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	<title>Niklas bringt die Welt in Ordnung</title>
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	<description>Don't be hasty.</description>
	<pubDate>Sun, 22 Jun 2008 01:55:54 +0000</pubDate>
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		<title>Post-IIT-Reflektionen</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jun 2008 09:24:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niklasbringtdieweltinordnung</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Ich sitze auf einem Sofa in einem Haus oestlich von Albuquerque. Das Haus gehoert Anthony, einem Freund von Jason und L&#8217;aura, zwei neuen Freunden vom IIT. Mir geht es gut. Das IIT ist am Dienstag zuende gewesen, es gab viele Abschiede, viele Umarmungen und bewegende Worte. Gleichzeitig bin ich froh um meine Ruhe. Es ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Ich sitze auf einem Sofa in einem Haus oestlich von Albuquerque. Das Haus gehoert Anthony, einem Freund von Jason und L&#8217;aura, zwei neuen Freunden vom IIT. Mir geht es gut. Das IIT ist am Dienstag zuende gewesen, es gab viele Abschiede, viele Umarmungen und bewegende Worte. Gleichzeitig bin ich froh um meine Ruhe. Es ist schoen aber auch anstrengend neun Tage lang mit den eigenen Emotionen so wie auch denen der anderen so stark in Beruehrung zu kommen. Und insgesamt brauche ich Balance und etwas Ruhe.</p>
<p>Was ich aus dem IIT mitnehme sind Freunde, Kontakte, Unterstuetzung. Die koerperliche Erfahrung von Vertrauen, Einfuehlung, dem reinen Genuss vom menschlichen Kontakt ohne extrinsischem Motiv. Letzteres finde ich ganz besonders wertvoll. Es ist die Klarheit und Ruhe, mit der man einfach neugierig sein kann, wie es dem anderen gerade geht. Es geht nicht darum, etwas daraus zu gewinnen, fuer die Zukunft zu sorgen oder zu ueberzeugen, sondern um den reinen Kontakt. Und mir ist klar, dass es das ist, was ich an der Gewaltfreien Kommunikation, nein, an Marshall Rosenberg so schaetze: nicht die Technik, die Erfahrung, die Begriffe und Ideen. Es ist die Entscheidung, diesen menschlichen Kontakt zur obersten Prioritaet zu machen. Nichts geht darueber. Und das ist wirklich eine Entscheidung, die ich immer wieder treffen muss. Niemand kann mir die abnehmen. Sie erfordert Bewusstheit und Mut. Aber es lohnt sich, sich immer wieder zu fragen: &#8220;Wie will ich wirklich leben?&#8221;</p>
<p>Diese Frage half mir, mich daran zu erinnern, dass ich mich schon vor Rosenberg mit der Frage der Einigung der Menschen beschaeftigt habe. Und so bedankte ich mich bei Marshall in der Closing Session dafuer, dass er mich in meiner Mission, meinem Sinn unterstuetzt und genaehrt hat. Das gab mir ein ganz anderes Gefuehl, staerker und mit mehr Vertrauen. Marshall hat seinen Teil getan, es ist mein Weg, den ich hier gehe. Er war jedenfalls sehr froh, mir darin geholfen zu haben. Valentina sagt, dass wir uns wohl bald wiedersehen, sich darueber freuend, dass ich so &#8220;hartnaeckig&#8221; bin.</p>
<p>Am Sonntag gab Marshall eine Praesentation ueber &#8220;Giraffes around the world&#8221;. Er zeigte Fotos von Workshops mit Leuten, die ihm Zugang zu Laendern wie Israel Palaestina, Ruanda und andere ermoeglicht haben. Auf einem Foto sieht Marshall sehr besorgt aus. Er schaut auf Kinder, deren Eltern im Genozid in Ruanda umkamen. Das Bild half mir sehr, eine Verbindung zu Marshall zu finden. Ich konnte mich selbst an seiner Stelle sehen.</p>
<p>Auch half mir eine Unterhaltung mit ihm, in welcher ich ihn danach fragte, wie er mit all den Gratis-Diagnosen umgegangen ist, die er bekommen haben muss, als er anfing alles mal ein wenig anders zu machen als die anderen, z.B. nachfragen, wie Leute sich fuehlen und was sie brauchen. Und er sagte mir, dass er natuerlich Reaktionen bekommen hat, die ihn aengstigten und Beziehungen komplizierter machten. Aber fuer jede dieser Reaktionen bekam er zehn andere von Leuten, die froh und gluecklich darueber waren, dass er nachbohrte, mehr Verbindung suchte und was Neues ausprobierte. Ich sagte, dass ich dann lieber anfange zu sammeln.</p>
<p>So sehr ich schaetze, dass ich auf dem IIT mit den anderen den GfK-Jargon benutzen konnte, etwas in mir straeubt sich mehr und mehr dagegen. Ich will meine eigene Sprache haben und universell ausdruecken koennen, worum es dort geht. Und ich glaube eines der Prinzipien hinter Beduerfnissen ist, dass man damit sagt, was man will und nicht, was man nicht will. Das ist sehr viel maechtiger und befreiender als jedes &#8220;ich will nicht&#8221;. Hinzu kommt, dass man von Lebensqualitaeten spricht und sie erst in der Bitte konkretisiert. Das gibt viel Spielraum und Freiheit fuer Kreativitaet. So lange ich nur weiss, was ich nicht will, weiss ich nicht, was ich will. Das heisst, der eigentliche Schatz liegt noch vergraben.</p>
<p>Ein Beispiel was ich hier besonders tricky finde ist dieses: &#8220;Ich will keine intime Beziehung mit dir.&#8221; Wie kann man das positiv ausdruecken? &#8220;Wir koennen ja Freunde bleiben.&#8221; zaehlt nicht, weil es zum einen noch immer impliziert, dass man NICHT mehr will und zum anderen schliessen sich intime Beziehung und Freundschaft ja nicht aus. Man koennte sagen &#8220;Ich fuehle mich nicht hingezogen zu dir.&#8221; Ist immer noch negativ gesagt, aber da steckt schon drin, dass man sich gerne zu jemandem hingezogen fuehlen moechte. Wir haben im IIT ein bisschen untersucht was das eigentlich heisst und ich fand zwei Prinzipien darin ganz treffend. Das eine waere ein Sinn fuer Schoenheit (ich druecke es vage aus, weil das sehr verschiedene Entsprechungen haben kann) und das andere so etwas wie Resonanz, eine Spannung, Neugierde, ausgeloest durch gemeinsame Interessen, Ansichten, aber auch unterschiedliche Ressourcen und Hintergruende. Ich finde es sehr convenient &#8220;Seeing you meets my need for beauty.&#8221; sagen zu koennen. Ich wuenschte, ich faende eine Formulierung, die dasselbe sagt, ohne das Beduerfnis nennen zu muessen (ich rechne einfach nicht damit, dass das rueberbringen wuerde, was ich meine). Denn ich will nicht sagen &#8220;Du BIST schoen.&#8221; Das ist einfach nie wahr, sonder hat nur Wert in Bezug auf mich, der dich sieht. Und manchmal aendert sich dieser Eindruck auch ueber die Zeit. Ich bin nicht derjenige, der dich definiert. Ich will nur ausdruecken, wie es mir geht. Und wenn ich nun mal jemanden oder etwas um mich herum habe, was ich schoen finde, dann passt es am besten zu sagen &#8220;Dich zu sehen erfuellt mein Beduerfnis nach Schoenheit.&#8221; Ehrlicher kann es nicht sein.</p>
<p>Wenn ich also sage &#8220;Ich will keine intime Beziehung mit dir&#8221; und moechte mehr Schoenheit in meinem Leben haben, dann will ich das positiv und ehrlich ausdruecken koennen, ohne zu implizieren, dass du nicht schoen bist. Denn du bist weder schoen noch haesslich, sondern einfach du. Aber mir ist klar, dass das wohl mehr davon abhaengt, wie du ueber dich denkst, als wie ich darueber denke. Wenn du es nicht besser weisst, hoerst du eine Zurueckweisung, egal wie ich&#8217;s sage&#8230;</p>
<p>Trotzdem. Mir selbst bewusst zu sein, dass ich nach Schoenheit und Resonanz suche, hilft mir, eine Richtung zu finden und Entscheidungen zu faellen. Das finde ich wertvoll.</p>
<p>Ich habe waehrend des IITs eine Unterhaltung mit Josh gehabt und wir haben die Frage untersucht, wie man um Zuneigung, Beruehrung, Kuscheln fragen kann, ohne die Gefahr, sich selbst zu verlieren. Und uns fiel auf, dass das sehr schwer ist, so lange man den Wert der eigenen Beduerfnisse daran misst, wie bereit andere sind, auf unsere Bitten einzugehen. Und wenn ich dann eine Bitte habe, deren Erfuellung fuer mich einen Ausdruck von Liebe bedeuten wuerde, ist es besonders schmerzhaft, ein &#8220;Nein&#8221; zu hoeren. Wir einigten uns also darauf, eine Unterscheidung zwischen Beduerfnisse wertschaetzen und Beduerfnisse erfuellen zu beachten. Eine Bitte zu aeussern wird gleich viel weniger beaengstigend, wenn das klar ist.</p>
<p>Ein Lied was mich zum Weinen brachte:</p>
<p><em>When I come gently to you I’d like you to see</em></p>
<p><em>It’s not to get myself from you, it’s just to give you me.</em></p>
<p><em>And I know that you can not give me me, no matter what you do.</em></p>
<p><em>All I ever want from you is you.</em></p>
<p><em>I know your fear of fences, your pain from prisons past.</em></p>
<p><em>I’m not the first to sense it and I’m plainly not the last.</em></p>
<p><em>The hawk within your heart’s not bound to earth by fence of mine,</em></p>
<p><em>Unless you aren’t aware that you can fly.</em></p>
<p><em>When I come gently to you I’d like you to know</em></p>
<p><em>I come not to trespass your space, I want to touch and grow.</em></p>
<p><em>When your space and my space meet, each is not less but more.</em></p>
<p><em>We make our space that wasn’t space before.</em></p>
<p><em>When I come gently to you I’d like you to see</em></p>
<p><em>It’s not to get myself from you, it’s just to give you me.</em></p>
<p><em>And I know that you can not give me me, no matter what you do.</em></p>
<p><em>All I ever want from you is you.</em></p>
<p>Marshall spielte es zum Thema &#8220;Celebrations&#8221; und ich brach so in Traenen aus. Alaetsea sass neben mir, kraulte mir den Nacken und nahm mich sanft in den Arm. Rachid nahm meine Hand. Marshall fragte, was los sei. Diejenigen von euch, die mich gut kennen, koennen sich vielleicht vorstellen, welche Erinnerungen dieses Lied in mir weckt. Es tut weh, diese Verbindung zu wollen und dann so wahrgenommen zu werden, als wollte ich dir etwas wegnehmen. Als naehme ich dir deine Freiheit, die dir niemand geben kann, ausser du selbst. Ich will beruehren und wachsen, nicht deine Grenzen ueberschreiten. Ich will mich geben und nichts von dir ausser dich.</p>
<p>Umgangssprachlich nennt Marshall &#8220;celebrations&#8221; &#8220;unsneaky bragging&#8221;, also so viel wie &#8220;nicht-heimliches Angeben&#8221;. Es bedeutet, sich klar zu machen, wie man das Leben bereichern konnte. Wenn ich daran denke, das ich heute mit Anthony und Tom eine Wanderung gemacht habe und uns das erlaubt hat, uns kennenzulernen, Gedanken auszutauschen, Interessen zu teilen, bin ich ganz relaxt, beruehrt und froh. Anthony bot mir an, immer wieder kommen zu koennen. Ich hab ein Zuhause hier, sagte er. Ist das nicht wunderbar und zum feiern?</p>
<p>Jeden Morgen waehrend der neun Tage gab es eine Morgen-Session mit dem Zweck, uns an den Sinn und unsere tiefste Sehnsucht zu erinnern, nach der wir leben wollen. Eines Morgens spielte ich dieses Lied, singend mit Gitarre:</p>
<p><em>Do you dream the same dreams I dream</em></p>
<p><em>I wonder if we value the same things</em></p>
<p><em>I love the joy, I love the tenderness,</em></p>
<p><em>Honesty and empathy bring.</em></p>
<p><em>Do you dream of a world where each person</em></p>
<p><em>Is always an end and not a cog?</em></p>
<p><em>Where mistakes don&#8217;t require</em></p>
<p><em>Damnation or hellfire</em></p>
<p><em>Just a little loving dialogue.</em></p>
<p><em>Do you dream of a world where your feelings</em></p>
<p><em>Bring life whatever they might be?</em></p>
<p><em>Where you can freely express them</em></p>
<p><em>Dive in and not regret them</em></p>
<p><em>Bring union to the world of you and me</em></p>
<p><em>Do you dream of a world where touching</em></p>
<p><em>Enriches, nurtures and soothes?</em></p>
<p><em>Where the people are willing</em></p>
<p><em>To say no to killing</em></p>
<p><em>And Arabs dance in peace with the Jews.</em></p>
<p><em>Do you dream of a world where the people</em></p>
<p><em>Are conscious of our shared humanity?</em></p>
<p><em>Where love without conditions</em></p>
<p><em>Shines through all of our actions</em></p>
<p><em>And living flows with joyful energy.</em></p>
<p><em>Do you dream the same dreams I dream</em></p>
<p><em>I wonder if we value the same things</em></p>
<p><em>I love the joy, I love the tenderness</em></p>
<p><em>Honesty and empathy bring.</em></p>
<p>Ich habe wunderbares Feedback darauf bekommen und weiss nun, dass ich nicht der einzige bin, der davon traeumt. Der Song ist von Marshall und ich habe zwei Strophen hinzugedichtet. Norman hat das Mikro gehalten und sagte nachher, es sei schwer gewesen, da ihm so die Traenen kamen, dass er am liebsten die Augen geschlossen haette, was aber bedeutet haette, dass er mir wahrscheinlich das Mikro in den Mund gestopft haette. Er meinte, ihm kaemen auch die Traenen wenn Marshall singt, aber dann ist es aus einem anderen Grund <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> Marshall hat wunderbar grumpy geguckt als er das hoerte <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_biggrin.gif' alt=':-D' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Ich freue mich darauf einige Leute im Laufe der Zeit zu besuchen. Heather und Neil wohnen in Vancouver, das heisst, noerdlich davon, wo man nur mit dem Boot hinkommt. Jason und L&#8217;aura wohnen in Auroville, an der Suedspitze von Indien. Bob wohnt in Washington, David Goliath in Denver zusammen mit David. Jan, Owen und Devi kommen aus Hawaii. Rachid kommt aus Malmoe. Anne, Minerva und Sophie kommen aus Montreal. Heather-Ann ist aus Minneapolis. Gosia ist aus Polen, Karin-Regina aus Oesterreich. Aleatsae und Oz kommen aus San Fransisco. Bei ihnen und vermutlich allen anderen auch, habe ich nun eine Couch <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Ich werde wahrscheinlich im Laufe der Zeit noch mehr Anekdoten erzaehlen.</p>
<p>Morgen Nacht nehme ich den Bus nach San Diego. Dort werde ich Akasha wiedersehen, die mit beim IIT war. Mit ihr fahre ich am Sonntag nach Santa Cruz. Vom 22. bis 27. Juni findet dort ein NVC FunFest statt, ein weiterer NVC-Retreat. Ich habe Platz dort und freue mich auf eine Menge weiterer Leute. Danach besuche ich Aleatsae in Oakland und am 30. Juni geht es wieder an die Ostkueste. Ich bin nicht das letzte Mal hier, sicher nicht.</p>
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		<title>IIT half-way</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jun 2008 07:21:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niklasbringtdieweltinordnung</dc:creator>
		
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		<category><![CDATA[Gewaltfreie Kommunikation]]></category>

		<category><![CDATA[Hoffnung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll: diese Erfahrung ist tief, heilend, erleichternd, inspirierend, berauschend, beaengstigend, bestaetigend und beruhigend. Ich bin jetzt seit Sonntag mit diesen Menschen zusammen und sehe eine andere Welt. Mein Notizbuch ist voll mit Dingen, die mich inspirieren, die mir aufgefallen sind, die ich aufregend finde und die ich tief [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll: diese Erfahrung ist tief, heilend, erleichternd, inspirierend, berauschend, beaengstigend, bestaetigend und beruhigend. Ich bin jetzt seit Sonntag mit diesen Menschen zusammen und sehe eine andere Welt. Mein Notizbuch ist voll mit Dingen, die mich inspirieren, die mir aufgefallen sind, die ich aufregend finde und die ich tief in meinem Herzen bewahren moechte. Wovon zur Hoelle rede ich hier?</p>
<p>Freitag-Nacht bin ich in Albuquerque, New Mexico gelandet. Ich habe bei Codie uebernachtet, eine Couchsurferin, die mich selbst so spaet noch abholte. Es war etwas unangenehm mit ihr, weil ich so gerne sie als Person wahrnehmen und hoeren wollte, was fuer sie los ist, was ihre Situation ist. Und ich wusste nicht, wie ich danach fragen sollte, bis wir Samstagabend was Essen waren. Ich sagte, mir kaemen die ganze Zeit Gedanken und Ideen von Themen, die sie interessieren koennten, aber ich traue mich nicht, es zu versuchen. Diese Offenheit half. Sie begann zu erzaehlen, dass sie einsam sei und sich so nach Freundschaft und Menschen sehne, die ihr nah seien. Sie kommt aus Kansas City und ist noch nicht lange in Albuquerque. Und dann hat sie einen Lover hier, mit dem sie sich aber nicht wohl fuehlt, weil sie sich Verlaesslichkeit wuenscht. Und er scheint sich nicht ganz sicher zu sein was er will, aendert seine Meinung ueber die Beziehung. Und dann fuehlt sie sich wirklich einsam und aengstlich. Ich habe ihr zugehoert und sie war sehr dankbar dafuer. Ich hatte auch echt keine Schwierigkeiten dazu Bezug zu finden, denn diese Situation kenne ich.</p>
<p>Am Sonntagabend begann das International Intensive Training in Gewaltfreier Kommunikation. Ich moechte nicht in Details gehen, sondern einfach aufschreiben, was mich bewegt.</p>
<p>Zum ersten mal finde ich eine Gruppe von Menschen, wo ich vollkommenes Vertrauen in mir spuere, dass zaehlt, wie es mir geht. Dass ich wie ich bin, so sein kann. Und mir ist bewusst, wie schwer es mir faellt mit Vertrauen zu empfangen, was andere mir geben. Ich habe so eine Angst davor, dahinter steckt nicht Liebe sondern die Forderung, dass ich was zurueckgeben muss, selbst wenn ich nicht will. Und das tut sehr weh. Das ist mir heute aufgegangen.</p>
<p>Ich bin so begeistert darueber, wie viele tiefe und leichte Unterhaltungen ich hier schon hatte. Wie leicht es geht, wirklich praesent zu sein und zu fuehlen, was in der anderen Person JETZT gerade vor sich geht. Ich fuehl mich hoffnungsvoll, bin geruehrt, bin interessiert, froh. Das hier gibt mir sehr viel Gelegenheit zu lernen, wie ich so leben kann, wie ich wirklich will. Wie ich so sein kann, dass es meine tiefsten Ueberzeugungen und Traeume widerspiegelt. Dass ich integer bin! Und ich moechte nichts mehr als das.</p>
<p>Mir ist aufgefallen, dass die Sicherheit, die ich hier spuere, daher kommt, dass die Spiritualitaet hinter der Gewaltfreien Kommunikation (GfK), das heisst die Antwort auf die Frage &#8220;Wie wollen wir wirklich leben?&#8221;, die Verbindung, die emotionale Naehe und Einfuehlung ueber alles andere stellt. Das heisst, waehrend in gewoehnlichen Konversationen irgendeine Art Wissen vermittelt wird, oder eine Geschichte geteilt wird und man sich dafuer unterhaelt, kommt es hier so oft vor, dass allein das zu teilen, was gerade los ist, schon so bereichernd ist, dass man vollauf zufrieden damit ist. Ich muss nichts damit tun. Ich kann einfach damit sein und es geniessen. Und ich weiss nicht, ob ich je etwas schoeneres erlebt habe als das. Fuer mich ist das Liebe in Praxis.</p>
<p>Was ich ganz besonders feiere ist, dass ich Marshall Rosenberg, den Entwickler der GfK, besser kennenlerne. Ich liebe seine Arbeit und bin sehr dankbar dafuer. Dennoch, wenn ich mit ihm einzeln spreche, fuehlte ich mich nervoes. Und ich wollte wissen wieso. Mir fiel auf, dass ich nie gehoert hatte, dass Marshall seine Verletzbarkeit und Menschlichkeit gezeigt haette, indem er teilt, was gerade in ihm vorgeht. Heute Morgen, beim &#8220;Remembering&#8221;, einer Session, bei der wir uns einfach daran erinnern, was uns heilig ist, was wir wirklich wollen im Leben, was unser Herz bewegt, habe ich geteilt, wie ich in einem Buchladen in Montreal ein Buch ueber Verschwoerungstheorien in der Hand hatte. Ein Kapitel bezog sich auf Holocaust-Leugner. Und als ich sah, was diese Leute meinten, dachte ich nur, wie ich wuenschte, dass sie Recht haetten. Traenen kamen hoch und ich sagte, wie tief mein Schmerz darueber ist, dass so viele Menschen in Nazi-Deutschland litten und starben.</p>
<p>Das brachte Marshall dazu, zu teilen, dass er eines Tages, 9 Jahre alt, von Mitschuelern verpruegelt nach Hause kam, weil er Jude war. Sein Onkel, der helfen wollte, meinte, dass er von Glueck reden kann, nicht in Deutschland zu sein, da er dort mit Sicherheit in einem Ofen gelandet waere. Das half nicht gerade. Marshall sagte dann mit gebrochener Stimme, wie gesegnet er sich fuehlt, lange in Deutschland gearbeitet und nie etwas anderes als Liebe empfangen zu haben.</p>
<p>Nach der Session sagte ich ihm, dass das genau das war, was ich mir gewuenscht hatte. Dass ich seine Menschlichkeit sehen will. Dass ich nervoes bin, wenn ich nicht weiss, was ihm gerade wichtig ist, weil es sich dann so anfuehlt als gaebe es keinen Raum fuer mich in seinem Leben. Und auch fuer niemand anderen beim IIT. Er war so dankbar dafuer. Er sagte, es fuehle sich so gut an, dass ich das wissen will, dass mich das interessiert. Und wir umarmten uns.</p>
<p>Danach kam es mir so vor, als sei er sehr viel leichter und er zeigte mehr und mehr von sich. Es hat mich sehr beruehrt und macht so viel mehr Spass ihn als Mensch denn als Meister zu sehen. Und er meinte auch, auf einem Podest zu stehen macht einfach keinen Spass.</p>
<p>Das ist nur eine von vielen Erfahrungen, die ich hier mache. Ich merke, wie viel leichter es mir faellt, empathisch zu sein, statt zu rechtfertigen oder Leute mit meinen Gedanken zu langweilen, wenn sie nicht mit meinem Herzen verbunden sind. Wie wir hier reden mag fuer viele etwas merkwuerdig klingen, aber es ist so schoen fuer mich, weil ich so sehr effizient und to-the-point sagen kann, was in mir lebt und gesagt werden will.</p>
<p>Ich habe die Hoffnung auf eine weltweilte Community von Leuten, die eine Menge Kraft und Leidenschaft fuer eine Welt haben, in welcher jeder Mensch zaehlt. Und zwar dafuer, dass er Mensch und lebendig ist. Mehr braucht es nicht. Ich sehe, wie Beziehungen hier an Kraft gewinnen durch die Tage und rechne damit, dass meine skype-Liste sehr viel laenger wird. Ich wuensche es mir.</p>
<p>Es bleiben noch vier Tage. Ich geniesse jede Stunde davon. Ich sende euch meine Praesenz, meine Kraft, meine Liebe und mein Mitgefuehl.</p>
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		<title>Unterwegs</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jun 2008 19:16:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wieder habe ich laenger nicht geschrieben als mir lieb ist. Also.
Meine letzten Erlebnisse haben vor allem damit zu tun, dass ich Couchsurfing.com fuer mich entdeckt habe. Das Prinzip ist einfach. Ich will an einen Ort reisen und suche auf dieser Seite nach Menschen, die mir ihre Couch als Schlafplatz anbieten. Umsonst. Ich biete meine eigene [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Wieder habe ich laenger nicht geschrieben als mir lieb ist. Also.</p>
<p>Meine letzten Erlebnisse haben vor allem damit zu tun, dass ich Couchsurfing.com fuer mich entdeckt habe. Das Prinzip ist einfach. Ich will an einen Ort reisen und suche auf dieser Seite nach Menschen, die mir ihre Couch als Schlafplatz anbieten. Umsonst. Ich biete meine eigene Couch an, wenn ich moechte und Kapazitaet dazu habe. Viele treffen sich auch gern auf einen Kaffee. Das hat viele Vorteile und das Potenzial fuer enorme Bereicherungen, wie man sich sicher vorstellen kann.</p>
<p>Zum ersten ist Couchsurfing eine Gemeinschaft. Sie gibt den Rahmen, der einem erlaubt, offen nach Kontakt zu fragen. Ich habe in einem frueheren Beitrag darueber geschrieben, dass meine Zimmersuche mir erlaubt hat, einfach Leute zu treffen, wo ich sonst eher Hemmungen habe. Den gleichen Rahmen, den ich da hatte, bietet Couchsurfing, nur mit dem Vorteil, dass man ehrlich nach Kontakt und Austausch sucht, statt einem Zimmer, was man dann doch nicht nimmt. Von daher finde ich dabei mitunter ein Vertrauen und eine Selbstverstaendlichkeit, die fuer Leute, die sich zum ersten Mal treffen, verdammt phaenomenal ist. Zum zweiten erlaubt Couchsurfing fuer wenig Geld so zu reisen, dass man persoenliche Eindruecke sammelt. Ich nehme am Leben teil. Und ich zahle nicht mal dafuer. Es ist so viel Win-Win, wie man nur haben kann.</p>
<p>Meine erste Couchsurfing-Erfahrung hatte ich im Mai in Ottawa. Ich habe dort Damita getroffen, einen Sri Lanker, der auf einer Farm, 30 Minuten von Ottawa Bio-Gemuese anbaut. Er praktiziert Gewaltfreie Kommunikation und bot damit direkt einen Common Ground fuer mich, was sehr angenehm war. Er hat mich mit seinem VW, der alt ist, aber einfach nicht kaputt gehen will, abgeholt und wir haben mit einer Freundin von ihm die Tulpen in Ottawa bestaunt. Damita brachte mir bei, dass man Blumen essen kann. Tulpen schmecken leicht suesslich. Sehr interessant. Er zeigte mir einige Teile von Ottawa, das Parlament, die Innenstadt, bis wir dann zu seiner Farm fuhren. Er erzaehlte mir, er arbeite drei Tage die Woche fuer eine IT-Firma und das sei zu viel. Es bedeute ihm nichts und er brauche das Geld nicht dringend. Ich bin beeindruckt ob seiner Freiheit.</p>
<p>Seine Wohnung auf der Farm hat er selbst gebaut. Es ist ein Obergeschoss einer Scheune, ein wenig wie ein Loft. Mit ihm war es sehr gemuetlich, wir haben lecker gegessen und das Bett war angenehm gross. Eine seiner Katzen kam zu mir und kuschelte mit mir&#8230; mmmmh. Damita lebt auf der Farm mit Rick und dessen Neffen Doug. Ich hatte mit Rick eine lange und tiefe Unterhaltung. Es ging um unsere Weltanschauungen, darueber, wonach wir uns in der Gesellschaft sehnen, was uns fehlt, was wir gerne saehen. Er traut der momentanen Gesellschaftsordnung ueberhaupt nicht und moechte ganz unabhaengig sein. Ihm kommen ganz viele Leute einfach tot vor. Als ich nachfragte, was das genau fuer ihn hiesse, sagte er, er wuenschte sich einfach, die Leute wuerden wirklich ueber das reden, was sie erleben. Sie wuerden teilen, womit sie unzufrieden sind und was sie wollen, statt einfach nur konform mit der Masse mitzugehen. Ich war sehr froh und geruehrt das zu hoeren. Das moechte ich auch. Ich konnte Rick spaeter davon ueberzeugen, dass ich keine Feinde sehe in diesem Spiel. Ich sehe Individuen und Gangs, die eine sehr eingeschraenkte Perspektive haben und dass das schreckliche Konsequenzen haben kann. Aber niemand tut das, weil er daran interessiert waere, dass andere leiden, nur des Leidens willen. Es ist die beste Option die von dem Standpunkt aus verfuegbar ist. Und das einzige was da hilft ist Einfuehlung und Information. Was besseres sehe ich einfach nicht.</p>
<p>Rick war sehr beeindruckt und dankbar. Wenn ich jetzt daran denke, merke ich, wie viel die Unterhaltung auch mir gegeben hat. Ich habe mich als sehr machtvoll und mit viel Hoffnung und Energie erlebt. Ich habe ihn richtig verstanden und gleichzeitig voll vertreten, was ich fuer richtig halte. Er schenkte mir &#8220;Der Prophet&#8221; von Khalil Gibran. Und die Visitenkarte, auf welcher er mir seine Email-Adresse notiert hat, sagt &#8220;No need to be alone.&#8221; Das beruehrt mich auch jetzt noch.</p>
<p>Mit Damita habe ich auch ueber ein paar Dilemmata in der Gewaltfreien Kommunikation gesprochen. Wie schwierig es sein kann, den Schritt zu wagen und ehrlich darueber zu sein, was einen beschaeftigt und was einen am Herzen liegt. Wie vage viele Anliegen erstmal sind und was es an Konzentration und Uebung kostet, konkret zu werden. Und welche Herausforderung es ist, das unter die Leute zu bringen, in einer Uebungsgruppe zu ueben. Er sagte mir aber, dass er froh sei, mit mir darueber gesprochen zu haben. Ich sei ihm ein Beispiel und eine Inspiration. So soll es sein.</p>
<p>Nach Ottawa war ich in Toronto. Dort habe ich bei Lucy uebernachtet. Zu ihr habe ich weitaus weniger Verbindung gehabt, als ich gerne gehabt haette. Sie war muede und etwas krank, so dass das sicher dazu kam. Darueber hinaus schien sie mir nicht so sicher, was sie wirklich wollte, wo es hingeht und ob das alles so okay ist. Sie studiert Celtic Studies und Political Science als Nebenfach. Letzteres waere dann ihre Karriere. Sie kommt aus Russland, ist juedisch und zeigte mir ein Buch, was sie spannend und sehr witzig fand: &#8220;Shut up, I&#8217;m talking&#8221; Und junger Mann wird per Zufall Redenschreiber fuer den israelische Regierung. Lucy wuerde das auch gerne tun.</p>
<p>Toronto ist im Vergleich zu Montreal etwa wie Duesseldorf zu Koeln. Steriler, kuehler, mehr Business. Ich bin an dem einen Abend mit schwulen Freunden von Lucy in der Gayborhood gewesen. Es war witzig, wurde dann aber aufgrund der Oberflaechlichkeit der Themen langweilig. Das bedauere ich ein wenig. Ansonsten war es ganz gut, Toronto gesehen zu haben. Und ich habe wieder einige Buecher gekauft. Als ich wieder in Montreal war, hab ich gemerkt, wie der Kontrast mir half, Montreal noch lieber zu moegen. Ich glaub das ist es auch wert.</p>
<p>Am 30. Mai bin ich von Montreal nach White River Junction zu Ulrike gefahren. Ich habe dort das Wochenende verbracht. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Holz gehackt. Es ging sehr gut. Viele Prinzipien der Achtsamkeit sind dafuer wichtig. Vertrauen in das Gewicht der Axt, zielen mit dem Geist, nicht mit den Muskeln und ein entspanntes Verhaeltnis zu Fehlschlaegen. Verletzt habe ich mich nicht, mir ist nur einmal ein Holzklotzt, der noch in der Axt steckte, auf&#8217;s Knie gefallen. Ulrike war erschrockener als ich und dabei ist mir etwas interessantes aufgefallen. Ihr Schreck hat in mir ausgeloest, dass mir ein bisschen schlecht wurde. Die von euch, die mich kennen wissen, dass ich Muehe damit habe, Blut zu sehen. Und ich habe mir schon oft darueber Gedanken gemacht, woher das kommt. Es hat wohl mit der Angst vor dem Tod zu tun, damit, dass alles zuende sein koennte und ich fuer immer einsam bin, oder so aehnlich. Die Angst habe ich aber gelernt. Und ich glaube es hat mit dem Schreck meiner Eltern zu tun, wenn ich mir weh getan habe. Dann hatte ich mehr Angst vor ihrem Schreck, und was der heissen koennte, als vor meiner Verletzung. Das zu entschluesseln hilft mir sehr, da ruhig und bestimmt zu bleiben. Jedenfalls war der Aufenthalt bei Ulrike und Ria schoen.</p>
<p>Die naechste Etappe war Adriane in Williamstown. Dort bin ich drei Tage geblieben. Adriane hat einen Sohn, Andrew, fast 40, den man als depressiv oder psychotisch diagnostiziert hat. Ich halte nichts von diesen Diagnosen. Sie zeugen viel mehr vom Unverstaendniss der Psychiater als dass sie irgendwie hilfreich dafuer waeren, das Leben der Betreffenden zu verbessern. Ich sehe ein, dass die Diagnose fuer Ruecksicht und Unterstuetzung sorgen kann, aber oft genug blockiert sie jedes Verstaendnis fuer den Menschen und trennt daher eher.</p>
<p>Ich habe mit Andrew darueber geredet und es war ganz schoen zu sehen, wie er sich ueber diese Perspektive gefreut hat. Er hat recht haeufig gelaechelt und mir gesagt, dass er es so schwierig findet, sich zu konzentrieren, wenn er sich ueber so vieles Sorgen macht. Ob er je gluecklich sein kann, ob er eine Beziehung haben kann, ob er unabhaengig leben kann. Ich habe, so gut ich konnte, fuer eine neue Perspektive gesorgt und er meinte, dass das &#8220;kinda cool&#8221; waere. Ich habe eine Menge Frust mit der Psychiatrie. Ich unterstelle keine boesen Absichten, aber das Resultat ist oft genug immer noch katastrophal im Vergleich dazu, was ich fuer moeglich halte. Und das groesste Problem mit genannten Diagnosen ist, dass man so die Hoffnung verliert, die Person als Mensch verstehen zu koennen. Ich meine, wer meint schon, sich in einen Schizophrenen hineinversetzen zu koennen? Schliesslich klingt das so fremd wie nur etwas fremd sein kann. Und doch hat diese Person genau die gleichen Gefuehle und Beduerfnisse wie ich. Die Gedanken moegen anders sein, aber sie bedeuten dasselbe. Und wenn das klar waere, waeren Psychopharmaka auch wesentlich weniger populaer, denn sie toeten das Gefuehl ab und damit auch, was es bedeutet.</p>
<p>In New York City kam ich Mittwoch Mittag an, ohne einen Schlafplatz zu haben. Ich wusste durch Niki von einem Hostel, welches ich dann auch gleich aufgesucht habe. Es war voll, aber der Typ an der Rezeption, der Niki und Cathrine kannte, half mir weiter. Ich kam zum Chelsea Center Hostel an der 29th Street, 8th Avenue. Heidi und Carina traf ich an der Rezeption, zwei Deutsche. Heidi leitet das Hostel, Carina faengt gerade an einer Tanzschule in NYC an. Das war sehr witzig und ich bin dann da geblieben. Heidi war sehr interessiert an Couchsurfing und all den anderen Dingen, die ich so mache. Sie bedauerte, dass ich so wenig Zeit hatte, da sie gern mit mir einen Kaffee getrunken haette um ueber Gewaltfreie Kommunikation und aehnliches zu reden. Sie lud mich ein, wieder zu kommen, vielleicht sogar fuer sie zu arbeiten und so in NYC &#8220;umsonst&#8221; wohnen zu koennen.</p>
<p>Obwohl ich keine Unterkunft bei ihnen hatte, hab ich mich mit zwei Couchsurfern getroffen. Zunaechst mit Joseph, 51, einem Professor fuer Buddhismus und vergleichende Religionswissenschaften. Er spricht Italienisch, Franzoesisch, Deutsch, Spanisch und liest Hebraeisch, Latein, Griechisch, Sanskrit, Pali und ein wenig Arabisch. Wir hatten eine spannende Unterhaltung. Er liebt was er macht und das hab ich gemerkt. Sehr erfrischend. Er gab mir mein ausgedrucktes Couchsurfing-Profil, auf dem er lauter Notizen gemacht hatte. Schoen zu sehen, wie jemand sich so fuer mich interessiert. Er nannte mich &#8220;The man in the middle.&#8221; Nach dem Mittagessen zeigte er mir noch sein Apartment. Sehr Zen. Wunderbar. Papierwaende zum verschieben, ein kleiner Springbrunnen, simpler Stil. Ein kleines Zimmer fuer Zazen mit nichts ausser einer Kaligraphie und einer Matte. Ich schenkte ihm meine MP3-Sammlung mit Alan Watts, Rosenberg, Wilber und anderen. Er war begeistert. Naechsten Monat unterrichtet er in Lugano einen Kurs namens &#8220;Buddhism and Globalization.&#8221; Sehr spannend. Ich moechte ihn gerne dort besuchen.</p>
<p>Spaeter am selben Tag traf ich Steve. Er ist 55 und setzt sich fuer eine Bewegung namens &#8220;Aesthetic Realism&#8221; ein. Der Name sagte mir erstmal nichts, aber er gab just an dem Tag ein Seminar, zu welchem er mich einlud. Es geht darum, andere aesthetisch, das heisst, in ihrer Schoenheit zu sehen. Zu bemerken, dass hinter allen Gegensaetzen eine Einheit ist. Eine Frage, die ich daraus mitnehme ist: Was steht dieser Person zu, allein dafuer, dass sie lebendig ist? Das ist die Pforte zur Bedingungslosen Liebe. Denn wenn ich andere so sehe, vor wem haette ich dann Angst, wen wuerde ich dann nicht in mein Herz lassen koennen? Das finde ich sehr machtvoll.</p>
<p>Nach dem Seminar sind Steve und einige Teilnehmer mit mir in ein Restaurant gegangen. Steve sagte, haette er gewusst, wir wuerden uns so gut verstehen, er haette mich auf seine Couch eingeladen. Er moechte in jedem Fall in Kontakt bleiben und weiter diskutieren. Ich wies auf ein paar diskussionswuerdige Punkte im Aesthetic Realism hin, die er sehr interessant fand. Darunter war, dass er von einer Unterscheidung eines guten und eines boesen Teils in sich selbst ausging: guter Wille und Verachtung. Waehrend es dem guten Willen nur darum geht, zum Leben, zur Staerke und zum Bewusstsein anderer beizutragen, sorgt die Verachtung dafuer, dass man sich anderen ueberlegen fuehlen, beweisen will, dass man etwas besseres ist. Und ihm hilft das, denn so kann er identifizieren, wann er von einer Haltung ausgeht, die ihm langfristig nur Probleme bringen wird. Ich hakte allerdings ein, dass ich Verachtung nicht fuer den Ursprung dieser Dynamik halte, die zweifelsohne da ist. Stattdessen glaube ich, dass es der Glaubenssatz ist, dass nicht fuer alle Menschen so gesorgt werden kann, dass jeder gluecklich und erfuellt ist. Unter dieser Annahme ist es wichtig, anderen etwas voraus zu haben, damit die eigenen Beduerfnisse ueberhaupt zaehlen und dran kommen. Wem wuerde es da nicht so gehen? Die besagte Annahme ist allerdings eine Schlussfolgerung aus Erfahrungen, in denen von Beduerfnissen gar keine Rede war, sondern nur die jeweiligen Strategien zur ihrer Erfuellung, ohne Bewusstsein fuer ihren eigentlichen Zweck. Die Erfahrungen mit der Gewaltfreien Kommunikation haben bei mir jedenfalls mit der theoretischen Annahme aufgeraeumt, dass manche Konflikte unloesbar sind. Und das heisst, dass ich keine Ueberlegenheit brauche, um beachtet zu werden. Ich werde mit Steve wohl noch etwas laenger darueber reden.</p>
<p>Das war am Donnerstag. Am Freitag besuchte ich die Vereinten Nationen. Mir geht&#8217;s ganz gemischt damit. Einerseits ist die Vision dieser Organisation wunderschoen und ich wuerde sehr gerne dazu beitragen, andererseits kommen mir die praktischen Schwierigkeiten, diplomatischen Umwege, unproduktiven Debatten und unilateralen Interessen einiger Mitglieder ueberwaeltigend vor. Ich habe eine Guided Tour mitgemacht, war in den grossen Konferenz-Raeumen (die allesamt von skandinavischen Laendern gestiftet wurden, der Security-Council z.B. von Norwegen) und habe auf der Tour mit einem John aus Oregon gequatscht, der so genau wie Al Gore aussieht, dass ich es kaum fassen konnte. Ich war der zweite an dem Tag, der ihn darauf ansprach <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> Mal sehen, wann ich das Gebaeude wieder betrete und in welcher Funktion.</p>
<p>Danach bin ich nochmal zu Steve, der mich und zwei andere Couchsurfer (Valentin aus Linz, Oesterreich und DJ aus Texas) durch Greenwich Village gefuehrt hat. Sehr schoen ruhig und gemuetlich. Wir haben erfahren, dass SoHo fuer &#8220;south of Houston&#8221; steht (sprich: hausten). NoHo steht also fuer North of Houston. Wir waren noch in einem wunderbaren Markt mit sehr leckerem Brot, Eis, Chips, Bio-Laeden und dergleichen. Das war alles sehr fancy und ich hab genossen, diese Seite von New York zu sehen. Danach bin ich zur Penn&#8217;s Station gefahren, von der aus mein Zug nach Newark fuhr. Von dort aus ging&#8217;s nach Albuquerque, New Mexico, wovon ich im naechsten Eintrag erzaehlen will.</p>
<p>Noch eine Beobachtung zu Amerika. Als ich mit dem Bus durch Vermont und Massachusetts fuhr, fragte ich mich, warum ich mir diese Berge dort nicht als Voralpen vorstellen koennte. Ich fragte mich das, weil ich mich irgendwie fremd fuehlte und nicht recht wusste wieso. Also ging ich dem nach. Und mir ging auf, dass ich in den Voralpen kleine Doerfer finden wuerde, in denen die Haeuser recht nah beieinander stuenden. Not so in America. Jedes Haus ist mindestens 20 Meter vom naechsten entfernt und um sich zu bewegen und zu treffen, ist man generell auf&#8217;s Auto angewiesen. In mir loest das ein angespanntes Gefuehl von Einsamkeit, Abgetrenntheit und Unbehagen aus. Ich mache mir Sorgen um die Beziehungen der Leute, ob sie wirklich sowas wie Gemeinschaft und (freiwillige) Zugehoerigkeit haben. Zwar sehe ich den Aspekt der Freiheit, seinen Raum so zu gestalten wie man moechte, aber wenn darunter die Verbundenheit leidet weiss ich nicht, was man dann noch von dieser Freiheit hat. Das zu identifizieren hat mich sehr erleichtert und ein dickes Feindbild von den Amerikanern zum Schmelzen gebracht: Dass sie auf Naehe und Gemeinschaft pfeifen. Tun sie nicht. Ich habe mit mehreren darueber gesprochen und sie alle haben bestaetigt, was ich beobachte und in Bezug darauf fuehle. Sind also doch Menschen&#8230; <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /></p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/39/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com&blog=2366179&post=39&subd=niklasbringtdieweltinordnung&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Geld</title>
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		<pubDate>Thu, 08 May 2008 06:14:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niklasbringtdieweltinordnung</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Ich hab im letzten Artikel Lyndon LaRouche erwähnt und möchte nun noch etwas zur Geldpolitik schreiben, mit Gedanken, die ich zum Großteil auch aus Alan Watts&#8217; &#8220;Does it matter?&#8221; entnommen habe.
Lyndon Larouche beschäftigt sich ja wie gesagt mit Wirschaftspolitik und kämpft dafür, dass das jetzige monetäre System, welches (vor allem in den USA) fast nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Ich hab im letzten Artikel Lyndon LaRouche erwähnt und möchte nun noch etwas zur Geldpolitik schreiben, mit Gedanken, die ich zum Großteil auch aus Alan Watts&#8217; &#8220;Does it matter?&#8221; entnommen habe.</p>
<p>Lyndon Larouche beschäftigt sich ja wie gesagt mit Wirschaftspolitik und kämpft dafür, dass das jetzige monetäre System, welches (vor allem in den USA) fast nur noch auf Spekulation basiert, durch eines ersetzt wird, welches stabil ist und wirklich dem Reichtum entspricht der da ist. Geld ist nämlich eigentlich in der gleichen Kategorie wie Zentimeter oder km/h. Es ist eine Maßeinheit für Reichtum. Und wenn man sagt &#8220;Wir sind arm, kein Geld mehr da!&#8221; ist das ungefähr so, wie wenn ich zur Baustelle komme und der Chef mir sagt &#8220;Sorry, keine Arbeit heute. Wir haben keine Zentimeter mehr.&#8221; &#8220;Hä?!? Wir haben doch alle Rohstoffe, da, Zement, Metal, Holz, die Maschinen, sogar Maßbänder!&#8221; &#8220;Tja, verstehst halt nicht, wie das Geschäft läuft. Uns sind die Zentimeter ausgegangen.&#8221; So absurd das klingt, aber genauso läuft es mit Geld auch.<br />
Ein anderes amüsantes Beispiel ist, dass du, wenn du eine Erzmine findest und das Erz schürfst auch keine &#8220;tausend Tonnen&#8221; beantragen musst, um dem Erz ein Gewicht zu geben. Und so ist es auch mit Reichtum. Der kommt vollkommen ohne Geld aus.<br />
Eine Gesellschaft, der das klar ist, würde nie darauf kommen, eine Wirtschaft auf Spekulation laufen zu lassen. Was für ein Blödsinn ist das auch! Man spekuliert, dass man auf einmal mehr Zentimeter hat als vorher und kann dann Zentimeter verlieren. Und nicht Zentimeter von irgendwas, sondern wirklich nur die abstrakte Maßeinheit.</p>
<p>Natürlich steckt dahinter die Verabredung, dass jeder nur so viel Zentimeter bauen kann, wie er zugeteilt bekommt, damit jeder was zu tun bekommt. Das ist also eine soziale Institution, ein &#8220;agreement&#8221;. Aber das ist nur sinnvoll, so lange man als Gesellschaft nicht so viel hat, wie man eigentlich braucht. Hat man mehr, wird das System unnötig und man kann bauen nach Lust und Laune. Die Arbeitslosigkeit ist ein künstliches Problem, welches auch aus der Verwechslung von Reichtum und Geld hervorgeht. Ist doch toll, wenn wir nicht mehr so viel arbeiten müssen und Maschinen haben, die den Job übernehmen. Mehr Freizeit! Das heißt Zeit für Spiel, für Kreativität, für Entdeckungen und Entwicklungen, für all die Dinge, die wir nicht machen, weil wir damit nicht genug Geld verdienen, die uns aber wirklich am Herzen liegen.</p>
<p>Für genauso blödsinnig halte ich die Bezeichnung &#8220;Staatsschulden&#8221; für das Geld, was der Staat generiert um seine Ausgaben zu decken. Der Staat kann das, denn von ihm geht überhaupt aus, dass es Geld gibt, er definiert die Norm. Und er wird davon so viel schaffen, wie gebraucht wird. Inflation ist auch nur ein Problem, so lange wir denken, dass unser Reichtum schwindet, wenn das Geld weniger wert wird. Das ist aber nicht so. Es ist absolut egal für die Rohstoffe, die Expertise, die Geräte und Nahrungsmittel, wie viel Geld da ist oder nicht. Sie bleiben genauso nutzbar wie vorher.</p>
<p>Eine Alternative könnte sein, dass alles Geld abgeschafft wird und jeder eine Kreditkarte mit Grundeinkommen bekommt. Wer möchte kann darüber hinaus mehr verdienen in der speziellen Art und Weise, die er wählt. Es ist aber nicht notwendig. Jeder bekommt genug zu essen, Kleidung, Behausung, Computer, Dinge die notwendig sind um seiner Vision, seiner Berufung zu folgen. Soweit ich weiß, gibt es einige Ideen zu alternativen Geldsystemen. Kennt ihr noch welche?</p>
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		<title>Lyndon LaRouche und Stufen der Entwicklung</title>
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		<pubDate>Tue, 06 May 2008 09:03:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niklasbringtdieweltinordnung</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

		<category><![CDATA[Axiome]]></category>

		<category><![CDATA[Empathie]]></category>

		<category><![CDATA[Entwicklung]]></category>

		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>

		<category><![CDATA[Lyndon LaRouche]]></category>

		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Da das ein langer Beitrag ist, mache ich eine Zusammenfassung dessen, was hier steht:
- Lyndon LaRouche und seine Absicht wie ich sie verstehe
- Das Menschenbild hinter dem Großteil heutiger Politik
- Stufen der Enwicklung
- Entwicklungsfördernde und -hemmende Faktoren
- Was zu tun wäre
Ich war heute mal wieder bei einem Treffen der Lyndon LaRouche Youth Movement, einer politischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Da das ein langer Beitrag ist, mache ich eine Zusammenfassung dessen, was hier steht:</p>
<p>- Lyndon LaRouche und seine Absicht wie ich sie verstehe</p>
<p>- Das Menschenbild hinter dem Großteil heutiger Politik</p>
<p>- Stufen der Enwicklung</p>
<p>- Entwicklungsfördernde und -hemmende Faktoren</p>
<p>- Was zu tun wäre</p>
<p>Ich war heute mal wieder bei einem Treffen der Lyndon LaRouche Youth Movement, einer politischen Bewegung, die sich darum bemüht, eine menschenfreundlichere und förderlichere Politik zu verbreiten. Ich treffe einige Leute da, die ziemlich viel wissen und eine Menge lesen, mein Schlag also. Ich bin über Lindas Neffen Matthew daran gekommen, mit dem ich ziemlich schnell einen Rapport hatte, so dass es Spaß macht, das weiterzuverfolgen. Mit den Leuten gibt&#8217;s dann Diskussionen zu Prinzipien, denen zufolge einige Leute Politik machen und was für (teils dramatische) Konsequenzen das hat.</p>
<p>LaRouche selbst beschäftigt sich vor allem mit Wirtschaftspolitik und hatte, als er jung war, mit Lehrern zu tun, die ein ziemlich rigides Verständnis von dem Stoff hatten, den sie vermittelten. Er berichtet in einem Artikel, den wir heute gelesen haben, wie er selbst sein eigenes Verständnis von Geometrie entwickelte, anhand des Beispiels von Schiffen im Hafen, wo ihn das Verhältnis zwischen Stärke und Masse des Materials, aus dem sie gebaut sind, faszinierte. Als er später in der Schule herausgefordert wurde, eine Definition von Geometrie zu geben, nannte er sein Beispiel - welches strikt zurückgewiesen wurde (&#8221;Nein, das stimmt nicht - die richtige Definition ist&#8230;&#8221;). Von da an zweifelte er an dem, was konventionell an ihn heran getragen wurde und suchte selbst nach den Leuten, die seiner Ansicht nach wirklich etwas verstanden hatten, wirklich an die Kernannahmen einer Position herankamen. Er studierte sie und entwickelte so eine eigene Theorie zur Ökonomie, mit der er offenbar Vorhersagen machen konnte, zu denen sonst niemand gekommen war. Unter den Philosophen und Wissenschaftlern die er studierte finden sich Plato, Johannes Kepler, Gottfried Leibniz, Friedrich Schiller, William Shakespeare, Carl Gauss. Er produziert jede Woche eine Ausgabe seines Magazins EIR (Executive Intelligence Review) und scheint im Akkord Artikel zu schreiben. Er ist 86 Jahre alt und nutzt seine Zeit so gut er kann.</p>
<p>Mir scheint LaRouche hat bist heute Ärger und Frust in sich, was diese Situation in der Schule angeht (wird wahrscheinlich nicht die einzige gewesen sein). Alles was er schreibt und sagt hat etwas von &#8220;Ihr Idioten, ich beweis euch, dass ich es besser weiß!&#8221; Das hat mich anfangs auch eher abgeschreckt. Aber was er zu meinen scheint, finde ich eigentlich schön: Es geht ihm darum, dass man selbst anfängt zu denken, seiner Kreativität und seinem eigenen Verständnis, seiner Neugierde traut und sich nicht von den Konventionen eines &#8220;So ist es eben!&#8221; blenden lässt. Und er möchte, wie ich ihn verstehe, zu einer Gesellschaft beitragen, in der das die übliche Art und Weise ist, mit sich, mit anderen und der Welt in Verbindung zu sein.<br />
Dem gegenüber stellt er das philosophische Konzept des Imperialismus und deren Ausprägung, die oligarchischen Strukturen, die sich bis heute in der Politik vieler Ländern finden lassen - vor allem derer, die zuvor Kolonialherren waren, wie die Briten, Franzosen und Spanier. Gerade Groß-Britannien hat LaRouche auf dem Kieker. Und auch wenn ich wirklich Mühe hab mit den Feindbildern, die er immer wieder verwendet (ganz einfach weil ich meine, dass Feindbilder genau das Problem verschlimmern, um das er sich Sorgen macht), bin ich bereit mir anzuhören, was er da sagen will.</p>
<p>LaRouche identifiziert eine politische Philosophie, die sehr alt ist, aber immer wieder die gleichen Prämissen hat: es gibt eine Elite, die weiß was das beste für &#8220;alle&#8221; ist und die demnach an der Macht bleiben muss. Das Bild, welches diese Elite vom Menschen hat, ist absolut bestimmt von Misstrauen und Angst. Der Mensch wird dargestellt als böse, selbstsüchtig und an nichts anderem interessiert als seinem kurzfristigen Profit, egal ob und wie viel andere dafür zahlen. Klingt sicher nicht neu. Thomas Hobbes hat es so gesehen, Niccolo Machiavelli und unzählige andere, die mir nicht einfallen wollen, weil ich diese Philosophie so scheußlich finde. Ich meine, sie hat ja ihren Ursprung. Es gibt Situationen und Umstände, unter denen Menschen sich so verhalten, dass man zu diesen Interpretationen kommen kann. Bloß das Dumme ist, dass man unter der Annahme, dass dies dem Menschen eine innere Eigenschaft ist, genau die Umstände erhält, unter denen man sich so verhalten wird: Knappheit an Ressourcen, an emotionaler Zuwendung, an empathischem und liebevollem Kontakt. Ohne das ist es kaum möglich über diese egozentrische Perspektive hinauszuwachsen. Und so erhält diese Elite genau den Typus Mensch, der ihre Existenzberechtigung darstellt. Eine Entwicklung darüber hinaus wird qua sozialer Struktur und Kultur sehr erschwert (was nicht heißt, dass es unmöglich ist, aber es wird eben nicht unterstützt, da das &#8220;center of gravity&#8221; der Gesamtkultur einen &#8220;nach unten zieht&#8221;).</p>
<p>Wenn Ken Wilber das Konzept der Entwicklung erklärt, nimmt er sehr oft die moralische Entwicklung auf der Skala egozentrisch - ethnozentrisch - weltzentrisch als Beispiel. Ich habe schon öfter gesagt (und gerade die, die mich kennen, werden das nicht zum ersten Mal hören), dass ich in allem was ich tue, von der Prämisse ausgehen möchte, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse haben. Das heißt, Leid ist universell. Jeder von uns leidet, wenn seine Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Jeder von uns fühlt sich erleichtert, erfüllt, lebensfroh, wenn seine Bedürfnisse erfüllt sind. Allein das Bewusstsein davon, dass du genauso leidest wie ich, schafft Mitgefühl und Fürsorge, eine Öffnung, durch die wir uns spüren und verbinden können.</p>
<p>Dass ich sage, dass alle die gleichen Bedürfnisse haben, bedeutet aber nicht, dass sich jeder dessen gleich bewusst ist! Für dieses Bewusstsein bedarf es einer kognitiven Entwicklung, das heißt, man muss lernen, andere Perspektiven einzunehmen, als die eigene. Erst wenn ich deine Perspektive einnehmen kann, wenn ich mir gedanklich (was &#8220;kognitiv&#8221; bedeutet) vorstellen kann, wie die Welt von deiner Seite aus aussieht, kann ich auch dein Leid nachempfinden. Kognitive Entwicklung ist also notwendig, aber nicht ausreichend für moralische Entwicklung. Denn es gibt sicher Leute, die für Taktik und ihren eigenen Vorteil ihre Fähigkeit nutzen können, sich in andere hineinzuversetzen und ihre Schachzüge vorherzusehen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ihnen bewusst ist, dass diese anderen ebenso leiden, wie sie selbst, und sich nach der Erfüllung der gleichen Bedürfnisse sehnen, wie sie selbst.</p>
<p>Der Begriff egozentrisch ist wohl fast so geläufig, dass ich ihn vermutlich nicht erläutern muss. Ich mach es trotzdem mal: Nur die eigenen Bedürfnisse und die eigene Perspektive, die eigenen Bewertungen aus dieser Perspektive entsprechen der Wirklichkeit. Jemand auf dieser Stufe wird sagen &#8220;Ich habe Recht, weil es nun mal so ist. Du bist einfach ein Idiot!&#8221; Auf der Stufe ist es unmöglich, die eigene Perspektive zu relativieren, da es keinen Bezugspunkt außerhalb der eigenen Interpretation gibt. Und so fällt es z.B. auch schwer die Interpretation und die Beobachtung, auf der sie basiert ist, auseinander zu halten. Man hält seine Gedanken und Vorurteile für wahr.</p>
<p>Ethnozentrisch nimmt den Bezugspunkt der Gruppe hinzu, in der man lebt. Jetzt ist nicht mehr nur wichtig, was ich denke, erlebe, fühle und brauche, sondern, was die Gruppe denkt, erlebt, fühlt und braucht. Wie das Individuum das aufnimmt ist natürlich auch sehr abhängig davon, wie das alles kommuniziert wird. Welche Annahmen, Ideen und Vorstellungen schon in der Sprache impliziert sind - ich denke da an Konzepte wie Verantwortung, Pflicht, Arten wie man andere beeinflusst. An der Stelle wird auch die soziale Struktur wichtig, das heißt, wie Familien definiert sind, wie Schulen funktionieren, welche Institutionen den Menschen dabei helfen, ihr Leben zu organisieren und zusammen zu kommen - und ob sie das überhaupt tun. Eine Gruppe ist immer auch dadurch definiert, dass sie sich von anderen Gruppen unterscheidet. Das heißt an der Stelle können Feindbildern Verbindung schaffen, da man so dein Eindruck hat, in der gleichen Wirklichkeit zu leben, nicht alleine zu sein. Es sind also Bewertungen, die man teilt, was Zugehörigkeit schafft. Ein krasses Beispiel dafür, welche Konsequenzen das haben kann, ist der KZ-Wärter, der tagsüber die Gefangenen schlägt und in die Gaskammern schickt und abends seiner Tochter liebevoll ein Schlaflied singt. Der Nationalsozialismus ist beispielhaft dafür, welchen Preis die ethnozentrische Haltung haben kann. Laut Ken Wilber befinden sich heute etwa 70% der Weltbevölkerung auf ethnozentrisch oder niedriger&#8230; das heißt, würde man den Leuten entsprechende Fragen stellen, gäben sie Antworten, die nur die Bedürfnisse und Interpretation von sich selbst und der eigenen Gruppe miteinbeziehen würde.</p>
<p>Irgendwann &#8220;passt&#8221; das gruppenzentrierte Bewusstsein aber nicht mehr, gerade wenn man die Menschen aus anderen Gruppen besser kennenlernt und feststellt, dass auch sie nicht so anders sind, wie man vorher geglaubt hatte und dass sich hinter den Feindbildern Menschen verbergen, die genauso verletzlich sind, wie man selbst. Die weltzentrische Perspektive schließt von daher alle Menschen mit ein und geht von einer Basis der menschlichen Erfahrung aus, die sich überall wiederfindet. Die universellen Menschenrechte sind z.B. eine Konsequenz aus dieser Entwicklung, was im Übrigen &#8220;erklärt&#8221;, warum es so schwer ist, sie überall durchzusetzen. Wenn 70% der Weltbevölkerung gar nicht glaubt, dass es universell menschliche Qualitäten gibt, dass alle Menschen genauso leiden, wie man selbst, warum sollte man sich dann darauf einigen?</p>
<p>Entwicklung ist Veränderung mit einer Richtung, die unumkehrbar ist. Niemand, der zu einem Zeitpunkt ein Statement gegeben hat, das ethnozentrisch einzuordnen ist, wird nach einer Veränderung eine Antwort geben, die man egozentrisch interpretieren kann, sondern nur eine, die von weltzentrischem Bewusstsein zeugt. Was man in dieser Hinsicht einmal gelernt hat, verliert man nicht mehr, es sei denn unter sehr bedrohlichen Umständen.</p>
<p>Meine These ist, dass das Menschenbild, welches Teil des Imperialismus ist, den LaRouche ersetzen möchte, ein auf einer Entwicklungsstufe eingefrorenes ist. Entweder ego- oder ethnozentrisch. Und wir haben genug Leute in der Politik und anderen einflussreichen Positionen, die genau so ein Weltbild haben, so dass die von ihnen beeinflusste Gesellschaft immer wieder dafür sorgt, dass die Entwicklung dort stehen bleibt. Die Schulen funktionieren nach dem ethnozentrischen Prinzip (vielleicht nicht die Inhalte, aber die Regeln und wie sie beschlossen werden), die meisten Betriebe werden nach dem gleichen Prinzipien geleitet und ganz sicher Verhandlungen, Gespräche und Gesetze auf nationaler und internationaler Ebene. Ich sage nicht, dass das grundsätzlich schlecht ist, lediglich sehr begrenzt. Die Entwicklung durch diese Stufen ist auch immer eine, die über die voherige Stufe hinaus geht, aber sie mit einbeschließt. Das heißt, wenn ich von ego- zu ethnozentrisch gehe, negiere ich nicht meine eigene Perspektive und Bedürfnisse (das wäre Verdrängung und nicht so gesund), sondern ich integriere sie in einen größeren Kontext. Dasselbe bei weltzentrisch: ich intergriere mich selbst und mein direktes Umfeld in einen noch größeren Kontext. Das heißt, die ego- und ethnozentrischen Perspektiven haben ihre Berechtigung, sie sind bloß nicht alles und vieles fällt unter den Tisch, wenn man von da aus Politik macht.</p>
<p>Jetzt ist natürlich die spannendste Frage: Wie kommt es zu diesen Weiterentwicklungen? Was ist nötig, damit das passiert? Welche Bedingungen begünstigen diese Entwicklung, diese Veränderungen, welche hemmen sie?</p>
<p>Ich perönlich glaube, dass Weiterentwicklung immer dann möglich ist, wenn ich mich sicher fühle, wenn ich meine Energie nicht für Verteidigung brauche, sondern für Kreativität und Erforschung, für eine Öffnung meiner Perspektive, für die Integration neuer Information und neuer Erfahrungen einsetzen kann. Habe ich diese Sicherheit nicht, werde ich an Erfahrungen und Informationen nur aufnehmen können, was meine wackelige Position festigt und stützt. Oder wart ihr jemals in der Lage euch voll auf eine neue Idee oder Erfahrung einzulassen, wenn ihr Angst hattet und euch nur schützen wolltet? Ich kann mich bei mir jedenfalls nicht daran erinnern.</p>
<p>Wie entsteht diese Sicherheit? Ich glaube das universelle Prinzip dafür ist empathische Verbindung. Mit Empathie meine ich hier nicht einfach nur das &#8220;sich in den anderen hineinversetzen&#8221; - Empathie ist eine Fertigkeit, etwas, was man lernen kann. Es ist ein Training der Aufmerksamkeit. Begegne ich jemandem mit Empathie, ruht meine Aufmerksamkeit komplett auf dem, was er erlebt, wie das Leben als eine Energie, eine dynamische Kraft in ihm zum Ausdruck kommt. Ich sehe die Schönheit darin, dass er sich fühlt wie er sich fühlt, dass er sich nach etwas sehnt, etwas braucht, ihm etwas lieb und teuer ist. Empathie bedeutet volle Aufmerksamkeit darauf!</p>
<p>Wenn ich Empathie bekomme, sei es von jemand anderem oder von mir selbst, dann bedeutet das, dass ich in meiner Schönheit, so wie ich bin, gesehen und angenommen werde. Dass meine Wünsche, meine Bedürfnisse, Werte und Sehnsüchte in ihrer Tiefe und Lebendigkeit verstanden werden. Und wenn ich das fühle, wenn ich an diesem Ort sein kann, wo ich mit dem wichtigsten in meinem Leben, meinem Ideal, meiner Liebe in Verbindung sein kann, dann bin ich zu Hause im Universum. Dann bin ich sicher, dann kann ich das was in mir ist, zum Ausdruck bringen, erforschen, ausprobieren, Verbindung zu anderen suchen, Liebe empfangen und geben etc. All diese Dinge sind kritisch für die Erweiterung der Perspektive. Man betritt Neuland, aber mit einer Verwurzelung in dem, was einem das bedeutet. Ohne diese Wurzel traut man sich einfach nicht&#8230;</p>
<p>Es gibt noch einen anderen Aspekt. Denn natürlich sind auch Grenzen, Knappheit, Not oft Motor für Kreativität. Wenn nichts anderes mehr geht und man sich nur entscheiden kann zwischen der Bewegung und dem sicheren Disaster, wählt man mit höherer Wahrscheinlichkeit die Bewegung. Das nehmen die, die das erlebt haben, oft als Hinweis darauf, dass man das Disaster BRAUCHT, damit Entwicklung stattfindet. Ich glaube das nicht, auch wenn ich sicher zugebe, dass manche Entwicklungen länger gebraucht hätten oder vielleicht nicht stattgefunden hätten, wäre das nicht da gewesen. Schließlich beweisen Krisen einem, dass das gewohnte Framework nicht mehr funktioniert, dass es wirklich Grenzen hat und sich deswegen jenseits davon noch etwas befinden muss, was man erkunden muss, wenn man weiter will. Ohne Empathie allerdings, oder besser, ohne eine Bewusstsein dafür, was einem so wertvoll ist, dass man dafür Energie investieren will, gibt es keine Richtung, in die man gehen könnte. Ich hab vor kurzem noch gelesen, dass in dem Fall von Josef Filtz in Österreich, welcher seine Tochter Elisabeth 24 Jahre lang einsperrte und sechs Kinder mit ihr zeugte, die Tochter keinen Widerstand leistete, bis ihre eigene Tochter krank und in Lebensgefahr war. Die Tochter kam ins Krankenhaus und die Sache folg auf. Während Elisabeth absolut keine Verbindung zu ihren eigenen Bedürfnissen hatte, diese also nicht wahrnahm oder als wertvoll empfand, hat die Not der Tochter ihr gezeigt, dass es wertvoll ist, Leben zu schützen, was ihr die nötige Energie gab, sich dafür einzusetzen. Man könnte vielleicht sagen, dass Not und Krise die Unterstützung bieten, die nötig ist, um sich seiner Bedürfnisse und Werte bewusst zu werden. Allerdings ist das nicht der einzige Weg.</p>
<p>Wie auch immer, dieses Bewusstsein für die Wichtigkeit von Empathie ist leider nicht sehr weit verbreitet, so weit ich das sehe. Was wir oft einander geben ist eher, was ich Sympathie nennen würde. Das heißt, ich sag dir, wie ich die Sache sehe, was meine Perspektive ist und du stimmst mir zu, bemitleidest mich, beruhigst mich, vergleichst meine Perspektive mit der anderer, erzählst deine eigene Geschichte dazu, versuchst mich zu überzeugen, dass es doch anders ist und gar nicht so schlimm, wie ich denke etc. Das alles hat nichts, aber auch gar nichts mit der heilenden Aufmerksamkeit zu tun, die ich Empathie nenne. Sympathie bleibt an der Obefläche, während Empathie fragt: Was ist dir wertvoll daran? Was bewegt dich? Und nur darum geht es hier.</p>
<p>Ich habe letzte Woche mit Mathilde, der Nachbarin, deren Auto ich aus dem Schnee befreit habe und die mir dann die Haare geschnitten hatte, eine intensive Unterhaltung gehabt. Sie sagte mir irgendwann, dass sie sich zuweilen gar nicht mit Leuten treffen mag. Sie mag ihre Freunde zwar, aber zuweilen findet sie Kontakt mit ihnen einfach nur anstrengend und will ihn nicht. Es hat ein wenig gebraucht, bis mir aufging, dass sie Empathie brauchte. Mal jemanden, der sie einfach nur so annimmt, wie sie ist, der ihr keine Lösungen vorschlägt (die lenken nämlich ab), oder sie korrigieren will. Ihre Augen leuchteten und sie sagte &#8220;Oui, oui, c&#8217;est ça!&#8221; Daran, wie sie mich den Rest des Abends ansah und mir sagte, wie sehr sie mich mag und schätzt, was ich gesagt hab, war ersichtlich, wie sehr sie sich danach sehnte, so gesehen zu werden. Und sie ist nicht allein damit, mir geht es ja nicht anders.</p>
<p>(Übrigens heißt das nicht, dass ich Sympathie nicht auch schätzen würde. Für mich bedeutet Sympathie Zugehörigkeit und die Gelegenheit meine Wahrnehmung abzustimmen. Ich will bloß darauf hinweisen, dass es nicht alles ist und in Beziehungen oft etwas wichtiges fehlt, nämlich Empathie.)</p>
<p>Angesichts dessen, was ich zuvor gesagt habe, ist allerdings auch nicht verwunderlich, dass Empathie so eine Mangelware ist, da sie mindestens ein weltzentrische Perspektive erfordert. Erst ab da kann ich meine volle Aufmerksamkeit auf das authentische Erleben des anderen lenken, ohne darin durch die Begrenztheit meiner eigenen Perspektive eingeschränkt zu sein. Das bedeutet nicht, dass man soweit entwickelt sein muss, um etwas über Empathie zu lernen. Es bedeutet lediglich, dass es erst ab da &#8220;leicht&#8221; wird und integraler Bestandteil dessen ist, was man an Austausch und Kontakt mit anderen gewöhnt ist. Temporär komme ich leicht in einen Zustand (nicht die Stufe), aus dem heraus ich empathisch sein kann, wenn ich gerade selbst Empathie empfangen hab. Das aber als ein Potenzial zu entwickeln, was mehr oder weniger stabil da ist, das braucht Zeit und Entwicklung.</p>
<p>Also gut, das heißt wenn wir eine Gesellschaft haben möchten, die weit über das übliche Menschenbild hinauswächst, brauchen wir mehr Quellen für diese Art von empathischen Austausch. Das würde jedenfalls enorm die Chancen erhöhen, dass sehr viele davon so profitieren können, dass sie die oben genannte Entwicklung in kürzerer Zeit durchlaufen können. Um das zu verwirklichen brauchen wir Menschen mit weltzentrischer Sicht auf politischer Ebene und in Führungspositionen. Das ist kein weiterer Elitismus (hoffe ich jedenfalls - das wäre in jedem Fall eine Gefahrenquelle), sondern ich meine damit, dass auf die Weise Gesetze und Regeln so gesetzt werden, dass sie die Weiterentwicklung fördern und den Menschen den Zugang zu den Ressourcen eröffnen, die sie für die Entwicklung brauchen. Stellt euch vor, was alles mögliche wäre&#8230; innere Freiheit, Kreaitivität, emotionale Sicherheit, Unterstützung, Zugehörigkeit&#8230;</p>
<p>Um nochmal auf LaRouche zurückzukommen: Ich glaube, dass er letztendlich genau dasselbe möchte. Wenn ihr allerdings auf einer seiner Seiten geht, wie z.B. <a title="LaRouchePAC" href="http://www.larouchepac.com">www.larouchepac.com</a> oder <a href="http://www.bueso.de">www.bueso.de</a> dann rechnet nicht damit, dass ihr das da so klar findet. Ich gebe hier meine eigene Sichtweise wieder und bin voll verantwortlich dafür. Ich bin, wie schon gesagt, mit LaRouches Sprache überhaupt nicht einverstanden und halte es für extrem missverständlich, wie er sich ausdrückt. Vokabeln wie &#8220;evil&#8221;, &#8220;British Empire&#8221;, &#8220;satanic&#8221;, &#8220;fools&#8221;, &#8220;the enemy&#8221; etc. kommen en masse in seinen Schriften vor und es nicht leicht durch diesen Dschungel zu seiner eigentlichen Aussage zu kommen. Ich habe das gegenüber den Leuten hier in Montréal auch schon öfter angemerkt und die Antwort, die ich bekomme ist, dass er sich so polemisch ausdrücke, um den schlafenden Zombie-Geist aufzuwecken und Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich habe so meine Zweifel, ob das wirklich der beste Weg dafür ist, aber Aufmerksamkeit bekommt es vermutlich. Bloß um die Klarheit mache ich mir Sorgen&#8230;</p>
<p>So weit so gut. Ich belasse es mal dabei. Ich hoffe ihr habt weiterhin Freude an meinen Betrachtungen und schreibt mir Kommentare dazu.</p>
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		<title>Uni fertig</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Apr 2008 21:45:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niklasbringtdieweltinordnung</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[So, mal ein ganz profaner Titel. Ich nehme mir nicht viel Zeit, schreibe nur kurz, was gerade geht.
Die Uni ist am Mittwoch zuende gegangen, letzte Klausur. Ich brauchte eine halbe Stunde mehr um das Gebäude zu finden, als ich einkalkuliert hatte. Lief aber doch gut, soweit ich das denn beurteilen kann. Die anderen Klausuren sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>So, mal ein ganz profaner Titel. Ich nehme mir nicht viel Zeit, schreibe nur kurz, was gerade geht.</p>
<p>Die Uni ist am Mittwoch zuende gegangen, letzte Klausur. Ich brauchte eine halbe Stunde mehr um das Gebäude zu finden, als ich einkalkuliert hatte. Lief aber doch gut, soweit ich das denn beurteilen kann. Die anderen Klausuren sind ebenso okay. Ich mochte meine Antworten. Leider kommt es für&#8217;s Ergebnis ja nicht so darauf an, aber die Selbstliebe stimmt <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Jetzt hab ich also nichts zu tun außer ich selbst zu sein. Wie der Mai zu füllen ist, weiß ich nicht so genau. Ich könnte was mit den Leuten von der LaRouche Youth Movement machen, die ich ganz interessant finde, auch wenn ich da nicht Mitglied sein will. Ich werde mir Zeit nehmen, mehr von denen zu schreiben, wird sicher interessant. Ich würde gern noch mehr von Kanada sehen, das wäre also ganz nett als Aktivität. Am 8. Juni werde ich ein Intensiv-Training in Gewaltfreier Kommunikation in Alburquerque, New Mexico besuchen, das 9 Tage dauert. Das wird meine Giraffen-Batterien ordentlich aufladen, denke ich mal. Ich habe so viel dazu gelernt in der Hinsicht, finde mich entspannter, lockerer, fröhlicher, aber auch tiefer, manchmal trauriger und lebendiger. So soll es sein.</p>
<p>Nach Alburquerque will ich nach Kalifornien. Ich werde wohl CouchSurfing in Anspruch nehmen und freu mich auf unbekannte Leute. Am 29. Juni fliege ich, wenn&#8217;s geht, nach New York und treffe meine Mutter und meinen Bruder Simon in Williamstown, Massachussets zwei Tage später. Mit den beiden fahre ich nochmal nach Montreal und ein bisschen in der Gegend herum, jedenfalls glaub ich das im Moment. Müssen wir nochmal genauer klären.</p>
<p>Ich freu mich darauf. Bald hört ihr mehr. Jetzt gibt es Geburtstagsessen für Mario in einem feinen Restaurant. Ich habe Hunger, das ist gut so. Lasst es euch gut gehen.</p>
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		<title>Es taut</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Apr 2008 02:10:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niklasbringtdieweltinordnung</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Sonne kommt mehr und mehr, die Leute gehen en masse auf die Straße und es wirkt so wie nach dem Winterschlaf. Am Freitag hatte es nochmal geschneit, aber ich vermute, dass es das letzte Mal ist. Und der Frühlung wird vermutlich schnell zum Sommer werden. Ich freu mich darauf.
Ich habe ein anstrengendes aber auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Die Sonne kommt mehr und mehr, die Leute gehen en masse auf die Straße und es wirkt so wie nach dem Winterschlaf. Am Freitag hatte es nochmal geschneit, aber ich vermute, dass es das letzte Mal ist. Und der Frühlung wird vermutlich schnell zum Sommer werden. Ich freu mich darauf.</p>
<p>Ich habe ein anstrengendes aber auch bewegendes Wochenende hinter mir. Ich bin bei einem Workshop für Emotionale Intelligenz gewesen, empfohlen durch meine Mitbewohner Mario und Linda. Ich habe es nicht nur genossen und war manchmal auch ganz gestresst, aber andererseits hab ich doch einiges gelernt.</p>
<p>Die Absicht hinter dem Seminar ist, den Teilnehmern zu zeigen, wie sie über ihre Ängste und Gewohnheiten hinweg die Dinge leben können, die sie wirklich leben wollen. Oft weiß man ja, was man wirklich leben will, wenn man nur nicht die Angst hätte, dass man es nie bekommen könnte. Dieses &#8220;Das geht sowieso nicht.&#8221; hat seine Geschichte. Und die hat höchstwahrscheinlich damit zu tun, dass eines Tages, als man klein war, irgendwer nicht so reagiert hat, wie man es gebraucht hätte, um zu spüren, dass hinter allem was man tut Liebe ist. Diese Erlebnisse werden also interpretiert. Und weil die Interpretation so beängstigend ist, wird sie verdrängt, verschmilzt mit dem gewohnten Weltbild und dann heißt es &#8220;Das geht sowieso nicht&#8221; ohne dass man es je wirklich nochmal testen würde.</p>
<p>Jetzt kann man das intellektuell alles toll durchschauen (womit ich keine Schwierigkeiten habe), ohne dass es irgendwelche Konsequenzen im Leben hätte. Man bleibt ängstlich. Man will es immer noch nicht testen. Denn was wenn man es testet und das Trauma wiederholt sich? Was wenn mir nichts anderes bleibt, als zu glauben, dass ich einfach nicht in diese Welt gehöre? Dass mich niemand lieben kann, dass ich niemanden lieben kann? Dass ich abgetrennt bin, allein, auf mich gestellt, gegen alle anderen und alles andere?</p>
<p>Es braucht eine andere Art von Erfahrung, um das zu lösen. Eine die so stark und intensiv ist wie die ursprüngliche Trauma-Erfahrung, bloß in die andere Richtung. Und ich hab so eine Erfahrung gehabt. Der Prozess ist folgender: Jemand hält zwei Punkte an meiner Stirn, wodurch ich weniger Stress habe und mich entspannen kann. Außerdem fühlt es sich warm an, man wird gehalten. Ich schließe die Augen. Ich werde gefragt, was mich momentan am meisten bedrückt. Wie fühle ich mich damit? Ich geh wirklich in mein Herz, da wo der Schmerz ist. Ich sage was da ist. Ist da noch etwas? Ich sage alles, was ich fühle. Dann werde ich gefragt, was die Situation ist, die am längsten her ist, in der ich dasselbe gefühlt habe. Der Schmerz wird intensiver. Ich versuche ein klares Bild zu bekommen, ein klare Situation. Ich werde gefragt, wie ich mich als kleines Kind fühle. Ich sage es, Tränen steigen in die Augen, Verzweiflung, Angst, Verletzung, Wut, Ohnmacht, Einsamkeit. All das ist da. Immer wieder werde ich gefragt, ob da noch etwas ist, so dass wirklich alles raus kann und ich nicht vorher aus der Verbindung damit gehe. Nachdem ich alles ausgedrückt habe, werde ich gefragt mich in die Person zu versetzen, die das ausgelöst hat. Wie sie das empfängt. Ich fühle nichts als Bedauern und Liebe für dieses kleine Kind. Und ich bin da, einfach präsent. Als ich dann wieder zu mir zurückkomme kann ich vergeben und vertrauen.</p>
<p>Danach hat mein Körper total vibriert, mein Kopf war leicht, ich dachte nur &#8220;Krass!&#8221; Und die Erfahrung der Liebe und Vergebung ist wirklich stärker als die Angst. Sie ist viel plausibler und ich fasse Vertrauen. Das ist toll!</p>
<p>Ansonsten gibt&#8217;s ein paar Punkte, die mir nicht so sehr gefallen. Madeleine, die Trainerin, redet viel vom Ego und dem wahren Selbst, dem spirituellen Wesen. Ich mag das Konzept Ego nicht. Es ist verwirrend und schafft Feindbilder. Woher weiß ich, was mein Ego ist und was das spirituelle Wesen? &#8220;Das Ego verteidigt sich, weil es denkt, es muss sich verteidigen.&#8221; Aha. Sehr erhellend. Ich meine, so wie ich es verstehe ist das Ego nichts anderes als bestimmte Gedanken, die suggerieren, dass was immer gerade los ist und erfahren wird, nicht in Ordnung ist. Das irgendwas nicht stimmt, entweder mit mir oder mit der Welt. Dass etwas fehlt. Aber das ganze &#8220;Ego&#8221; zu nennen verstärkt doch die Identifikation damit geradezu! Und jemand, der diese Gedanken glaubt, der wird so Sätze wie &#8220;Das Ego beherrscht dich!&#8221; ganz sicher nicht auf eine konstruktive Weise interpretieren können, da er dann denkt, dass etwas in ihm ist, was er nicht lieben kann. So ging es mir jedenfalls immer wieder. Um den Begriff zu benutzen, man kann das Ego nicht mit dem Ego verändern. Das ist wie Feuer mit Feuer löschen zu wollen. Also halte ich nichts davon, überhaupt in den Begriffen zu denken.</p>
<p>In der Gewaltfreien Kommunikation gibt zwar auch den Wolf und die Giraffe, aber es wird immer wieder gesagt, dass der Wolf eine Giraffe mit Sprachproblemen ist. Man muss ihn nicht dafür hassen, im Gegenteil, es ist wichtig, ihn zu verstehen. Selbst wenn hinter seinen Aktionen am Ende nichts anderes steht, als ein Missverständnis aus der Kindheit. Aber das geht nicht dadurch weg, dass man es intellektuell aufklärt. Dafür ist einfach zu viel Angst damit verbunden.</p>
<p>Was mir gefällt ist, dass Madeleine betont hat, dass man sich entweder in der Opfer-Haltung oder der Haltung der Verantwortung befinden kann. Und letztendlich dient einem nur letztere. Es hilft nie, jemand anderen für sein Leid verantwortlich zu machen. Gerade wenn man das wirklich glaubt, zieht es einen besonders runter und beraubt einen aller Möglichkeiten, das Leben so zu gestalten, wie man es möchte. Hinzu kommt, dass man andere Leute ebenfalls für Opfer hält und sich für deren Leid verantwortlich macht. Das sperrt noch mehr ein. Wie kommt man da heraus? Untersuchen, welches Urteil man da im Sinn hat und was einem das über die eigenen Glaubenssätze und Bedürfnisse sagt. Letztendlich ist wahrscheinlich, dass der gleiche Mist einem immer wieder passiert, einfach weil man sich keine andere Interpretation für das spezielle Verhalten vorstellen kann - und die Liebe dahinter übersieht.</p>
<p>Aus dem Grund mag ich auch das Buch &#8220;Liebe dich selbst und es ist egal wen du heiratest.&#8221; Ich glaube, wenn die Beziehung nicht läuft, dann weil beide Partner sich nicht öffnen mögen, Angst haben ihre Verletztlichkeit, Ohnmacht, Schwäche zu zeigen. Damit aber werden sie auch unberührbar. Und nur wenn man sich so öffnet, kann man echte Intimität haben. Wenn die Ursache dafür in der eigenen Angst liegt, ist wohl auch klar, dass einen die Angst zum nächsten Partner begleiten wird. Und dass einem der nicht helfen kann, wirkliche Intimität zu finden, wenn man sich nicht öffnen will. Es geht einfach nicht. Das heißt, es liegt in meiner Hand, dass ich meinen Teil dazu tue. Das schafft ein Potenzial, was mir gefällt.</p>
<p>Ich habe eine Menge Französisch gesprochen und gehört. Das hat auf jeden Fall was gebracht.</p>
<p>Ich habe ja lange nicht geschrieben. Ich habe hier so mein alltägliches Leben, mit Uni, viel schreiben und , lesen, hin und wieder Leute sehen. Ich habe die fixe Idee, dass ich gern mehr Leute treffen würde, aber ich bin gar nicht sicher, ob ich das wirklich will. Ich fühl mich ganz wohl mit mir momentan und hab eher das Gefühl, dass das ein Anspruch ist, der nicht von Herzen kommt. Also muss ich dem nicht folgen.</p>
<p>Es bleibt noch eine Woche, danach sind Examen und danach ist das Trimester vorbei.</p>
<p>Ich werde mich jetzt bei CouchSurfing anmelden und dann mal sehen, wo ich noch alles hinwill. Ihr werdet von mir hören.</p>
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		<title>Schnee</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Mar 2008 06:09:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niklasbringtdieweltinordnung</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Mehr als die Hälfte des März ist vergangen und es liegt noch immer Schnee in Montréal. Viele klagen darüber, manche ärgern sich richtig, andere nutzen den Schnee. Ich erkläre kurz wozu.
Heute war ich sehr gut gelaunt und hab auf dem Nachhauseweg vor der Haustür die Nachbarn gesehen, die dabei waren, ihr Auto von Schnee zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Mehr als die Hälfte des März ist vergangen und es liegt noch immer Schnee in Montréal. Viele klagen darüber, manche ärgern sich richtig, andere nutzen den Schnee. Ich erkläre kurz wozu.</p>
<p>Heute war ich sehr gut gelaunt und hab auf dem Nachhauseweg vor der Haustür die Nachbarn gesehen, die dabei waren, ihr Auto von Schnee zu befreien. Das ist mitunter nicht einfach, unter den Rädern liegt Eis und man kommt nicht raus, weil die Räder durchdrehen. Ich ging erst ins Haus und dachte dann, dass ich die Gelegenheit, meine Energie zu teilen nicht verstreichen lassen kann. Also bin ich rausgegangen und habe spontan meine Hilfe angeboten. Sie sagten, es sei &#8220;super-gentil&#8221; und ich könne beim Schieben helfen. Es hat etwas gedauert, die beiden, ein Paar, haben sich ein bisschen gestresst (Er: Tu n&#8217;écoutes pas! Sie: Je fais ce que je peux!) und schließlich hat noch jemand geholfen. Letztendlich hat&#8217;s geklappt, sie haben sich gefreut und sie stellten sich mir vor. Mathilde sagte, sie sei Friseuse und hat mir einen gratis Haarschnitt angeboten, &#8220;because you&#8217;re the champ of the day!&#8221; Sehr cool fand ich das, habe mich total gefreut. Genau was ich brauchte, meine Haare werden immer länger und so erledigt sich das.</p>
<p>Ohne Schnee hätt&#8217;s die Gelegenheit nicht gegeben&#8230;</p>
<p>Es gibt mehr zu erzählen, aber das wird warten müssen. Auf bald.</p>
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		<title>Across the Universe</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Feb 2008 11:03:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niklasbringtdieweltinordnung</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Heute gab&#8217;s eine schöne Überraschung für mich: einen Film, den ich so mag, dass ich ihn gleich zwei Mal gesehen hab, plus Bonus-Material. Der Titel des Beitrags nennt den Titel: Across the Universe. Mario und Linda haben ihn auf Tip ihrer Trainerin Madeleine geliehen und geguckt. Ich bin bei der Hälfte dazu gestoßen und war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Heute gab&#8217;s eine schöne Überraschung für mich: einen Film, den ich so mag, dass ich ihn gleich zwei Mal gesehen hab, plus Bonus-Material. Der Titel des Beitrags nennt den Titel: Across the Universe. Mario und Linda haben ihn auf Tip ihrer Trainerin Madeleine geliehen und geguckt. Ich bin bei der Hälfte dazu gestoßen und war verzaubert. Ich will darüber schreiben. Ich hoffe die persönlichen Eindrücke helfen euch auch, euch mit mir und euch selbst zu verbinden.</p>
<p>Der Film zeigt eine Art Musical mit einer Geschichte, welche sich aus Songs der Beatles ergibt. Die Songs sind neu arrangiert und werden von den Schauspielern gesungen und die Geschichte spielt in den 60ern, vor und während des Vietnam-Krieges. Die Hauptfiguren sind Jude aus Liverpool (von Jim Sturgess gespielt, der mich sehr an Daniel Brühl erinnert), Lucy aus irgendwo in Amerika und ihr älterer Bruder Max. Ich mag sie gar nicht Figuren nennen, weil ich das was sie tun und sagen als so echt erlebe und erfrischend.</p>
<p>Jude kommt nach Amerika um seinen Vater zu treffen, den er nicht kennt. Er trifft dort Max, welcher in Princeton studiert, aber bald darauf aufhört, da ihn das Studium langweilt. Max und Jude ziehen nach New York, wo Jude sich als Künstler beschäftigt. Lucy&#8217;s Freund wird in die Armee eingezogen. Nachdem seine Todesnachricht eintrifft will sie nach New York. Jude und Lucy verlieben sich (wunderbare Szenen). Max wird ebenfalls in die Armee eingezogen und muss nach Vietnam. Lucy trifft auf Anti-Kriegs Aktivisten und mischt mit, will etwas ändern, möchte, dass jemand zuhört. Jude ist eifersüchtig auf den Anführer der Aktivisten, woraufhin es Streit gibt und Lucy geht. Bei einer Demo sehen sie sich wieder, aber es gibt Krawall und er landet in der Zelle. Ohne Visum wird er nach England zurück geschickt. Max kommt zurück aus Vietnam, körperlich unversehrt, aber traumatisiert. &#8220;Hey Jude&#8221; ermutigt Jude zurück nach Amerika zu kommen. Und &#8220;All you need is love&#8221; erinnert Lucy an ihre Liebe für Jude.</p>
<p>Das ist nur eine kurze Übersicht. Was ich an dem Film liebe ist, dass ich es so schwer in Worte fassen kann. Ich fühl mich total glücklich und berührt. Es ist leicht und doch tief. Mein kritischer Verstand tritt demütig zur Seite und lässt mich wie ich bin. Lässt die Welt wie sie ist.</p>
<p>Ich kann mich so mit Jude als Träumer identifzieren, der sich in Lucy verliebt, unglaublich glücklich darüber ist, hilflos und verzweifelt ist als er glaubt, Lucy ginge für den anderen. Ich kann mich mit Lucy identifizieren, die erst Angst vor Nähe und Vertrauen hat und sich dann hingibt, die hilflos und wütend, verzweifelt darüber ist, wie die Weltpolitik in ihr Leben eingreift und so viel Leid mit sich bringt. Ich freu mich über Max, der wie ein guter Freund für mich wirkt, lebendig, spotaner und unvorsichtiger als ich es bin.</p>
<p>Ich stell mir vor, einfach mal zu singen, was ich ausdrücken will. Wäre sicher erstmal komisch. Aber wenn ich die Musik vom Himmel auf die Erde hole&#8230; ich bin sicher, dass niemand irritiert wäre, sondern still und erfüllt von Leben. So fühlt sich der Film für mich an. Der Vorteil da ist, dass man das tun kann und jeder nur darauf wartet. Und man hat schon den Song parat, der in die Situation passt&#8230;</p>
<p>Aus den Interviews mit der Regisseurin Julie Taymor ergibt sich auch, dass sie ein Bewusstsein genau für das hat, was ich &#8220;Musik vom Himmel auf die Erde holen&#8221; nenne. Ihr sei wichtig, dass Raum ist für Kreativität, das heißt für mich, Raum für das was gerade lebendig ist. Sie hat die Schauspieler in den Szenen singen lassen, mit Instrumental-Playback, aber auf dem Set aufgenommen! Lucy singt &#8220;If I Fell&#8221; live auf dem Set mit ihren Augen auf Jude. Evan Rachel Wood, die sie spielt, sagt im Interview, dass sie einfach die Gedanken ausschaltet und es sich alles von selbst ordnet. Dabei Jim Sturdess anzusehen helfe enorm. Und so klingt es und sieht es auch aus.</p>
<p>Beim Schauen der Interviews hab ich gemerkt, wie merkwürdig es ist, dann die Schauspieler reden zu hören, wenn man vorher so von dem was sie spielen verzaubert ist. Es ist so, als ob man sich nicht mehr erlaubt, das gleiche Gefühl mit den Schauspielern zu haben. &#8220;Nee, das ist ja jetzt echt, also anders!&#8221; Aber warum eigentlich? Ich meine, sie leben es doch, sie bilden die Verbindung zu dem Gefühl, was ich habe, zu der Schönheit, die ich in ihnen gesehen hab. Wäre das nicht auch in ihnen und in mir, es würde nicht funktionieren. Warum sollte ich mich da also rauskicken? Ich hab doch sowieso nur ein Bild von ihnen, warum nicht das, was mir so gefällt? Denn genau genommen mag ich nicht sie, sondern mich selbst, wenn ich sie so wahrnehme. Und ich mag mich nicht, wenn ich mir sage, dass das nicht echt ist. Ich hab die Wahl.</p>
<p>Die Beatles-Songs neu zu hören ist auch wunderbar, interessant, dass es so gut geht. Es ist anders, kein Sixties-Sound und sie haben auch ein paar Sachen so geändert, dass z.B. die berühmten Riffs quasi als Geist im Kopf mitgehen (wie der Bass-Riff in &#8220;Come together&#8221; oder die Bläser bei &#8220;All you need is love - bam ba da da dam&#8221;). Was mich begeistert ist, dass es wirklich die Figuren sind, die das singen. Nicht so, wie so oft in Musicals, dass die gespielten und gesungenen Szenen irgendwie nicht zusammen gehören. Es ist ein Ganzes. Die Singstimmen sind schön anzuhören, klingen aber nicht total professionell, sondern natürlich.</p>
<p>Der letzte Film, der mich so berührt hat war &#8220;As it is in heaven&#8221; oder auf Deutsch &#8220;Wie im Himmel&#8221;, nebenbei auch ein Film mit viel Musik. Ein Film, der seine Figuren mehr oder weniger an allen Ecken und Enden &#8220;See me beautiful&#8221; singen lässt. Und genauso fühlt man sich dann auch. Aufgehoben, inspiriert, verstanden, gut durchgeputzt, berührt und zufrieden.</p>
<p>Mir kommt es gerade komisch vor, dass ich das in meinen Reiseblog schreibe&#8230; aber es ist eben ein Teil innere Reise. Und ein schöner Teil, wie ich finde.</p>
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		<title>Ein paar Monate in ein paar Tagen</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Feb 2008 01:50:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>niklasbringtdieweltinordnung</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Es wird wieder Zeit was zu schreiben. Gestern war ein reicher Tag. Ich bin mit Mario, Linda und Emily, welche zuvor mein Zimmer bewohnt hat, zum Mont Gabriel gefahren, einem Ski-Berg eine Stunde nördlich von Montréal. Und ich bin den ganzen Tag Ski gefahren. Das erste Mal in meinem Leben Downhill. Wunderbar. Gesponsort wurde der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Es wird wieder Zeit was zu schreiben. Gestern war ein reicher Tag. Ich bin mit Mario, Linda und Emily, welche zuvor mein Zimmer bewohnt hat, zum Mont Gabriel gefahren, einem Ski-Berg eine Stunde nördlich von Montréal. Und ich bin den ganzen Tag Ski gefahren. Das erste Mal in meinem Leben Downhill. Wunderbar. Gesponsort wurde der Tag von der Firma, bei der Linda arbeitet, so dass ich nur 50$ für den Tag und 22$ für das Mieten der Skier bezahlen musste. Es gab zwei große Mahlzeiten, am Mittag und am Abend. Alles in allem wirklich erfüllend.</p>
<p>Es fing an mit einer Ski-Stunde am Morgen. Ich war ziemlich ruhig und es hat nicht lange gedauert, bis ich wusste, wie es geht. Bremsen, Gewicht verlagern, drehen usw. Der Trainer meinte scherzhaft ich hätte gut versteckt, dass ich nicht das erste Mal auf Skiern stünde. Danach auf die Piste. Erst die leichten, dann etwas schwierigere, engere, steilere. Ich bin nicht selten gefallen, habe mir aber größtenteils nicht weh getan. Es war schon witzig, in dem Moment in dem mir klar wurde, dass ich fallen würde, hab ich einfach losgelassen und gewartet, bis es vorbei war. Dann hab ich aufgeschaut und gedacht &#8220;Oh, interessant!&#8221; Ich glaub, dass auch das dafür verantwortlich ist, dass ich mich nicht verletzt habe.</p>
<p>Ich hab durch&#8217;s Ski fahren eine Menge gelernt. Vor allem im Umgang mit Angst natürlich. Dass ich so schnell gelernt habe, rechne ich meiner Haltung des &#8220;Ich weiß noch nicht wie&#8221; zu, statt zu glauben &#8220;Ich kann das nicht.&#8221; Das ändert eine Menge, schließlich bewahrt man so das Vertrauen, dass es lernbar und entwickelbar ist. Und dieses Vertrauen ist die Voraussetzung dafür, dass man überhaupt etwas angeht. Das Risiko übel verletzt zu werden lässt sich ja nicht ausschließen, also habe ich da herausgefunden, dass zur Beruhigung vor allem eine Anerkennung der Gefahr und des Bedürfnisses nach Sicherheit sehr hilfreich sind. Macht man das nicht, kann man sich nicht konzentrieren, weil der Teil in einem, der Sicherheit will, auch während der Fahrt noch nach Aufmerksamkeit schreit. Das lenkt ganz schön ab, vor allem wenn es sehr schnell wird. Es lohnt sich also sehr, sich vorher darum zu kümmern und dem ein wenig Empathie zu geben. Hat man die, wirkt es nicht mehr wie Wahnsinn, den man nicht kontrollieren kann, sondern wie Wahnsinn, auf den man sich mit Freuden einlässt.<br />
Ein bisschen unintuitiv ist, dass man beim Ski-Fahren immer dann die Kontrolle verliert, wenn man sich zu sehr nach hinten lehnt. Selten reagiert man auf Angst so, dass man sich noch mehr nach vorne bewegt. Aber das ist beim Ski-Fahren sehr wichtig, da einem sonst die Skier unterm Körper wegfahren. Als ich das raushatte wurden die Stürze viel seltener und ich konnte besser lenken. Dabei geholfen hat außerdem, nicht an die einzelnen Beine zu denken, sondern nur daran, das Gewicht zu verlagern. Dann reagieren die Beine synchron, ohne dass man daran denken müsste und die Skier kreuzen sich nicht mehr.</p>
<p>Also ihr seht, eine Menge geht dabei im Kopf und im Herzen ab. Wenn das im Gleichgewicht ist, geht der Rest schon von alleine. Allerdings tut mir jetzt mein ganzer Körper weh. Es sind keine äußeren Verletzungen, aber Verspannung, Muskelkater etc. Das werde ich wohl überleben und es mindert nicht die Freude über den gestrigen Tag.</p>
<p><a href="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1596.jpg" title="Piste"><img src="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1596.jpg?w=544&h=415" alt="Piste" height="415" width="544" /></a></p>
<p><a href="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1602.jpg" title="Mario, ich, Emily und Linda"><img src="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1602.jpg?w=548&h=420" alt="Mario, ich, Emily und Linda" height="420" width="548" /></a></p>
<p>Ich nehme jetzt Französisch-Unterricht bei Mathieu. Niki und Cathrine haben Mathieu über einen Bekannten kennengelernt und wir sind letzte Woche Donnerstag zusammen zu einem Buddhistischen Zentrum gegangen. Es gab einen Einführungskurs mit einem Mönch, der etwas von Karma, den drei Juwelen und der Zuflucht erzählt hat. Er sprach ein Englisch, was sich fast wie tibetisch anhörte, was dann aber noch auf Französisch übersetzt wurde. Schön war vor allem die Diskussion danach. Mathieu fragte in die Runde, wie er Zugang zu den Menschen bekommen kann, die alle so zufrieden wirken, aber mit einer Zufriedenheit, der er nicht traut. Er hat eine Menge Energie und Mitgefühl und würde gerne mehr geben, weiß aber nicht wo. Tom, der Übersetzer, meinte, dass der Grund dafür, dass er nicht sieht, dass die anderen auch leiden (also auch Bedürfnisse haben, zu deren Erfüllung man beitragen kann) vermutlich der ist, dass er das Leiden in sich selbst nicht ganz erkennt oder annimmt. Sieht man das nämlich, wird es auch leichter, mit dem Leid in anderen in Kontakt zu kommen.</p>
<p>Ich fand das sehr schön. Ich habe mich erleichtert gefühlt, denn es kommt mir so oft so vor, als ob das Leid einfach nicht sein darf! Als ob es eine Gefahr darstellt, dass Leben bitter macht und nicht mehr lebenswert. &#8220;Es gibt Leiden&#8221; ist die erste der vier edlen Wahrheiten im Buddhismus und so wie ich das verstehe, ist das nicht so gemeint, dass das Leben an sich nur leidvoll sein kann, sondern es ist eine Gegenposition zu &#8220;Das Leben sollte nur Glück beinhalten.&#8221;  Buddhismus wird ja auch der Mittel-Weg genannt und das hier ist ein Beispiel, denn jede intellektuelle Position, die man beziehen kann, wird ein Extrem beinhalten. Das was normalerweise als die Lehre des Buddhismus vermittelt wird, ist demnach nicht die Lehre des Buddhismus, sondern die Ausgangsposition in einem Dialog. Wo kommen wir hin, wenn wir &#8220;Es gibt Leiden&#8221; und &#8220;Das Leben sollte glücklich sein&#8221; gegenüber stellen? Offensichtlich dahin, dass beides sein kann und beides sein darf. Und das gibt Erleichterung.</p>
<p>In der Diskussion ging es außerdem darum, wie man Mitgefühl für jemanden entwickeln kann, der einem weh tut. Tom sagte ganz ehrlich &#8220;Wenn mir jemand was gutes tut, dann liebe ich ihn. Wenn jemand mir weh tut, dann hasse ich ihn. Ganz ehrlich, ich wüsste nicht, wie das sonst sein sollte.&#8221; Jemand anderes meinte dazu, dass Liebe und Mitgefühl ja nicht dasselbe seien. Ich meldete mich dazu und sagte, dass jemand, der mir weh tut, vermutlich gerade selbst leidet. Denn wenn ich selbst glücklich und zufrieden bin, habe normalerweise keinen Wunsch, irgendwas zu tun, was jemand anderem schaden würde. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass irgendwer das hätte. Wenn ich mich also um meinen eigenen Schmerz auf liebevolle Weise kümmere, das Leiden anerkenne, dann kann ich vielleicht sehen, dass der andere ebenso leidet. Und daraus entsteht natürlicherweise Mitgefühl. Das fand allgemeine Zustimmung.</p>
<p>Als wir nachher auf dem Heimweg wahren, sagte Mathieu, dass er jetzt schon bedauere, dass ich nur für begrenzte Zeit in Montréal sein werde. Ihn habe der Kommentar sehr beeindruckt und er wolle gerne mehr mit mir darüber reden. Außerdem möchte er auch mir anbieten, den Französisch-Kurs mitzumachen, den er den Mädels schon angeboten hat. Und das, ohne dass er um Geld bittet, sondern, weil er gerne geben möchte. Ich habe das freudig angenommen. Er spricht übrigens wirklich verständliches Französisch, war auch einige Zeit in Frankreich, was sehr ermutigend ist. Es ist so blöd, ein Gespräch über mir wichtige Dinge anzufangen und dann frustriert festzustellen, dass ich gar nicht in der Lage bin zu antworten, weil immer nur die Hälfte davon rüberkommt, was der andere sagt.</p>
<p>Wir hatten am Donnerstag das erste Mal Unterricht und er hat ein paar Übungen mit uns gemacht. Außerdem lesen wir Fight Club auf Französisch, ein Buch was ihn sehr begeistert. Nachdem die Mädels weg waren, haben wir noch weiter gequatscht und am nächsten Morgen hat er mir geschrieben, dass er ab heute nur noch in Bedürfnissen und Strategien funktioniert. Ich habe gelacht und mich gefreut.</p>
<p>Am Montag habe ich Mario zu seinem Jazz-Chor begleitet. Jetzt bin ich der zweite Tenor im Chor von 14 Leuten. Der Auftritt ist am 10. Mai. Ich bin dabei.</p>
<p>Am Dienstag bin ich zu einer Soirée de Clôture für einen Kurs in emotionaler Intelligenz gewesen. Die Trainerin, Madeleine, ist diejenige, welche Mario und Linda seit vier Jahren begleitet, und der sie eine Menge zu verdanken haben. Also wollten sie, dass ich das auch kennenlerne.  Der Abend bestand daraus, dass die Leute, die am letzten Wochenende einen Kurs gehabt hatten, von ihren Erlebnissen erzählten. Ich war sehr skeptisch. Von dem her, was ich von Mario und Linda mitbekommen hatte, fehlte mir vor allem der Aspekt der Empathie. Aber ich hab davon im Laufe des Abends mehr mitbekommen.</p>
<p>Die Idee ist, dass alte Geschichten uns daran hindern, unser wahres Potenzial zu entfalten. Mit Geschichten sind Assoziationen, Vorstellungen, Interpretationen gemeint. So lange ich z.B. glaube, dass wahre Liebe immer mit Einsamkeit, oder Enge einhergeht, kann ich nicht alles tun, um wahre Liebe zu finden. Ich werde immer Angst vor Einsamkeit oder Enge haben und das hält mich zurück. So wie wenn ich mit der linken Hand nach meinem Stift greife, und die rechte Hand die linke zurückhält. Ein ständiger Eiertanz, der mich nirgendwohin bringt. Eine intuitive Annahme ist, dass diese Assoziation entstehen, während man sehr jung ist und keinen Zugriff auf alternative Erklärungen hat. Vor allem die Eltern spielen da eine riesen Rolle. So kann es sein, dass ich als kleines Kind um etwas gebeten habe und mein Vater in einem ungeduldigen Ton &#8220;Nein&#8221; gesagt hat. Mario meinte, dass ihm das einmal passiert ist und er danach seinen Vater nie wieder um etwas gefragt hat, aus Angst davor, er könnte es nicht dürfen. Der Workshop bringt einen sicheren Raum, diese Geschichten herauszuholen und sie zu durchleben. Ihnen einmal wirklich Platz zu machen. Denn nicht selten tut man das so gut wie gar nicht. Man hat eher Angst, die Eltern zu verletzen, oder selbst alleine zu bleiben, wenn man mal wirklich ehrlich ist. Dieser Raum dafür gibt, so wie ich es verstehe, demjenigen, der seinen Schmerz endlich mal ausdrückt, Empathie. Und jeder, der dabei war, spürt das, spürt die Energie, die Heilung, die darin stattfindet. Madeleine hat mich angesprochen und mich gefragt, ob ich beim nächsten Kurs dabei sein wollte. Ich war hin und her gerissen. Sie fragte, was mich abhielte. Und sie hörte zu. Sie ließ mir Raum und ich sagte, was mich bedrückte, bei dem Gedanken. Sie nahm alles respektvoll an und das gab mir so viel Vertrauen, dass ich schließlich wirklich mitmachen wollte. Ich hab mich eingeschrieben. Mario war sehr glücklich und ich bin neugierig, wie das wird. Im April findet der Workshop statt.</p>
<p>Mein Einsatz in der Uni deprimiert mich etwas. Ich weiß nicht ganz was los ist. Ich finde keine Energie dafür und das macht mir etwas Angst. Nächste Woche sind Zwischen-Examen und für einige Kurse gilt es eine Hausarbeit zu machen. Ich hoffe, ich finde einen Weg, meine Motivation dafür frei zu legen.</p>
<p><a href="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1540.jpg" title="Uni Montréal"><img src="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1540.jpg?w=553&h=418" alt="Uni Montréal" height="418" width="553" /></a></p>
<p>Mario und Linda sind weiterhin Gold wert. Wir haben vorgestern zusammen ein paar Spiele gespielt und Mario fragte, wie lange ich eigentlich schon hier wohne. Es sind knapp drei Wochen. Es fühlt sich an wie Monate. Wir haben eine Menge geteilt und haben immer wieder schöne Unterhaltungen über die wichtigen Themen des Lebens. Ich habe mit ihnen auch die Gewaltfreie Kommunikation geteilt und kenne keinen, mit dem es so leicht in die alltäglichen Unterhaltungen integrierbar wäre, wie mit den beiden. Das ist einfach traumhaft.</p>
<p><a href="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1564.jpg" title="Mario und Linda"><img src="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1564.jpg?w=556&h=427" alt="Mario und Linda" height="427" width="556" /></a></p>
<p>Ich werde mir immer bewusster, dass mein eigentlicher Traum, mein Berufswunsch nicht erfüllt wäre, wenn ich nicht Mediator werde, bzw. mit Konflikten zu tun habe. Mario und Linda haben sich einmal gestritten und Mario meinte nachher, wie offensichtlich es war, dass ich plötzlich dazu kam, als ich gehört hatte, was los war. So nach dem Motto &#8220;Konflikt?!? WO!&#8221; Und es ist wirklich so. Ich habe keine Angst vor Konflikten, sondern schaue sie mir genau an und liebe es, wenn plötzlich das Heilungs- und Wachstumspotenzial darin zum Vorschein kommt. Am liebsten würde ich das tun, wo es sich am meisten lohnt, weil es die meisten Leute betrifft: in der internationalen Politik. Jetzt weiß ich außer der UN nichts, wo ich mehr darüber lernen könnte. Ich bin mir aber sicher, dass es mehr Organisationen und Institute gibt, die mir da helfen würden. Hat jemand von euch eine Idee wo ich weitersuchen kann?</p>
<p>Ich habe auf hier einen sehr interessanten Artikel über etwas gefunden, was sehr dem ähnelt was ich gerne machen würde: http://www.beyondintractability.org/case_studies/interfaith_dialogue.jsp?nid=5302</p>
<p>Die Autorin ist noch ziemlich jung, ich vermute nur ein paar Jahre älter als ich, hat Psychologie in Beirut studiert und ist dann Programm-Koordinator im Center for Conflict Resolution and Peacebuilding in Beirut gewesen. Ich weiß nicht was sie gerade macht, habe aber versucht, sie zu kontaktieren, um mehr Infos zu bekommen. Was mich besonders begeistert hat, war natürlich, dass sie dem Artikel zu folge auch die Gewaltfreie Kommunikation kennt und damit arbeitet. Das hat mich daran erinnert, dass ich damit auch weiter machen will und ich habe mir überlegt im Juni ein 9-Tage Intensiv-Training mit Marshall Rosenberg in New Mexico mit zu machen. Das würde sich sicher lohnen. Es wird Zeit, dass ich mich darum kümmere.</p>
<p>Zuletzt noch ein schönes Zitat von John Welwood: &#8220;Not knowing that we can be loved for who we truly are prevents us from trusting  in love itself, and this in turn causes us to turn away from life and doubt its  benevolence.&#8221; Als ich gestern mit Emily am Dinner-Table saß und wir die Kinder auf der Tanzfläche zur Musik tanzen sahen, sagte ich zu ihr &#8220;Der Verlust der Fähigkeit, das zu tun, was die Kinder da tun, ist das einzige, was uns im Leben so viele Probleme bereitet.&#8221; Sie hatte nichts hinzuzufügen.</p>
<p>Ich bedaure, so lange nicht geschrieben zu haben. Ich hätte gerne, dass das hier kontinuierlich weitergeht. Ich hoffe ihr freut euch über Neuigkeiten und lasst reichlich Kommentare da. Hier sind noch ein paar Bilder von Montréal:</p>
<p><a href="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1507.jpg" title="Downtown in der Nacht"><img src="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1507.jpg?w=559&h=425" alt="Downtown in der Nacht" height="425" width="559" /></a></p>
<p><a href="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1500.jpg" title="Sonnenuntergang auf dem Mont Royal"><img src="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1500.jpg?w=561&h=428" alt="Sonnenuntergang auf dem Mont Royal" height="428" width="561" /></a><a href="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1463.jpg" title="Montréal Tag"><img src="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1463.jpg?w=561&h=429" alt="Montréal Tag" height="429" width="561" /></a></p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com/10/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=niklasbringtdieweltinordnung.wordpress.com&blog=2366179&post=10&subd=niklasbringtdieweltinordnung&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Piste</media:title>
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			<media:title type="html">Mario, ich, Emily und Linda</media:title>
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		<media:content url="http://niklasbringtdieweltinordnung.files.wordpress.com/2008/02/pict1540.jpg" medium="image">
			<media:title type="html">Uni Montréal</media:title>
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			<media:title type="html">Mario und Linda</media:title>
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			<media:title type="html">Downtown in der Nacht</media:title>
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			<media:title type="html">Sonnenuntergang auf dem Mont Royal</media:title>
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			<media:title type="html">Montréal Tag</media:title>
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