Hostel Talks

12 01 2008

Leider gibt’s immer noch nichts erfreuliches ueber die Zimmersuche zu berichten. Ein Zimmer was ich gerne haben wollte, ist jemand anderem gegeben worden. Mal wieder super.

Es ist ja nicht so, dass ich meine Zeit hier verschwende. Gestern gab’s eine schoene Unterhaltung mit einer Deutschen und einem Schweizer. Die Deutsche, Christina, hat ein Work&Travel-Visum fuer Kanada und ist seit September hier. Sie hat angefangen in Vancouver ist dann nach Kingston, Ontario gegangen, wo ihr Freund studiert und ist jetzt hier fuer ein paar Tage. April fliegt sie wieder zurueck. Ich wusste gar nicht, dass es das gibt, aber es klingt schoen. War sehr angenehm mit ihr zu reden. Sie studiert noch nicht, hatte Psychologie in Erwaegung gezogen und sich von Freunden zu Medizin ueberreden lassen, da sie fuerchtete, sonst nicht mehr aus der Schiene herauszukommen. Als sie fragte, was ich mit meinem Studium mal machen will, meinte ich, dass es hoffentlich eine Arbeit wird, die darin besteht, Menschen an unseren Common Ground zu erinnern und das in der Sprache sichtbar zu machen. Am liebsten mit wirtschaftlichen (in Betrieben) und politischen (in Parteien, Regierungen) Konsequenzen. Das waere mein Traum.

In dem Moment schaltete sich Philipp dazu, ein Schweizer, der hier in Montreal in einem Genocide Studies-Programm seinen Doktor machen will. An diesem Programm ist auch Romeo Dallaire beteiligt, der die Blauhelm-Truppen in Ruanda waehrend des Genozids befehltigte. Philipp meinte, er sei ein Arbeitstier und stecke eine Menge Energie darin, ein Fruehwarnsystem zu entwickeln, welches der Uno helfen wuerde, frueher darauf zu reagieren, wenn’s haarig wird. Es muss ganz schoen weh getan haben, einfach zusehen zu muessen, wie sich so viele Leute gegenseitig umbringen, ohne was tun zu koennen.

Philipp ist skeptisch, ob man Leute an diesen Common Ground erinnern kann. Dass er sich mit Genozid beschaeftigt, hat den Ursprung, dass er sich mit dem auseinandersetzen will, was ihm am meisten Angst macht. Und er meinte, es kann ganz schoen deprimierend sein.

Ich hab mir Zeit genommen auf all seine Fragen einzugehen. Das war nicht so einfach und auch etwas anstrengend – ich will das nicht immer machen und auch etwas besser darauf achtgeben, wenn es zu viel fuer mich wird. Aber ich glaube, ich habe doch zeigen koennen, warum ich davon ausgehe, dass Menschen nicht von Natur aus brutal und gewalttaetig sind, sondern sie das werden, wenn sie menschliche Verbindung in Gefahr sehen. Und Feindbilder sind der Inbegriff dieser Gefahr, projiziert auf andere Menschen. Dann erst beginnt das Morden.

Facebook sei dank werden wir wohl in Kontakt bleiben. Tut gut, Leute kennen zu lernen.

Heute habe ich noch Mick getroffen, einen Australier. Er erzaehlte, dass er momentan herumreist auf der Welt um ein Ferien-Programm fuer Studenten vorzustellen. Er kam hier rein und murmelte was von „This is fucking crazy, man…“ Gestern kam er hier am Flughafen an, wurde von einer Stewardess den halben Weg zur Stadt gefahren und traf da eine weitere Stewardess, die ihm die ganze Stadt zeigte, ihn mit auf eine Party einlud, mit ihm feierte, im Bett landete und zusammen mit ihm am Morgen aufwachte, waehrend ihr Freund wuetend in der Tuer stand. Krasse Geschichte. Hat meine Laune unglaublich gehoben. Er sagte, sowas aehnliches sei mit ein paar Maedels in den letzten drei Wochen in Mexiko, Amerika und Kanada passiert. Cool, dass das geht :-) Klingt abenteuerlich.

Ich weiss noch nicht was ich jetzt mache. Ich warte auf ein paar Mails, wegen Zimmern. Vielleicht passiert aber noch was spannenderes. Mal sehen.

Seid alle gegruesst und bis bald.