Nützlich für die Welt

1 08 2011

Seit einer Weile bin ich auf den Spuren meiner Berufung. Das heißt, ich entdecke nach und nach, wie ich das, was ich bisher gelernt habe, mit Freude, Elan und zum Nutzen anderer für Geld anbieten kann. Dazu zähle ich meine Fähigkeiten in der Gewaltfreien Kommunikation und mein Wissen bezüglich menschlichen Verhaltens und Entwicklung. Ich habe bei meinen letzten beiden Aufenthalten im ZEGG sehr oft gespiegelt bekommen, wie wertvoll diese Fähigkeiten für andere sein können und fühle mich ermutigt, sie an den Mann zu bringen. Da ich u.a. in meiner Universitätszeit viel Entmutigung erlebt habe (ich habe dort niemanden gefunden, der damit etwas machen wollte) finde ich das überhaupt nicht einfach, denn es beinhaltet, dass ich einfach mache, was ich will und mir niemand dafür Autorisierung oder Erlaubnis geben kann. Und wenn es niemanden interessieren sollte, ist das meine Sache – ich kann also die Entmutigung auch nicht ab- oder weiterleiten.

Eine andere Schwierigkeit ist meine Tendenz mich vom Fühlen abzukoppeln, wenn es stressig wird. Und wenn ich ein Seminar leite und denke, ich müsste jetzt was bieten, kann das schon mal Stress geben. Dann hab ich die Strukturpunkte im Kopf, hetze von einem zum nächsten und fühle mich nachher auf angespannte Weise leer. Ich möchte aber gerne genießen was ich tue während ich es tue. Das kann ich nur, wenn ich mich nicht von meinen Gefühlen abkoppel. Und dazu braucht’s eine innere Entspannung und die klare Ausrichtung auf die Qualität von Sein, Präsenz und Klarheit, zu der ich beitragen will.

Ich habe mich so gefreut, vor ein paar Tagen von Scilla Elworthy, die hier im ZEGG einen Vortrag zum Thema “Self-Knowledge and Global Responsibility” gehalten hat, zu hören, dass sie diese innere Entspannung und Sicherheit für die Bedingung dafür hält, nützlich für die Welt zu sein. Im Kontrast dazu stehen hungrige oder wütende Aktivisten, die viel an Energie und Effizienz dadurch verlieren, dass sie zwar wissen, wogegen sie sind, aber wenig Gespür dafür haben, wie das aussehen könnte, was sie erschaffen wollen. Und noch weniger Erfahrung damit. Ich tanke hier im ZEGG immer wieder auf und erlebe wie es ist, so viele Gelegenheiten zu Kontakt und Tiefe zu haben, dass ich mir keine Sorgen mehr darüber zu machen brauche, ob ich eingebunden oder versorgt bin. Und diese Entspannung ist es laut Scilla Elworthy, aus der heraus etwas Neues passieren kann. Das glaube ich selbst auch schon länger, gerate damit nur zuweilen in Stress, wenn ich mir sage, ich sollte möglichst schnell Geld verdienen. Ich bin also dankbar für die Bestätigung, dass ich auf einem guten Weg bin.








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