Liebe

Dieses Zitat ist mir vor kurzem über den Weg gelaufen und ich finde es so wunderschön und inspirierend, dass ich euch daran Teil haben lassen möchte. Es ist von Chuck Spezzano, der sich mit Paarbeziehungen beschäftigt und ein paar Bücher darüber veröffentlich hat, die ich nicht gelesen habe. Bitte schreibt mir, wenn ihr möchtet, was ihr darüber denkt, was es in euch auslöst.

Jedes Verhalten, das nicht Liebe zum Ausdruck bringt, ist ein Schrei nach Liebe.

Schau dich heute aufmerksam um. Betrachte all die verschiedenen Verhaltensweisen, die die Menschen um dich zeigen. Welche sind von Liebe bestimmt? Welche nicht? Jedes Verhalten, das nicht von Liebe geprägt ist, ist ein Schrei nach Liebe, ein Schrei, der besonders nach deiner Liebe verlangt. Jeder Angriff auf dich, wann und wo er auch erfolgt, entspringt der Sehnsucht nach deiner Liebe. Deine Bereitschaft, auf dieses Verhalten zu reagieren, und zwar nicht durch eine Abwehrhaltung, sondern durch eine Öffnung gegenüber dem Angreifer, bringt dir einen Verbündeten, der dir treu verbunden ist und dir in schweren Zeiten den Rücken decken wird. Jetzt aber ist die Zeit, zu der er dich braucht!

Du weißt genau, wie man sich fühlt, wenn man der Hilfe dringend bedarf. Du weißt, wie häufig du nach Hilfe gerufen hast, ohne dich deutlich erkennen zu geben und ohne von deiner Notlage zu sprechen. Menschen in Not teilen dir genau das ständig mit. Verhalten, das nicht Liebe ausdrückt, ist ein Ruf nach Liebe. Manche Menschen sind in Erstarrung gefangen, andere in aggressivem Verhalten. Schau dich um. Wer ruft dich, weil er auf deine Reaktion wartet? Wer ruft dich, weil er möchte, daß du auf ihn zugehst? Wer ruft dich, weil er deine Hilfe braucht?

Denke an den Menschen, der in deinem Leben die größte Bedrohung darstellt. Stelle dir vor, dass du mit diesem Menschen zusammen bist und offen und aufgeschlossen auf ihn zugehst, weil dir bewusst ist, dass sein aggressives Verhalten nichts anderes ist als der Ruf nach deiner, ausdrücklich deiner Hilfe. Von welcher Art ist die Hilfe, die er sich von dir erhofft? Auf welche Weise kannst du ihm behilflich sein? Frage dich, auf welchem Weg du auf seinen Ruf eingehen willst. Hast du das Gefühl, dass ein Anruf angemessen wäre? Ein paar Zeilen? Ein Geschenk? Ein Gespräch? Wenn du anderen Menschen Hilfe gewährst, wird dir aufgehen, dass dies genau die Menschen sind, die Antworten für dich bereithalten, vielleicht nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt, aber doch in der Zukunft, vielleicht nicht unmittelbar und direkt, aber doch dadurch, dass sie, weil sie nun einmal zu deiner Welt gehören, einen Teil deines Bewusstseins beeinflussen.

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15 responses

28 02 2008
m

es ist ein wunderbares denken, welches man hier in diesen zeilen finden kann. es berührt mich genau wie dich, niklas. dank dir für diese schöne inspiration!

28 02 2008
niklasbringtdieweltinordnung

Vielen Dank für deine Reaktion 🙂 Ich bin glücklich das teilen zu können.

6 03 2008
YC

Hallo Niklas,
danke für die ausführliche Darstellung von Spezzanos Ideen. Bist Du auf ihn durch Eva-Maria zurhorst gekommen? Die zitiert ihn nämlich hier und da (habe ja bis jetzt nur das erste Buch gelesen).
Es ist auf jeden Fall eine schöne und bereichernde Übung – noch habe ich sie nicht umgesetzt, werde mir sie ausdrucken und dann mal sehen…

Herzliche Grüße

YC

19 03 2008
YC

So. jetzt kommt mein Schrei nach Liebe an alle, die das lesen:
Ich bin ziemlich frustriert, wenn ich den Eindruck bekomme, dass ich so ziemlich der Einzige bin, der auf Niklas‘ Blog-Einträge hier öffentlich was schreibt.
Ich hatte mir vorgestellt, auf diese Weise noch ein paar mehr nette Menschen kennen zu lernen. Bisher hat sich das leider nicht ergeben. Schade eigentlich, denn die Inhalte hier sind doch hochinteressant, oder?
Bin mal gespannt, ob dieser Schrei nach Liebe irgendwo im virtuiellen Nirwana ein Echo findet…

YC
(Yan-Christoph)
aus Köln

15 04 2008
frateric

Hi Yan Christoph! Ich antworte Niklas normalerweise privat. Vielleicht sollte ich auch oefter hier antworten… Niklas, du koenntest Yan in eine unserer endlosen Skype Diskussionen einladen…

26 04 2008
Tina

Heidiho Niklas,

hab mich soooo lange nicht gemeldet, denn meine bedürfnisse haben mich hier im lande gehalten 😀
Deine Berichte, Gedanken, Worte sind wunderschön geschrieben und es erfüllt mich mit einer inneren Ruhe deine Worte einfach auf mich einwirken zu lassen. Freu mich wenn du wieder da bist und wir uns wieder austauschen dürfen!

Bis dahin:
Fühl dich dicke gedrückt!

deine
Tina

24 01 2009
Mh...

Schöner Beitrag.

Im Grunde staune ich auch schon seit zig Jahren, was sich die Menschen so gegenseitig antun. Und das eigentlich, obwohl sie sich doch das Gegenteil wünschen!!!

Eine Antwort hierauf zu finden, war und ist für mich Antrieb, mich mit Psychologie, Philosphie, Soziologie etc. zu beschäftigen. Was ich, das nur am Rande, an den „Diplomfabriken“ übrigens eher weniger spannend fand.

Im Grunde kann ich es im Leben immer wieder beobachten: Da sitzen sie, da streiten, da hadern sie – unfähig, sich selbst einzugestehen, was sie sich eigentlich am meisten wünschen und unfähig, zu geben (bzw. auch anzunehmen), wonach sich im Grunde alle sehnen: Nach Liebe.

70%ige Zustimmung, das die meisten Taten (u.a. auch Karrieren, Machtstreben, das Vorführen von Statussymbolen, Gewalt etc.) im Grunde ein Schrei nach Liebe sind.

Der „Rest“? Vermutlich Eitelkeit und Bosheit?

Und – damit es dann im Leben richtig kompliziert wird – dazu dann jede Menge Ängste, Verletzungen, Abwehr, Ersatzhandlungen etc. 😉

1 04 2009
Elke

Hallo Niklas,

„Kern aller Motivation ist es zwischenmenschlich Zuwendung, Wertschätzung und erst recht Liebe zu geben und zu finden….so beginnt der Covereinband des Buches das ich dir empfehlen möchte, falls Du es noch nicht kennst :
„Das Prinzip Menschlichkeit – warum wir von Natur aus kooperieren“, von Joachim Bauer.

1 04 2009
niklasbringtdieweltinordnung

Hallo Elke,

das Buch hab ich mit Begeisterung gelesen und mich sehr über Bauers Beitrag gefreut. Was hast du daraus mitgenommen?
Gruß
Niklas

1 04 2009
Elke

Hallo Niklas,
eine interessante Frage…..Entspannung und Gelassenheit habe ich
mitgenommen durch die Bestätigung der Natürlichkeit und die
dargelegt Logik die hinter so höchst beunruhigenden Prozessen wie
Aggression und Feindschaft letztlich stecken.
Dadurch fällt es mir leichter wenn ich mich angegriffen fühle nicht mit Aggression zu reagieren. Ich finde das alles irgendwie völlig plausibel und
unkompliziert auch weil die Erkenntnisse nicht zu einer Methode oder Lebensanschauung transferiert werden sondern einfach so beschrieben sind wie sie derzeit erscheinen.

Grüße,
Elke

2 04 2009
niklasbringtdieweltinordnung

Guter Punkt. Ich kenne schon so einiges, was durchaus zu einer Methode und Lebensanschauung transferiert wurde. Und so schön das sein kann, das Dumme ist oft, dass es dann nur in diesem speziellen Kontext und mit Leuten die das teilen, wahr und anwendbar zu sein scheint. Joachim Bauer hat es eher in einem Kontext beschrieben, den die meisten in unserer Gesellschaft teilen und dem ich dann auch eher geneigt bin zu vertrauen. Damit wäre auch ganz gut auf den Punkt gebracht, was ich auch anstrebe, wenn ich schreibe 😉

2 04 2009
Elke

Hallo Niklas,
du hast mich auf die Idee gebrach mal zu überlegen welchen Quellen ich traue und warum. Ein Buch das ich sehr liebe von einem Autor der mich sehr anspricht ist von Gunther Dueck „Topothesie – Der Mensch in artgerechter Haltung“. Falls du es nicht kennst ein kleines Zitat wieder mal vom Cover:
„Wer Menschen gleich behandelt, verwundet sie fast alle. Und die Verletzten reagieren wie Muscheln, die den Schmerz mit Perlmutt überziehen. Der Schmerz und die Perle werden zum Zentrum des Lebens. Und weil die Perle so schön aussieht, bewundern wir sie als unsere glänzende Leistung oder unseren Lebenssinn.“
Das ist auch eine Transformation aber eine sehr bildliche die zumindest mir unter die Haut geht. Kannst du mir das genauer beschreiben, welchen Punkt du anstrebst ?

Grüße, Elke
Wobei das Ganze hier schon ziemlich Off-Topic gerät ?

2 04 2009
niklasbringtdieweltinordnung

Hallo Elke,

ich bestimme was off-topic ist und wenn ja, ob’s schlimm ist und ich sage nein 😉

„Wer Menschen gleich behandelt, verwundet sie fast alle.“ Das gefällt mir. Don Beck, der Spiral Dynamics entwickelt hat, basierend auf den entwicklungspsychologischen Arbeiten von Clare Graves, meinte mal „Be the change, that you want to see in the world… – well, maybe the change you want to see is not what the world needs.“ Alle gleich zu behandeln wäre immer NUR orientiert an Prinzipien und demnach ignoriert es den Kontext, in dem jemand sich befindet, wie z.B. sein oder ihr Entwicklungsstand in einem bestimmten Gebiet. Und gleiche Handlungen können je nach Situation sehr verschiedene Konsequenzen haben.

Ja… die Perle, so schön und manchmal so im Wege…

Was ich anstrebe ist, das was ich lerne und erlebe in einem Kontext aufzuschreiben, der für möglichst viele Leute zugänglich ist. Das beste, was mir dazu einfällt ist bisher, sehr genau darin zu sein, meine konkreten Lebensumstände zu beschreiben, damit sie transparent und vorstellbar sind. Auch wenn ich also viel z.B. im Kontext der Gewaltfreien Kommunikation gelernt hab, will ich das auf eine Weise beschreiben, die sich einfach nach common sense anhört und dabei Klarheit schafft. Aber ich wette auch da hab ich wieder Annahmen darüber, was common sense sein könnte, die lange nicht von allen geteilt werden…

Was ist Gunther Duecks Ansatz?
Gruß
Niklas

2 04 2009
Elke

Hallo Niklas,
also auch er schreibt (und spricht) aus seinem persönlichen Kontext, er ist „Chef-Technologe der IBM“, und beschreibt oft aus der Sicht eines IT Unternehmens. So bin ich auf ihn gestossen, denn das ist auch meine Branche. Es schreibt und spricht aber über alles, selbst über Erlebnisse an der Supermarktkasse. Es hat ein relativ regelmässigen newsletter, kann man aber auch alles im web nachlesen. Einer dieser Newsletter schlug für mich damals die Brücke zu dem was mich beschäftigte, wie man Kindern ermöglichen kann selbstbestimmt zu leben.
http://www.omnisophie.com/day_30.html
Ich glaube er hat einfach einen klaren Blick und einen wachen Verstand.
Wenn du ihn mal sehen willst : http://www.omnisophie.com/downloads/Rede-IBM-CKO-2008-Dueck.wmv
Am Anfang ist es etwas zäh, es geht um Unternehmenskultur und Unternehmen im Wandel,aber das dranbleiben lohnt sich aus meiner Sicht.

Grüße,
Elke

30 01 2010
Jana

Hallo Niklas,
Whow, was für ein statement.
Aber- wenn man mal so drüber nachdenkt, dann ist es wirklich so, dass wenn man auf ebensolche aktionen (nicht-liebe) mit offenheit reagiert, man manchmal wundersame und sehr unerwartete reaktionen hervorrufen kann. Dazu muss man sich aber erst mal überwinden, auf einen angfiff der anderen person komplett jeden schutz fallen zu lassen und einfach zu zeigen und zu sagen, was gerade in einem vorgeht.
Wobei es sich am ende lohnt.
Ich habe genau eine solche erfahrung vor kurzem mit einer guten freundin gemacht und ich denke, wenn ich anders reagiert hätte, wären wir wieder mit ungeklärten missverständnissen auseinander gegangen. So haben wir erst zusammen geweint und dann über unsere dummheit gelacht.
Danke für den Gedankenanstoß- jetzt kann ich das ganze besser verstehen und hoffe, dass ich in zukunft öfter so offen reagieren kann- nächstes mal hoffentlich aktiv und bewusst und nicht als instinktive kurzschluss-reaktion.
Liebe Grüße,
Jana

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