergrund verstehe ich die Aussage “Du bist mir zu sehr im Kopf.” auch als “Du brauchst keine Legitimation um mir zu sagen, was Du willst und brauchst. Ich würde es gerne einfach von Dir direkt erfahren.” Ich habe eine Weile gebraucht, bevor ich dem trauen konnte, aber jetzt bin ich sehr froh, dass ich schon seit einigen Jahren niemanden mehr habe sagen hören, ich sei ihm zu sehr im Kopf.

Ein Erlebnis, was mir diesen Zusammenhang zwischen Gedanken und Verbindung sehr deutlich gemacht hat, fand im Rahmen einer Mailingliste zur Gewaltfreien Kommunikation statt. Dort habe ich vor etwa 2 1/2 Jahren einen Beitrag zum Thema “Mann, das entbehrliche Geschlecht” geschrieben, ein Thema was ich auch hier behandelt habe. Ich war so begeistert davon, dass ein gewisser Warren Farrell sich der unbewussten Rollendynamik von Männern angenommen und darüber Bücher geschrieben hat – eine Sache, die es für Frauen schon eine ganze Weile gibt, bei der die Männer aber unterrepräsentiert sind. Ich bin mit der Diskussion in der Mailingliste nicht weit gekommen, sondern wurde schnell gefragt, was denn meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema seien. Da fiel mir eine schmerzhafte Unterhaltung mit meiner früheren Partnerin ein, in der wir einander überhaupt nicht verstanden haben, sondern ihre Wut darüber, nicht ihren Weg als Frau so gehen zu können, wie sie gerne würde, zu einem Vorwurf an mich als Mann wurde. Jedenfalls hab ich das so aufgefasst. Und dann von Warren Farrell zu lesen, der die Ohnmacht von Männern in einer Rolle, die nicht selbst gewählt ist, beschreibt und ihr eine Stimme gibt, erleichtert und freut mich enorm, da es mich ermächtigt der Wut der Frau als ganzer Mann entgegen zu treten, sie hören zu können, ohne mich dann selbst zu verraten. Meine persönliche Öffnung wurde in der Mailingliste sehr begrüßt und ich habe gemerkt, dass ich damit eigentlich das Wesentliche gesagt hatte. Eine weitere Debatte darüber, inwiefern das nun stimmt, was Farrell schreibt und ob’s auch Gegenargumente gibt, war einfach nicht mehr interessant.

In diesem Sinne fordere ich euch auch zu einer Kultur auf, in der ihr schaut, inwiefern eure Gedanken mit eurem direkten Erleben in Verbindung stehen. Für welche Werte und Bedürfnisse treten sie ein? Was wollen sie sichtbar machen? Meine Erfahrung ist es, dass sich Debatten, Gespräche und Austausch viel lebendiger anfühlen, wenn diese Fragen im Fokus sind. Stellt euch vor, Politiker, Professoren und andere Experten würden über wichtige Sachfragen in der Welt auf diese Weise debattieren! Also immer mit Bezug zu direkt Erlebtem, statt auf die Frage hin, wer nun Recht hat. Was wäre das für eine Erleichterung!





Nützlich für die Welt

1 08 2011

Seit einer Weile bin ich auf den Spuren meiner Berufung. Das heißt, ich entdecke nach und nach, wie ich das, was ich bisher gelernt habe, mit Freude, Elan und zum Nutzen anderer für Geld anbieten kann. Dazu zähle ich meine Fähigkeiten in der Gewaltfreien Kommunikation und mein Wissen bezüglich menschlichen Verhaltens und Entwicklung. Ich habe bei meinen letzten beiden Aufenthalten im ZEGG sehr oft gespiegelt bekommen, wie wertvoll diese Fähigkeiten für andere sein können und fühle mich ermutigt, sie an den Mann zu bringen. Da ich u.a. in meiner Universitätszeit viel Entmutigung erlebt habe (ich habe dort niemanden gefunden, der damit etwas machen wollte) finde ich das überhaupt nicht einfach, denn es beinhaltet, dass ich einfach mache, was ich will und mir niemand dafür Autorisierung oder Erlaubnis geben kann. Und wenn es niemanden interessieren sollte, ist das meine Sache – ich kann also die Entmutigung auch nicht ab- oder weiterleiten.

Eine andere Schwierigkeit ist meine Tendenz mich vom Fühlen abzukoppeln, wenn es stressig wird. Und wenn ich ein Seminar leite und denke, ich müsste jetzt was bieten, kann das schon mal Stress geben. Dann hab ich die Strukturpunkte im Kopf, hetze von einem zum nächsten und fühle mich nachher auf angespannte Weise leer. Ich möchte aber gerne genießen was ich tue während ich es tue. Das kann ich nur, wenn ich mich nicht von meinen Gefühlen abkoppel. Und dazu braucht’s eine innere Entspannung und die klare Ausrichtung auf die Qualität von Sein, Präsenz und Klarheit, zu der ich beitragen will.

Ich habe mich so gefreut, vor ein paar Tagen von Scilla Elworthy, die hier im ZEGG einen Vortrag zum Thema “Self-Knowledge and Global Responsibility” gehalten hat, zu hören, dass sie diese innere Entspannung und Sicherheit für die Bedingung dafür hält, nützlich für die Welt zu sein. Im Kontrast dazu stehen hungrige oder wütende Aktivisten, die viel an Energie und Effizienz dadurch verlieren, dass sie zwar wissen, wogegen sie sind, aber wenig Gespür dafür haben, wie das aussehen könnte, was sie erschaffen wollen. Und noch weniger Erfahrung damit. Ich tanke hier im ZEGG immer wieder auf und erlebe wie es ist, so viele Gelegenheiten zu Kontakt und Tiefe zu haben, dass ich mir keine Sorgen mehr darüber zu machen brauche, ob ich eingebunden oder versorgt bin. Und diese Entspannung ist es laut Scilla Elworthy, aus der heraus etwas Neues passieren kann. Das glaube ich selbst auch schon länger, gerate damit nur zuweilen in Stress, wenn ich mir sage, ich sollte möglichst schnell Geld verdienen. Ich bin also dankbar für die Bestätigung, dass ich auf einem guten Weg bin.








Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.